Kardinal Reinhard Marx,
Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising (picture alliance/dpa | Peter Kneffel)

Papst Franziskus hat den Amtsverzicht von Kardinal Reinhard Marx als Erzbischof von München und Freising abgelehnt – und den Missbrauch durch Geistliche als „Katastrophe“ bezeichnet.

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Laut Vatican-News schrieb Franziskus an den Münchener Kardinal wörtlich: „Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising.“ Er danke Marx für dessen Mut und rate der Kirche, die Missbrauchs-Krise anzunehmen. Die Kirche müsste Verantwortung übernehmen, „sowohl als einzelner als auch in Gemeinschaft“, so der Papst. Sexueller Missbrauch und der Umgang damit in der Kirche „bis vor kurzem“ sei eine „Katastrophe“, schrieb der Papst.

Der Papst lobt die Bemerkung von Kardinal Marx aus seinem Rücktritts-Angebot, dass er sich weiter pastoral und für eine „geistliche Erneuerung der Kirche“ engagieren wolle. „Und genau das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising.“ Franziskus‘ Schreiben endet mit der Formel „mit brüderlicher Zuneigung“.

Marx hatte sich am 21. Mai in einem persönlichen Schreiben an Papst Franziskus gewandt (Jesus.de berichtete). Darin schrieb er: „Ohne Zweifel geht die Kirche in Deutschland durch krisenhafte Zeiten.“ Dafür gebe es auch über Deutschland hinaus weltweit viele Gründe. „Aber die Krise ist auch verursacht durch unser eigenes Versagen, durch unsere Schuld.“ Marx weiter: „Im Kern geht es für mich darum, Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten […] Wir sind – so mein Eindruck – an einem gewissen „toten Punkt“, der aber auch, das ist meine österliche Hoffnung, zu einem Wendepunkt werden kann.“

7 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Keine Ahnung, was,das jetzt soll.

    Soll man Reinhard Marx jetzt als „innerlich gekündigten“ Erzbischof von München und Freising weiter halten? Was halten die Gläubigen in diesem Bistum davon, wenn ihr Oberhaupt „nicht mehr will“? Als Naturwissenschaftler würde ich jetzt eher sagen: Die Kirche ist nicht an einem „toten Punkt“ angekommen, sondern hat den Nullpunkt nach unten durchschritten. Von Wendepunkt kann wohl keine Rede sein. Es geht immer weiter abwärts bis in die tiefsten Minuszahlen. Bis vielleicht die Mitgliederzahl asymptotisch bei Null angelangt ist?

    Betet bitte für unseren katholischen Geschwister.

    • Ich bin mir nicht sicher, ob Marx ein „innerlich Gekündigter“ ist. Könnte sein, dass Franziskus ihn besser versteht als Herr Poh (schließlich ist der Brief an den Papst nicht im vollem Wortlaut bekannt).

      Marx hat auch davon gesprochen, dass er ein Zeichen setzen wollte. Das ihm jedenfalls gelungen. Ob er jetzt „innerlich gekündigt“ ist, weiß ich nicht. Ich gehe davon aus, dass der Papst das nicht denkt, ob zu Recht oder Unrecht.

      • Kardinal Marx zwischen Baum und Borke

        Kardinal Marx ist zwischen Baum und Borke – ich erkläre, welche zwei Möglichkeiten/Wahrheiten es geben könnte. Die Erste könnte sein, dass Marx, ohne es sicher zu wissen, keine persönliche Schuld trägt und Missbrauch nicht vertuschte, gewissermaßen mit gutem Willen voranging in dem er seinen Rücktritt angeboten hat. Es setzte stellvertretend für alle, die keine Verantwortung übernehmen wollten, ein Zeichen. Wenn Gutachten noch ausstehen, jetzt aber die Opferverbände über Marx verbal herfallen, dann ist das menschlich durchaus verständlich, aber dennoch nicht fair. Es sind nicht alle Katzen grau. Die zweite Möglichkeit wäre, wenn auch mE unwahrscheinlich, dass der Kardinal persönlich Mitschuld hat an sexuellem Missbrauch durch Mitwissen und Nichthandeln. Aber dies müsste dann auch bewiesen werden. In diesem Falle wäre sein Abschied vom Amt konsequent. Der Fälle Marx und Wölki sind wahrscheinlich keinesfalls vergleichbar.

        Papst Franziskus hält an Marx fest und der Kardinal ist nicht nur ein enger Vertrauter, sondern auch einer der (wie man es dann auch vom Kirchenoberhaupt annehmen kann) zu den konsequenten Reformkräften einer Aufarbeitung von Missbrauch und Befürworter einer Kirchenreform an Haupt und Gliedern ist. Die Kirche sei am oder unter dem Nullpunkt, ist wahrscheinlich eine Übertreibung. Aber es ist zugegeben eine Schande, dass die Glaubwürdigkeit von uns Christinnen und Christen in allen Kirchen durch die Verletzung von Kinderseelen sehr ramponiert wird. Das Leid von Betroffenen ist bei Gewalt (Missbrauch ist Gewalt) immer am allerschlimmsten. Notwendig sind: Gute Gespräche mit Betroffenen und Bitte um Vergebung, Entschädigung, Kostenübernahme bei Psychotherapien, auf dem synodalen Weg als Ziel flache Hierarchien, demokratische Strukturen, Ämter für Frauen, eine Kirche für alle Menschen und eine menschlichere Sichtweise von Sexualität (muss breit angelegter Diskurs werden). Zölibat sollte keine Pflicht, sondern nur Kür werden. Die Trennung in der Tischgemeinschaft mit Jesus Christus (Abendmahl/Eucharistie) ist ein Skandal. Voraussetzung für alles: Eine wirkliche Buße nicht nur der katholischen Berufschristen, sondern der ganzen Kirche. Wenn man das Überbetonen von Dogmen sein lässt, schafft man sich seelische Freiräume: Eine gelebte Freiheit in der Kirche und damit für das Leben der Christenmenschen. Auch dies vermeidet Missbrauch: Dem Heiligen Geist sollten keine Knüppel zwischen den Beine geworfen werden. Wir brauchen auch mehr Ökumene.

  2. Das Problem sind nicht groß der Missbrauchsfälle / schlimm genug / sondern die oft Irrlehren , wo die Bibel / Jesus Christus 💕 nicht die Mitte war / ist . Jede Kirche sollte eine Rettungsarche sein / doch dem ist sie in der Masse nicht ..

  3. Ich denke, hier wird entscheidend sein, wie das von den Opfern und Opfergruppen aufgenommen wird.

    Letztlich wurde mal wieder keine Konsequenz gezogen aus den Missbräuchen.

    Marx hat ja recht, wenn er schreibt, dass Leitung (wie er) hier auch Verantwortung übernehmen muss. Unbestritten allerdings, dass einem sofort 2 weitere hohe Leitungspersonen der RKK einfallen, wo dieses deutlich angesagter wäre, aber Verantwortung so nicht übernommen wird.

    Allerdings ist Marx wohl auch nicht ohne persönliche Schuld. Im Gegensatz zu manchen anderen hat er sein Verhalten aber wohl reflektiert und Folgerungen daraus gezogen.

    Schlimm hingegen wäre es, wenn dieses ganze Rücktritt und dann wieder doch nicht weniger mit den schlimmen Missbräuchen als vielmehr mit Machtkämpfen zwischen Reformern und Nichtreformern zu tun hätte. Was ja nun wirklich nicht ausgeschlossen ist. Dann wären die Opfer erneut Spielball der Kirchenpolitik.

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