Weniger Christen, größere Pfarrgebiete – In diesen Punkten unterscheidet sich die Kirche in den neuen Bundesländern von der im Westen. Die kann von ihr jedoch etwas lernen.
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Von Dr. Thomas Schlegel

Um es gleich vorwegzusagen: Kirche im Osten ist anders. Christsein fühlt sich anders an, kirchliches Handeln benötigt andere Prämissen, und Mission ist hier nicht ein nettes Zusatzgeschäft, sondern seit Jahren eine unhinterfragte Grundhaltung christlicher Existenz. „Anders als“: Damit vergleiche ich natürlich mit „dem Westen“. Und weiß dabei, dass das ziemlich überholt klingt – 30 Jahre nach der Wende. Und dass das zu schematisch ist – die regionalen Unterschiede überlagern häufig die Ost-West-Differenz. Und ich weiß, dass Themen wie religiöse Indifferenz und Mehrkirchenpfarrämter auch die alte West-EKD erreicht haben. Insofern sind die Unterschiede kleiner als noch vor 20 Jahren – aber der Ost-Effekt ist immer noch spürbar.

Eigentlich müsste ich jetzt das ganze Besteck wissenschaftlicher Differenzierung auspacken, um einen fundierten Vergleich anzustellen, aber in diesem Artikel reicht der Platz nicht für eine zahlenuntersetzte Gegenüberstellung. Es geht um einen Essay, einen persönlichen Gesprächsbeitrag, in dem ich Geschichten erzählen kann – oder könnte. Denn meiner Erfahrung nach eignen sie sich dafür nicht. Ich habe des Öfteren erlebt, dass man mit Erzählungen nur Stereotype bedient und Klischees verfestigt.

Mit dem Westen wenig zu tun?

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Da berichte ich vor der Württemberger Synode, wie kirchliches Arbeiten in der Diaspora aussehen kann – und ernte hinterher am Buffet das Schulterklopfen vom Bischof: „Sie haben es schon schwer dort.“ Und die Geschichten derer, die mehr als 20 Kirchorte zu versorgen haben, rufen entweder Kopfschütteln oder Bewunderung hervor. Jedenfalls läuft immer der Subtext mit: „Das hat mit uns hier [im Westen] wenig zu tun.“ Und genau das glaube ich nicht. Denn in solchen Situationen entdecken wir etwas von den Chancen und Herausforderungen, die für alle bedeutsam sind – heute schon.

Ich werde im Folgenden einige Dimensionen des Kirche-Seins markieren, die im Ostteil unseres Landes anders laufen, oder vielleicht besser: besonders sind.

1. Ausgedünnte Strukturen

Kirche ist hier strukturell anders aufgestellt: größere Gebiete, weniger Geld, kaum Gemeindehäuser auf dem Land, die Region als Normalfall. Dem System einer Staatskirche mit zentraler Behörde und einem Netz an überschaubaren Verwaltungseinheiten folgt man zwar noch ideell; faktisch ist es kaum noch wahrnehmbar. Überraschend, dass sich die Ausdünnung nicht zu DDR-Zeiten ereignete – aber natürlich mit ihr zusammenhing. Das kann man gut am heutigen Kirchenkreis Altenburger Land illustrieren: Gab es während der 40 sozialistischen Jahre faktisch kaum eine Stelle, die wegfiel, sind es zwischen 1993 und 2013 70 % der Pfarrstellen, die dort verschwunden sind – dazu kommen ganze zwei Kirchenkreise, die dem Rotstift zum Opfer fielen. (1)

Warum erst nach der Wende? Weil die kirchliche Infrastruktur zu DDR-Zeiten faktisch nicht angetastet wurde. Aufgrund der geringen Gehälter und der Stütze aus dem Westen war das nicht nötig – obwohl man in den 40 Jahren von der Mehrheit zur Minderheit mutierte: Gehörten nach dem Krieg noch über 90 % der ostdeutschen Bevölkerung einer Kirche an, waren es zur Wende nur noch ca. 25 %. Und dieser Veränderung musste man sich nach der Wiedervereinigung stellen – und zusätzlich auf die wieder steigenden Austritte und die zunehmende Säkularisierung reagieren.

Nun ist eine ausgedünnte Pfarrstruktur nicht schlimm. In vielen peripheren Gebieten unserer Erde funktioniert Kirche dennoch. Das Problem im Osten Deutschlands ist, dass es so schnell ging. Gemeinden empfinden einen intensiven Phantomschmerz und klagen das „Licht im Pfarrhaus“ ein. Kirchenleitenden ist andererseits bewusst, dass diese Zeiten nicht wiederkommen werden – und ein Paradigmenwechsel nötig ist. Mit Menschen, die noch dem Alten nachtrauern, ist das schwerlich anzugehen. Und doch gibt es vielerorts Ideen und Christen, die nach vorne denken. Doch wir bräuchten auch konzeptionell den Schritt nach vorne: Dass wir uns offiziell vom flächendeckenden, staatsanalogen Versorgungsparadigma lösen und auf alternative Konzepte in der Fläche setzen – und Mut zur Lücke haben. Vielfalt statt Gleichförmigkeit, das ist ein greifbares Szenario für die kirchliche Entwicklung im mehrheitlich ländlichen Ostdeutschland.

2. Schwache Volksfrömmigkeit

Natürlich ist die kirchliche Struktur nur die eine Seite der Medaille – und zwar die Rückseite. Denn das, was von ihr verwaltet werden soll, ist der Glaube. Wenn eine lebendige Frömmigkeit herrscht und der Glaube in den Häusern fest verankert ist, gibt es viel Selbstorganisation und kirchliches Engagement – auch ohne einen hauptamtlichen Vertreter. Aber auch das ist in den neuen Bundesländern nur selten zu finden. Da gibt es zwar hier und da volkskirchliche Reste (Rhön, z.T. Altmark, Eichsfeld), aber eine breite erweckliche Tradition findet sich eigentlich nur in Teilen Sachsens.

Obwohl von unserem Landstrich einst die lutherische Reformation ausging, Bach und Händel hier verwurzelt waren, Zinzendorf und Francke ihre Spuren hinterließen: In der Frömmigkeit der Bevölkerung ist davon wenig geblieben. Das mag auch mit dem dominanten Protestantismus zu tun haben. Religionssoziologen haben immer wieder unterstrichen, dass der Katholizismus eine „höhere Bindekraft“ besitze (2) und die Präsenz mehrerer Konfessionen den religiösen Markt im Allgemeinen belebe. (3)

3. Eine „arbeiterliche Gesellschaft“

Zur mangelnden Prägekraft der Kirchen mag auch die Sozialstruktur Ostdeutschlands beigetragen haben: Von einzelnen intellektuellen Inseln abgesehen, ist hier das Industrieproletariat traditionell stark. Schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert tat sich die Kirche schwer damit, es zu erreichen. Vollends zu Zeiten der DDR wurde aus Ostdeutschland eine „arbeiterliche Gesellschaft“ (Engler). Die bürgerlichen und aristokratischen Schichten wanderten nach 1945 ab, zurück blieb die „Gemeinschaft der Werktätigen“, der der bildungsorientierte Protestantismus fremd blieb.

4. Staatliche Repressionen

Die Christen, die in der Kirche verblieben, waren Repressionen ausgesetzt. Der „Arbeiter- und Bauern-Staat“ zettelte ab den 1950er-Jahren einen regelrechten Kulturkampf an (z. B. um Konfirmation und Jugendweihe), den er langfristig gewann. Denn es blieb nicht bei äußerem Druck: Durch ethische Ersetzungs- („Zehn Gebote der sozialistischen Moral“ (4)) und weltanschauliche Überbietungsrhetorik (Marx’ Gesellschaftstheorie) konnten die Säkularisierungsbestrebungen eine „innere Plausibilität“ erzeugen, sodass sich in der DDR-Bevölkerung eine weitgehende Säkularität durchsetzte, die auch nach dem Zusammenbruch des Staates erhalten blieb. Dass man dabei Anleihen bei dem geschichtsphilosophischen Modell der Aufklärung nahm und „Wissenschaft als Religion“ (5) etablierte, macht es heutigen missionarischen Bemühungen so schwer: Man ist derart fest davon überzeugt, Religion hinter sich gelassen zu haben, dass schon das Thema an sich keine Gespräche evoziert.

5. Glaube atmet etwas Exotisches

Man spricht bei solchem Desinteresse von religiöser Indifferenz. Gefragt danach, ob sie sich eher christlich oder atheistisch verstehen, antworteten Leipziger Jugendliche schon 1999: „Weder noch, normal halt.“ (6) Diese knappe Antwort machte vielfach die Runde, bringt sie doch das Besondere der ostdeutschen Konfessionslosigkeit besonders gut auf den Punkt: In einer atheisierenden Kultur verschwindet über kurz oder lang auch das Thema Religion. Jedenfalls in seiner expliziten Form. Man muss sich nicht mehr positionieren und sich noch nicht einmal damit auseinandersetzen. Das birgt natürlich auch missionarische Chancen: Für Menschen wird der Glaube wieder interessant – als etwas Exotisches freilich, das mit ihnen wenig zu tun hat.

6. Glaubenslosigkeit ist die Norm

Und ja, fast hätte ich es vergessen, weil es so selbstverständlich ist: Der Grad an Konfessionslosigkeit ist etwas Besonderes an Ostdeutschland. Sogar im internationalen Vergleich. So kommen verschiedene Studien zu dem Ergebnis, dass der Osten Deutschlands den „säkularen Pol“ der Welt darstelle. So formulierte es Tom Smith 2012 in seiner Metastudie. (7) Aber schon bald nach den Umbrüchen 1989 hatte man Ostdeutschland eine „Sonderstellung“ innerhalb der postkommunistischen Länder zugeschrieben: Denn hier gibt es „den höchsten Anteil von Menschen, die sich als atheistisch bezeichnen und den geringsten, die sich als religiös definieren“ (8).

Im Osten gehört die Konfessionslosigkeit zur gesellschaftlichen Norm, von den weitaus meisten Menschen ist sie ererbt, nicht erworben worden. „Diese unterschiedlichen quantitativen Verhältnisse wirken zurück auf das Lebensgefühl von Kirchenmitgliedern bzw. Konfessionslosen in den jeweiligen Sphären. Es macht einen Unterschied, ob man sich in Übereinstimmung mit oder im Gegensatz zu der stillschweigenden ‚Normalität‘ im Umfeld weiß.“ (9) Oh ja!

Sicher, die hier angedeuteten Phänomene sind auch anderswo zu finden – und in diesem Sinne ist Ostdeutschland auch nicht singulär. Aber das ist auch gar nicht der Punkt. Mir war wichtig zu unterstreichen, dass Ostdeutschland ein besonderer Raum innerhalb Deutschlands (bzw. Europas) ist, der ein spezifisches kirchliches Handeln und missionarisches Agieren erfordert. Was die kirchlichen Antworten auf die spezielle Situation angeht, stecken wir allerdings noch in den Kinderschuhen. Nachdem die Ostkirchen relativ rasch und umfassend das westdeutsche Kirchenmodell übernommen haben, kommen den Verantwortlichen hierzulande mächtige Zweifel: Ob Beamtentum, Verwaltungsstrukturen und Kirchensteuer in den ostdeutschen Kontext passen? Vielleicht hätte man in den 1990er-Jahren mutiger an das anknüpfen müssen, was an Spuren schon zu DDR-Zeiten gelegt wurde: Kirche in der Diaspora durchzubuchstabieren.

Alles auf Anfang

Ansätze in eine solche Richtung, die sicher auch für andere Kontexte gelten, wären:

  • Ideen rund um ein intelligentes Schrumpfen und eine veränderte Kirchenorganisation. Wie wird eine Institution kleiner – bleibt ihrem Auftrag treu und genügt den Erfordernissen der Organi­sation? Dazu müssten Daten gesammelt und von verschiedenen Disziplinen ausgewertet werden. Jedenfalls war der bisherige Rückbau vielerorts von Konzeptlosigkeit geprägt: einfach immer weniger vom selben. Alternativen wurden und werden gedacht, müssten aber gesammelt, getestet und strategisch umgesetzt werden. Gibt es Ausstiegsszenarien aus dem post-staatskirchlichen Kirchenmodell á la West-EKD? Wenn ja, wie sehen die aus und welche Schritte sind zu gehen?
  • Unabhängig von den kybernetischen Fragen rund um den Rückbau sollte dem Wachstum und der Mission nachgegangen werden. Diese Trennung ist wichtig, weil Rückbau und Aufbau verschiedenen Logiken folgen! (10) Die Strukturfragen fressen überdies so viel Energie, dass wenig davon bleibt, um zu fragen: Was läuft gut? Wo müsste man investieren? Was sollte ausprobiert werden? Solche Wachstums­keimlinge sind unersetzbar: Erstens, weil es unser Auftrag ist, Menschen zu erreichen – zweitens, weil wir hier exemplarisch lernen können, wie Kirche in diesem Umfeld „funktionieren“ kann, und drittens, weil sie einen echten Haltefaktor gegen den Sog der negativen Stimmungen in einer vergehenden Volkskirche bilden können.
  • Allen Aktivitäten, bei denen der Glaube für Indifferente Relevanz gewinnt, muss eine sehr, sehr hohe Priorität eingeräumt werden. Daran ist zu lernen. Ebenso benötigen wir Schnittstellenkompetenz in alltäglichen Situationen, Sprachfähigkeit usw. Das kleine missionarische Einmaleins muss in einer atheisierenden Kultur neu gelernt werden.
  • Gemeinde und Kirche müssen vielfältig gedacht werden, nicht nur in Richtung Fresh X oder Erprobungsräume, sondern auch: Kirche nicht mehr als Einzelgemeinde, sondern als Netz von kirchlichen Akteuren in der Region, Gemeinden, Hauskreise, eine Kita usw. Damit tritt auch eine Verflüssigung des Kirchenbildes ein.
  • Letztlich brauchen wir etwas, was wir nicht „machen“ können: den Geist Gottes. Darum sollten wir ohne Unterlass bitten – und dabei demütig sein. Trotz unseres reichen Erbes, vieler Kirchengebäude und einer Menge Erfahrung müssen wir uns neu bewusst machen, dass wir vieles nicht wissen, nicht kennen und verstehen: viele unserer Zeitgenossen, mit ihren schrägen Ideen und pragmatischen Antworten. Wir sollten wieder mehr Fragen stellen und lernen, uns zu bücken.

Einige dieser Ansätze berücksichtigen wir schon in der Mitteldeutschen Kirche, z. B. bei den Erprobungsräumen. Bei anderen stehen wir ganz am Anfang. Aber mit dem Anfang anzufangen, war schon immer ein guter Rat.

Kirchenrat Dr. Thomas Schlegel leitet das Referat „Gemeinde und Seelsorge“ im Landes­kirchenamt der EKM in Erfurt. Hier ist er u. a. zuständig für den Prozess „Erprobungsräume“. Mit Fragen rund um Konfes­sionslosigkeit, Kirche in Ostdeutschland und Ausdünnungsprozessen beschäftigt er sich seit seiner Forschungstätigkeit am IEEG in Greifswald.


(1) Meyer, Frank/Miggelbrink, Judith (Hg.), Kirchliche Strukturplanung in schrumpfenden ländlichen Räumen. Das Beispiel des Kirchenkreises Altenburger Land, (forum ifl Heft 28), Leipzig 2015.
(2) Pickel, Gert, Ostdeutschland im europäischen Vergleich – immer noch ein Sonderfall oder ein Sonderweg? In: Ders., Sammet, Kornelia (Hg.), Religion und Religiosität im vereinigten Deutschland, Wiesbaden 2011, 170.
(3) Vgl. Finke, Roger/Stark, Rodney, The Dynamics of religious economies. In: Dillon, Michele (Hg.), Handbook of the Sociology of Religion, Cambridge 2003, 96-109.
(4) So von Walter Ulbricht 1958 deklariert.
(5) Vgl. Schmidt-Lux, Thomas, Wissenschaft als Religion. Szientismus im ostdeutschen Säkularisierungsprozess, Würzburg 2008.
(6) Vgl. Wohlrab-Sahr, Monika, Religionslosigkeit als Thema der Religionssoziologie, PTh 90 (2001), 152-167.
(7) Smith, Tom W., Beliefs about God across Time and Countries, Chicago 2012, 6.
(8) Geller, Helmut/Gabriel, Karl/Eichelberger, Hanns-Werner, Die Kirchen in der DDR vor und nach der Wende. In: Gabriel, Karl u.a. (Hg.): Religion und Kirchen in Ost(Mittel) Europa. Deutschland-Ost. Ostfildern 2003, 193-341, hier 324f.
(9) Pittkowski, Wolfgang: Konfessionslose in Deutschland. In: Huber, Wolfgang u.a. (Hg.), Kirche in der Vielfalt der Lebensbezüge, Gütersloh 2006, 89-110, 89.
(10) Vgl. Schlegel, Thomas, Umbau – Rückbau – Aufbau. Eine dialektische Verhältnisbestimmung, in: Entdeckungen im Umbruch der Kirche, im Auftrag des Zentrums für Mission in der Region, hg. v. Hans-Hermann Pompe und Benjamin Stahl, (Kirche im Aufbruch 21), Leipzig 2016, 137-154.

Der Artikel erschien zuerst im Magazin 3E, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

 

 

 

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Danke für diesen sehr differenzierten Artikel.
    Was mir fehlt ist der Blick auf die Diakonie.
    Für viele Menschen wird Kirche im Osten nur noch über die Diakonie wahrgenommen. Hier liegt ein großes Potential zukünftiger diakonisch- geistlicher ja auch missionarischer Möglichkeiten. Meine Meinung nach ist das Potential dort sogar größer als in unseren absterbenden volkskirchlichen Strukturen. Bei vielen diakonischen Trägern gibt es jetzt schon eine Reihe Aktivitäten , die diakonisch- geistliche Kultur zu stärken und somit ein neues Bild von Kirche zu entwickeln. Dabei wird nicht nur das Bildungsbürgertum angesprochen, sondern alle soziale Schichten werden erreicht. Konfessionszugehörigkrit spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Meine Beobachtung ist, dass die Aktivitäten die sich in den letzten Jahren bei diakonischen Trägern entwickelt haben, viel zu wenig von der offiziellen Kirche wahrgenommen werden. Sie erfahren bezeichnender Weise auch hier in dem Aufsatz von Dr. Schlegel gar keine Erwähnung. Dabei würde sich eine genauere Betrachtung der sich entwickelnden diakonischen „Kirchlichkeit“ lohnen. Investitionen wie „Erprobungsräume“ gerade im diakonischen Umfeld wären auch wünschenswert und ganz sicher ertragsreich.
    Stephan Brinkel ( Diakon im pastoralen Dienst der Diako – Thüringen)

  2. Immerhin haben die Christen in der DDR über mehrere Jahrzehnte hinweg Netzwerke von engagierten Christen unterhalten, auch Netzwerke von Pfarrern und Diakonen. – Die Landeskirchen waren mehr als jede andere Art Kirche Träger lebendigen und engagierten Christseins. Es gab Konferenzen, Jugendtreffen, Kirchenwochen im Sommer, alles in den evangelischen Landeskirchen, und natürlich waren Freikirchen und Katholiken willkommen.
    Gemeinden wurden von erweckten jungen und älteren Pfarrern zu erneuerten Gemeinden aufgebaut. Überall im Land standen sie, die Pfarrhäuser, in denen sich der Geruch von Zementmörtel mit der süßen Gegenwart des Heiligen Geistes mischte und Hunderte suchende Menschen anzog.
    Für „Gefangenschaft“ zunächst einmal recht ordentlich.
    Im vergangenen Jahr, bei einer Kirchenwoche, dem 40-jährigen Jubiläum der 1. Kirchenwoche in Deetz/Götz, im Havelland, sprach ein „junger“ Mann, Mitte 60, rückblickend über das Christsein „damals“ in der DDR – und über „jetzt“, …
    „Leute, wo sind wir eigentlich jetzt, …,“ sagte er bewegt und fassungslos im Rückblick und Jetzt-Blick, …
    Wo ist – alles das, was wir einmal hatten, …
    Es ist anscheinend so, dass Christen in der DDR kämpfen um das geistliche Leben, das sie in der DDR empfangen und kultiviert hatten, … Nun, wo sie nicht mehr „DDR“ sind, aber „BRD“, …

  3. Ich kann nur festhalten: In den 90er Jahren lernten wir Christen aus Großbritannien kennen. Solche, die in ganz neuen Gemeindeverbänden arbeiteten (z. B. die „Pioneer-Movement“), aber auch – und das war das Großartige, das Begeisternde – die Gemeindegründungsbewegung in der anglikanischen Kirche. Z. B. unter dem Dach von acpi, der Anglican Church Planting Initiative. – Die Berichte, die wir von dort erhielten, schriftlich, waren elektrisierend.
    Und die MACHTEN ES WIRKLICH. Kirchen in Kinos, Pubs, Cafes. Gründung von Tochtergemeinden in anderen Stadtteilen, in Problembezirken, für bestimmte Menschen mit bestimmten Problemen.
    SIE MACHTEN ES! – Der Erzbischof von Canterbury unterstützte sie!
    Was für ein großartiges Vorbild, …
    Bob Hopkins war ein Mann, der das stark befördert hatte.
    Man arbeitete auch zusammen.
    Wir müssen nun endlich anfangen, auch einmal das umzusetzen, was die Anglikaner in GB schon in den 80er und 90er Jahren gemacht haben.
    Herr Dr. Schlegel hat, wie in dem Artikel geschrieben ist, vormals an dem Institut in Greifswald gearbeitet. IEEG
    Nun – das Institut in Greifswald muss unbedingt, ganz unbedingt, die Umsetzung der ganzen großartigen theoretischen Studien in Angriff nehmen, die sie machen. Oder ihre Studien vergessen und einfach anfangen.

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