Überschlag-Schaukel, Beton-Murmelbahn, Emu-Käfig – eine Gemeinde in Reuth (Sachsen) hat sich viel einfallen lassen, damit Menschen wieder den Weg in die Kirche finden.

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Zwei Sonderbusse aus dem 15 Kilometer entfernten Plauen fahren an unserem Pfarrhaus vor und Hort-Kinder steigen aus, um einen Tag lang bei uns im Pfarrgarten zu spielen. Jedes Jahr kommen die Kinder des „Spatzennest“ zu Besuch, denn so einen Abenteuerspielplatz gibt’s in der Stadt nicht.

Die Kinder haben sich mittlerweile im Garten verteilt: Vom Baumhaus aus klettern sie über die Baum-Seilbrücken zum McDonalds-Turm, rutschen hinunter, nehmen ein Bälle-Bad, klettern über die Holz-Jurte und rutschen bis zur Seilbahn. Andere schaukeln in den zwei Doppel-Hängematten, pumpen Wasser aus dem Brunnen, um mit Sand Staudämme zu bauen, oder spielen mit der Beton-Murmelbahn. Wer es schafft, kriecht in den am Baum baumelnden Bälle-Sack oder dreht sich mit Freunden auf der Donut-Schaukel. Einige Jungs zieht es zum Fußball-Käfig, manche erkunden den „geheimen Bunker“ unter Reisighaufen oder füttern unsere Emu-Riesenvögel mit Löwenzahn. Unter Aufsicht und mit Sicherung dürfen Kinder in 15 Metern Höhe auf unseren Kletterbaum steigen oder unsere neue Überschlagschaukel ausprobieren. Diese wurde extra für eine ZDF-Show gebaut und danach konnten wir sie dauerhaft nach Reuth holen.

Gruppen, die uns besuchen, essen meist am Grill-Pavillon oder in der Holz-Jurte, in deren Mitte eine Lagerfeuerschale steht. Im Frühjahr und Sommer kommen neben Kindergärten auch Schulklassen, Kindergeburtstags-Gesellschaften oder Familien mit mehreren Kindern, um bei uns im Pfarrgarten zu feiern. Wochentags ist der Abenteuerspielplatz auch für Kinder aus dem Ort und für Familien aus der Umgebung geöffnet. Er konnte durch Fördermittel, zweckgebundene Spenden, Kinder-Camp-Beiträge und viel ehrenamtliche Arbeit errichtet werden.

Die Kinder-Camps

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Das geistliche Anliegen kommt vor allem bei den Kinder-Camps zum Zug, die wir seit 2007 im Pfarrgarten anbieten. Da zelten im Sommer für sechs Tage etwa siebzig bis neunzig Kinder bei uns. Es gibt beispielsweise Workshops, Gruppen-Wettkämpfe, eine Talente-Show, Funny-Fighting, eine Nachtwanderung, einen Segnungsabend und am Ende einen Familiengottesdienst mit den Eltern.

Im Zentrum steht ein kreatives Bühnenprogramm im Zirkuszelt: Es wird dreimal täglich von den Kinder-Evangelisten und Liedermachern Ronny Kropf, Norbert Binder oder Sebastian Rochlitzer gestaltet. Bei einer kindgerechten Show mit Bibelgeschichten und Bewegungsliedern vermitteln sie den Kindern Begeisterung für ein Leben mit Jesus.
Die insgesamt etwa dreißig Mitarbeitenden sind größtenteils noch Teenies. Gut zwanzig von ihnen haben in den vergangenen Jahren selbst an den Camps teilgenommen und dort wichtige Erfahrungen auf ihrem Weg mit Gott gemacht. Oberstes Ziel der Kinder-Camps ist es, dass Kinder Jesus näher kennenlernen. Das zweite Ziel ist es, Spaß zu haben. Von den geistlichen Impulsen, die in den vergangenen 13 Jahren von den Kinder-Camps in Reuth ausgegangen sind, haben neben der eigenen vor allem die Kirchgemeinden in der Umgebung und mittlerweile auch die Evangelische Jugend profitiert.

Begegnungsort Pfarrgarten

Seit 13 Jahren trifft sich außerdem regelmäßig eine Jungschar-Gruppe im Pfarrgarten. Sie bestand fast immer aus Kindern, deren Eltern nicht regelmäßig zum Gottesdienst gehen. Ebenfalls konnten wir das Martinsfest etablieren, welches nach einem Lampion­umzug am Lagerfeuer in der Holz-Jurte endet.

Nicht nur Kinder zieht es in den Pfarrgarten: Beispielsweise ist das große Erntedankfest sehr beliebt, das wir seit 2007 zusammen mit dem Heimatverein Reuth veranstalten. Da kommen etwa 2.000 Besucher in das kleine Dorf gepilgert. Vor der Kirche gibt es einen Herbstmarkt und im Pfarrgarten findet das Kaffeetrinken mit Live-Musik unter den herbstlich gefärbten Bäumen statt.

Mehrere tausend Besucher haben in den vergangenen Jahren unseren Pfarrgarten besucht und kennengelernt. Sie haben zumindest ein kleines positives Erlebnis mit Kirche gehabt und für manche war es auch ein Ort der Begegnung mit Gott. Vielleicht schlummert auch in manch anderen Kirchgemeinden das Potenzial, neben der Kirche und dem Pfarrhaus auch den Pfarrgarten als einen Ort der Begegnung und Verkündigung zu nutzen.

Frank Stepper ist Lehrer, Gemeindepädagoge und Autor und leitet die Projekte im Pfarrgarten in Reuth (Sachsen). Mehr Infos zu dem Pfarrgarten finden Sie hier.

— Hinweis: Der Artikel und das Bild stammen aus der Zeit vor Corona.
Wir wollen durch diesen Beitrag niemanden dazu bringen, die geltenden Schutzbestimmungen zu missachten! —


Dieser Text erschien zuerst in dem Magazin 3E (Ausgabe 2/2020). 3E wird vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

 

 

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