Der evangelische Landesbischof Sachsens, Carsten Rentzing (epd-Bild: Matthias Rietschel).
Der Bundestagswahlausgang, der hohe Prozentsatz an AfD-Wählern in Sachsen sowie das neue Gesetz zur Ehe für alle beschäftigt die evangelische Landeskirche in Sachsen. Debattiert wird außerdem über eine Strukturreform. Der Evangelische Pressedienst (epd) sprach in Dresden mit dem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing, über die aktuellen Herausforderungen.

epd: Wird sich nach der bundesweiten Einführung der Ehe für alle an der Praxis innerhalb der sächsischen Landeskirche etwas ändern?

Rentzing: Für eine öffentliche Segnung dieser Partnerschaften in einem Gottesdienst gilt die Regelung, dass Pfarrer, die es vor ihrem Gewissen verantworten können, diese Segnung auch praktizieren dürfen. Dazu gibt es eine kirchliche Handreichung.

Würden Sie selbst homosexuelle Paare in einem Gottesdienst segnen?

Ich habe immer gesagt, dass ich das nicht machen würde. Dabei bleibe ich auch weiter. Die neue Rechtslage ändert nichts in der theologischen Frage.

Gibt es denn konkrete Anfragen von gleichgeschlechtlichen Paaren in Sachsen, die sich in einem evangelisch-lutherischen Gottesdienst segnen lassen wollen?

Aktuell sind mir keine Anfragen bekannt. Die Landeskirche wird allerdings analog zur „Ehe für alle“ ihre Regelungen für die eingetragenen Lebenspartnerschaften formal anpassen. Das wird auf Kirchenleitungsebene geklärt. Eine Zustimmung der Synode ist dafür nicht erforderlich.

Bei der Bundestagswahl hat die AfD besonders im Osten und besonders in Sachsen gepunktet. Wie sollten die Kirchen und die Gesellschaft damit umgehen?

Wir sollten in der Sache debattieren und uns davor hüten, in plakative Schubladen zu verfallen. Davon wird abhängen, wie die Entwicklung im Land weitergeht. Wir müssen mit allen gewählten Vertretern, und vor allem ihren Wählern, reden. Dazu sehe ich keine Alternative, wenn man nicht mit dem Feuer der gesellschaftlichen Spaltung spielen möchte. Als Kirche werden wir dabei darauf achten, dass der Respekt vor der Würde aller Menschen in unserer Gesellschaft weiter im Zentrum steht.

Die sächsische Landeskirche steht inmitten tiefgreifender Strukturveränderungen. Längerfristig müssen Stellen eingespart und Kirchenbezirke gerade auf dem Land großräumiger gebildet werden. Wie bereiten sich die Gemeinden darauf vor?

Derzeit laufen Gesprächsabende in den Regionen zur Strukturreform. Drei von sachsenweit insgesamt sechs Abenden zu möglichen Strukturmodellen sind bereits gelaufen. Für die Diskussionen bin ich sehr dankbar. Ich bin stolz auf die Gemeinden, denn es wird deutlich, ihnen ist die Zukunft dieser Kirche nicht egal. Insgesamt rund 1.000 Teilnehmer haben mit Leidenschaft und innerer Anteilnahme diskutiert. Die Gespräche sind von dem Willen geprägt, den besten Weg für unsere Landeskirche zu finden. An der Strukturreform arbeiten Kirchenvorstände und Gemeindeglieder auf konstruktive Art und Weise. Das ist ein großartiges Zeichen.

Was ist den Gemeinden besonders wichtig?

Wichtig ist ihnen, dass die Identität vor Ort erhalten bleibt. Das erscheint mir ein wesentlicher Baustein, den auch die Landessynode in ihren Beschlüssen zu berücksichtigen haben wird.

6 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Der Bischof öffnet die Tür einen Spalt und die Homo-Ehe strömt herein in Gottes gute Stube. Bonus corrumpunt mores congressus, böse Beispiel verderben gute Sitten. So wird’s gemacht.

    Akutell mag es keine Anfragen geben, aber das Damoklesschwert hängt fortan über den Gläubigen. Es wird herab fallen. Sage niemand, er habe es nicht gewußt.

    Die gute Sitte der Bischöfe ist, der Obrigkeit nach dem Mund zu reden. Der faule Kompromiß kommt aus einem faulen Charakter.

    Ja, Ja, Nein, Nein – alles andere ist von Übel.

    • Was für ein Unsinn! Gott lieb alle seine Kinder… Für ihn sind sie gleich… und die Bibel ist eine Übersetzing von Menschenhand…Für solche Botschaften der Diskriminierung und in Teilen geprägt von Verachtung würde er sich schämen!

  2. Diese Eierei und das Ausgrenzen von Menschen kommt mir aus der Historie der Kirche viel zu bekannt vor. Man schaue sich nur mal die Argumente der Landeskirchen und ihrer Bischöfe in den Jahren 1933 – 1945 an.
    Aber noch besser:
    Fragt den Bischof doch mal, wie er mit seien eigenen Pastoren umgeht, die homosexuell orientiert leben, und vielleicht sich sogar als Paar darstellen.
    Es ist gott-erbärmlich.
    c.p.

  3. Die gottgewollte Ehe ist das „Einswerden“ zwischen Mann und Frau!

    Alles „Andere“ ist dem Schöpfergott ein Gräuel und wird nicht ohne Folgen bleiben.

  4. Wie nach der Einführung der Homoehe sich abzeichnet, wird es keine Ruhe geben, sondern die, die aus ihrem Gewissen und Glauben heraus nicht gut heißen, gilt es anzugehen und möglichst öffentlich anzuprangern. Toleranz kann man hier von denen, die vermeintlich für mehr Toleranz kämpfen, nicht erwarten. Das zeigt sich beim Bischof von Münster recht deutlich. In den letzten Jahren wurde gegen den „homophoben“ Bischof Carsten Rentzing nicht immer fair berichtet und in Zukunft wird es wohl nicht besser sein. Ich wünsche ihm Kraft zu seinem Gewissen zu stehen.

  5. Der evangelische Landesbischof Sachsens, Carsten Rentzing öffnet nach meiner persönlichen Meinung im Bezug „Ehe für alle“ in der sächsischen Landeskirche dem Zeitgeist Tür und Tor. Würde ihm wünschen, das er sich zu der biblischen Offenbarung Gottes in 1. Mose 1, Vers 27 mit den Worten: Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib (Luther – Übersetzung 1984), bekennt. Weiterhin steht in der Bibel im 1. Buch Mose Kap. 2, Vers 18 geschrieben: Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin (ein Gegenüber) machen, die um ihn sei.“ Im Schöpfungsbericht Gottes wird ersichtlich das Gott Menschen hetrosexuell erschafft und sie füreinander in einer natürlichen Art und Weise geschaffen hat. Möchte dem Landesbischof Carsten Rentzing ermutigen, diese Worte Gottes in der Diskussion „Ehe für alle“ in der sächsischen zu benennen und zu bekennen.

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