Benni ist Missionar bei der „Surf Church“ in Viana do Castelo in Portugal. Missionarisch surfen? Wir haben ihn gefragt, wie das funktioniert.

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Benni, wie bist du bei der Surf Church gelandet?
Ich war zum ersten Mal vor vier Jahren im Surf Camp der Surf Church Porto. Ich mochte Surfen und fand Mission toll. Ein Jahr später war ich nochmal da, als mein Leben eigentlich an einem Tiefpunkt war. Zu der Zeit war ich ziemlich planlos und habe Gott gefragt, wo er mich haben will. Nach ein paar Auslandsaufenthalten mit dem Missionswerk OM („Operation Mobilisation“ / Anmerkung der Redaktion) war ich dann in Kontakt mit dem Initiator der Surf Church in Porto. Zu dem Zeitpunkt hatte sich bei mir einiges getan, ich hatte Bock, mich theologisch weiterzubilden und mehr und mehr ein Herz für Gemeindegründung bekommen. Irgendwie kam alles zusammen und ich habe gemerkt: die Surf Church mit ihrem Fokus auf Jüngerschaft vereint, was ich liebe. Also habe ich Troy, den Leiter, angefragt und er hat gesagt: „Cool, komm her!“

Das war echt krass, weil ich die Jahre zuvor viele verschlossene Türen vorgefunden habe und ziemlich viele Dinge einfach nicht funktioniert haben. Auf einmal flogen alle Türen auf! Ich habe vor einem Jahr hier in Viana, etwas nördlich von Porto, angefangen. Das ist die zweite von der Surf Church gegründete Gemeinde.

Warum sind Surfer eure Zielgruppe?
Die drei Ehepaare, die die Surf Church in Porto gegründet haben, sind alle Surfer. Dadurch hatten sie darauf ihren Fokus. Gerade Surfer sind eine spezielle Gruppe von Menschen, für die Gemeinden oft keinen Blick haben. Das war der ursprüngliche Gedanke. Aber jetzt hier in Viana denken wir darüber nach, den Namen zu ändern. Das Ganze ist zwar als Surf Church gestartet, repräsentiert die Menschen unserer Gemeinde aber derzeit eigentlich nicht. Auf der anderen Seite ist durch den Namen direkt klar, dass wir keine konventionelle Kirche sind, das weckt natürlich Aufmerksamkeit. Wir sehen das, was hier in Porto und Viana durch die Surf Church begonnen hat, als den Beginn einer Bewegung von Gemeindegründungen im Norden Portugals. Das werden nicht alles Surf Churches sein. Es gibt bereits eine weitere Gründung mit einem anderen Namen. Deswegen heißt unser neues Gemeindegründungstraining auch Church Planters Initiative (CPI) und soll speziell darauf vorbereiten – und dabei begleiten – hier in Portugal Gemeinden zu gründen.

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Wie sieht eure Arbeit aus?
Die Gemeinde ist dadurch gestartet, dass ein Ehepaar seine Verwandten eigeladen hat, mit ihnen die Bibel zu lesen. Dann kamen wir als Missionare dazu, Marcelo mit seiner Frau Marjorie aus Brasilien und ich aus Deutschland. Unser „Hauptministry“ ist es, auf natürlichem Wege Beziehungen aufzubauen. Das heißt für mich, ich versuche so viel wie möglich zu surfen. Für die Familien in unserem Team heißt das zum Beispiel, dass sie Zeit mit den Eltern anderer Kinder verbringen oder mit den Nachbarn. Dadurch ist die Church-Community sehr organisch. Daneben haben wir zum Beispiel noch das WAVE-Meeting (Women Active in Virtuos Evangelism). Es klingt weges des Namens WAVE zwar nach Surfen, hat aber eigentlich nichts damit zu tun. Die Frauen treffen sich, sind gemeinsam kreativ, backen oder kochen und sprechen über einen Bibeltext. Mit den Männern machen wir Craft Beer, das bietet auch die Möglichkeit, Freunde einzuladen, die nicht gläubig sind, um einfach Zeit zusammen zu verbringen. Das senkt die Hemmschwelle für Nichtchristen.

Hat das Surfen eine Bedeutung für deinen Glauben?
Nicht direkt. Der Ozean ist mein „Happy Place“, der Ort zum Abschalten und Runterkommen. Es gibt aber coole Parallelen, die man zum Glauben ziehen kann. Ich sage manchmal, Surfen ist wie Heiligung. Surfen ist die schwierigste Sportart, die ich je gemacht habe, und es zu lernen ist ein lebenslanger Prozess – aber du feierst jeden kleinen Erfolg. Heiligung ist so ähnlich: Wir leben mit Jesus, wir gehen weiter im Glauben und zwischendurch haben wir diese Durchbruch-Momente, wo wir denken: Wow, ich habe irgendwas voll verstanden oder Befreiung erlebt in einem Bereich meines Lebens.

Wenn du Jesus kennst, dann hast du die Fülle des Lebens.

Ihr wollt als Community nach Leben in Fülle streben. Was heißt das für euch konkret?
Ich glaube, Fülle des Lebens ist, Jesus wirklich zu kennen. Wenn ich mal meine letzten Jahre anschaue, dann ist das auch die größte Lektion für mich. Alles andere kann dir genommen werden, aber Jesus bleibt. Wenn du Jesus kennst, dann hast du die Fülle des Lebens. Er macht jede Facette des Lebens schöner.

Wie bereitest du dich vor, wenn du missionarisch surfen gehst?
Es ist mir wichtig, die Zeit Gott anzubefehlen und zu sagen: „Jesus, das ist deine Zeit. Wenn du durch mich reden willst, dann gebrauche mich.“ Und das Coole ist, das nimmt unheimlich viel Druck weg und ich werde immer wieder überrascht. Natürlich, manchmal gehe ich raus und habe kein Gespräch, aber ich habe die Zeit Jesus gegeben und bin deswegen voll entspannt. Ich gehʼ raus und ich bin einfach offen dafür, Leute kennenzulernen, und Gott überrascht mich mit Möglichkeiten, mit denen ich gar nicht gerechnet hätte. Aber natürlich muss ich auch gehorsam sein und einfach mal reden, wenn ich merke, dass die Leute offen sind.

Es ist selten, dass ich wirklich direkt das Evangelium weitergeben kann, häufig geht es einfach darum, erst mal Beziehungen aufzubauen. Ich denke da an Jesus und Levi. Jesus lädt ihn ein, ihm nachzufolgen, Levi folgt ihm nach und das nächste was er macht, ist eine Party bei sich zu Hause, wo der „Abschaum“ der Gesellschaft hinkommt − Zöllner und Prostituierte. Er lädt Jesus zu dieser Party ein und Jesus kommt. Ich denke mir, krass, das Leben von wie vielen Menschen wurde an diesem Abend verändert?! Sie sind ihm vielleicht nicht direkt alle nachgefolgt, aber sie hatten die Möglichkeit, Gott zu sehen, sie hatten Gemeinschaft mit ihm.

Planst du, dauerhaft dort zu leben?
Ich habe ein „Starting Commitment“ bei OM, in meinem Fall sind das zwei Jahre. Danach evaluieren wir den Bedarf und die Arbeitsweise meines Einsatzes. Ich bin hier, solange Gott mich hier haben will. Das können zwei, vier oder zehn Jahre sein, das kann mein ganzes Leben sein. Ich weiß, dass ich jetzt am richtigen Platz bin und ich merke auch, dass die Arbeit hier oder Mission an sich wirklich Zeit braucht, dass Beziehungen Zeit brauchen.

Was würdest du jemandem raten, der selbst eine evangelistische Gruppe starten will?
Eine gute Frage, um anzufangen ist: Wo habe ich eine Leidenschaft und eine Plattform, über die ich auf einem ganz natürlichen Weg mit anderen in Kontakt bin? Und dann einfach in die Beziehungen zu investieren und authentisch zu sein. Es ist wichtig, sich bewusst verfügbar zu machen für Gott. Ich mache das, indem ich sage: Jesus ich gehe jetzt surfen und das ist deine Zeit. Wenn du durch mich reden willst, dann gebrauche mich. Unser Motto hier ist „doing what we love for the one we love“, das spiegelt genau das wider.

In Deutschland hatte ich auch schon Möglichkeiten dazu, ich habe viel gebouldert, diese Plattform aber einfach nicht genutzt. Ich habe bewusst nicht in diese Beziehungen investiert, weil mir mein Gemeindeleben so wichtig war, dass ich nicht verfügbar war, um bei anderen Menschen zu sein. Aber die Sache ist − Licht bist du da, wo es dunkel ist, da wird es gebraucht. Wir sind häufig als Christen so fokussiert auf unsere Gemeinden, was an sich schön und angenehm ist, aber oft dazu führt, dass wir die Menschen draußen vergessen. Es gibt so viele Möglichkeiten, auch in Deutschland, in unserem Alltagsleben, Missionare zu sein. Das ist Jüngerschaft für mich – das passiert nicht erst dann, wenn jemand schon gläubig ist und ich ihm helfe zu wachsen, sondern wenn ein Mensch einen Schritt näher zu Gott kommt. Und deswegen glaube ich, dass auch zusammen zu surfen oder Craft Beer zu machen Jüngerschaft ist, wenn wir authentisch unseren Glauben leben oder einfach nur unsere Erfahrungen sprechen lassen.

Danke für das Gespräch!

Die Fragen stellte Hannah Kolem.

Mehr Eindrücke aus dem Alltag der Surfchurch gibt’s unter www.surfchurch.pt oder auf Instagram @surfchurchporto und @surfchurchviana.


Dieses Interview ist zuerst in der Zeitschrift DRAN erschienen. DRAN wird vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

 

 

 

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. immer wieder cool zu sehen auf welch ungewöhnlichen Wegen Mission stattfindet, finde ich super. Und ich denke das ist auch der richtige Weg, man muss in das gewöhnliche Leben reingehen. Surfen, Craft beer – das sind Dinge mit denen man sich verständlich machen kann, damit können viele etwas anfangen. Ich hoffe es finden sich noch viele ähnliche Initiativen.

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