Im Lobpreishaus Dresden ist viel Raum, um Gottes Gegenwart wahrzunehmen und ihm Lieder zu singen. Gleichzeitig geht der Blick auch zu den Nachbarn.
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Von Chris Pahl

Ich steige irgendwo in Dresden aus dem Bus. Zur Rechten sehe ich eine graue Plattenbausiedlung, zur Linken einen idyllischen alten Dorfkern. In einem mit Bierwerbung verzierten Schaukasten entdecke ich das Schild: Lobpreishaus. Die Redaktion hat mich hierhin geschickt. Was mich wohl erwartet? In meinem Kopf habe ich Vorurteile: Christen, die sich im Lobpreis immer nur um sich und ihre Gottesbeziehung drehen. Menschen, die sich hinter den dicken Mauern ihres Hauses verstecken und denen die Nöte der Welt fremd sind. Schon in wenigen Minuten werde ich diese Gedanken über Bord werfen müssen. Durch einen Torbogen betrete ich den Innenhof einer alten Pension, die früher mal ein Obsthof war. Auf dem urigen Innenhof tummeln sich Kinder auf Lauf- und Fahrrädern. Sie fahren mich fast um. Später werde ich erfahren, dass hier nicht nur 17 Erwachsene, sondern dazu noch 20 Kinder leben. Das Lobpreishaus ist eine Lebensgemeinschaft, bei der aber jeder seine Haustür zumachen darf.

Vom Rockstar zum Lobpreiser

Im Hof treffe ich auf zwei Rockstars. Gut, zugegeben, ehemalige Rockstars. Stephan und Daniel sind viele Jahre mit der Band D:Projekt auf christlichen und anderen Bühnen unterwegs gewesen. Als Vorband von Silbermond und Revolverheld oder als Headliner großer christlicher Events reisten sie durch Deutschland. Heute nennen sie sich „Lobpreiser“. Sie haben sich im Jahr 2014 einen Traum wahr gemacht und ein riesiges Gebäude in Dresden gekauft. Viele Wunder, besonders finanzielle, waren dafür nötig. Daniel weiß genau: „Das verdanken wir Jesus.“ Neben verschiedenen Wohnungen findet sich hier ein kleiner Caféraum und der mit Musikinstrumenten gut gefüllte Lobpreisraum. Jeden Dienstag wird hier 24 Stunden am Stück gebetet und Gott gelobt.
Der Raum ist jetzt schon viel zu klein. Um das zu ändern, wird gerade eine Scheune ausgebaut. Und damit in Zukunft Nachwuchskünstler gefördert werden können, kommt gleich noch ein kleines Musikstudio mit rein. Hier hat man große Pläne!

Lobpreis mitten im Plattenbau

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Bei der Führung merke ich sofort: Die Crew hier versteckt sich nicht hinter ihren Gartenzäunen. Ganz im Gegenteil! Einmal die Woche öffnet das „Abenteuerland“ seine Türen für die Kinder und Jugendlichen aus dem Plattenbau gegenüber. In Kooperation mit dem Verein „Stoffwechsel“ wird ein großer Garten zum Zelt-und Spielplatz inklusive Holzwerkstatt.
Ebenfalls jede Woche machen ein paar „Lobpreishäusler“ mit Freunden etwas Mutiges. Sie gehen einige Schritte weiter ins Plattenbaugebiet, in dem Alkohol und Drogen oft die bestimmenden Lebensmittelpunkte sind. Und dort mitten auf einem Platz zwischen den Hochhäusern singen sie Lobpreislieder.

»Lobpreis spricht die Emotionen an. Das ist gerade für Jugendliche so wichtig, dass sie Gott im Herz spüren und nicht nur im Kopf.«

Bis zu 50 Bewohner hören ihre Musik und fragen sie nach den „komischen Texten“. Aggressive Reaktionen oder Ablehnung haben sie noch nie erlebt. Eher werden die Leute neugierig. Daniel meint: „Diese Menschen suchen Heimat und wir können ihnen eine echte Heimat anbieten: Jesus.“ Stephan und Daniel berichten ehrlich, dass es in den ersten Monaten nach dem Einzug nicht wirklich ihr Herzensanliegen war, diese Menschen zu erreichen. Sie wollten mit Gebet und Gemeinschaft starten. Aber je mehr Zeit sie mit Jesus verbrachten, umso mehr bekamen sie ein Herz für die Menschen auf der anderen Straßenseite und stiegen nach und nach in das Projekt des Vereins „Stoffwechsel“ ein. „Lobpreis und sich den Nöten der Welt zuwenden, das gehört logisch zusammen“, ist Daniel überzeugt.

Wie wird man Lobpreisleiter?

Ein großer Wunsch des Lobpreishauses ist es auch, Schulungsort und Vorbild im Bereich Lobpreis zu sein. Ich frage Stephan, wie man denn ein richtiger Lobpreisleiter werden kann? Er hat drei Tipps: 1. Lerne dein Instrument ordentlich spielen. Lobpreiser sollten ihr Instrument und ihre Stimme gut beherrschen. Üben, üben, üben. 2. Spiele Lobpreis in deinem Zimmer. Was passiert mit dir, wenn du keinen Applaus bekommst? Und 3. empfiehlt er, sich gute Vorbilder zu suchen, von denen man lernen kann. Stephan und Daniel wünschen sich, dass der Lobpreistrend anhält und sehen darin eine riesige Chance, junge Menschen für Jesus zu gewinnen. „Lobpreis spricht die Emotionen an. Das ist gerade für Jugendliche so wichtig, dass sie Gott im Herz spüren und nicht nur im Kopf.“

Loben. Heilung. Abendmahl.

Heute am Dienstag ist öffentlicher Lobpreisabend. Über 40 Leute aus unterschiedlichsten Gemeinden versammeln sich jede Woche hier. Gemeindegrenzen gibt es im Lobpreishaus nicht. „In der Anbetung werden wir eins“, sagen die beiden Initiatoren. Der Lobpreis ist unspektakulär. Einige bekannte Lieder wechseln sich mit selbstgeschriebenen Songs ab. In einer Ecke tanzt eine Frau mit einer Fahne für Gott, andere knien, malen, schreiben oder heben die Hände. Ich mag die Atmosphäre. Hier kann jeder so Gott begegnen, wie er es braucht. Heute Abend sind zwei Menschen mit Krankheiten da. Für sie wird mit starken Worten um Heilung gebetet.

»In der Anbetung werden wir eins.«

Daniel berichtet von einem Heilungsgebet im Lobpreishaus, nach dem Jesus sogar Krebs bei einer Person geheilt hat. Ich bewundere den Glauben hier und zugleich denke ich an die Menschen, für die ich gebetet habe, die aber nicht geheilt wurden. Ein Spannungsfeld. Der Abend endet mit einem Abendmahl in Kleingruppen. Ehrlich gesagt habe ich da heute einen ganz normalen Lobpreisabend erlebt. Da gab es mal einen schiefen Ton und viele Möglichkeiten, Gott zu begegnen. Aber genau das wollen die Gründer des Lobpreishauses: keine Perfektion, sondern den Raum für Gott in diesem Haus, ihrem Stadtteil und ihrem eigenen Herzen vergrößern. Eine tolle Vision.
Ich verlasse das schöne Gebäude mit einer Hoffnung im Herzen. Hoffnung, dass sich tiefe Anbetung und sozial-missionarischer Einsatz nicht ausschließen. Hoffnung, dass Anbetung die verschiedenen Christen einen kann. Hoffnung, dass hier in zukünftige Lobpreisleiter/innen investiert wird. Hoffnung, dass Jesus auch in meinem Leben Wunder tun kann.

 


Dieser Artikel ist zuerst in der Teensmag erschienen, die wie jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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