Erwachsenentaufe (Bild: pixabay/alexramos10).
In Deutschland lassen sich offenbar mehr Flüchtlinge taufen als bislang angenommen. Allein in der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) seien in den beiden vergangen Jahren insgesamt rund 500 Asylsuchende evangelisch getauft worden, sagte Landesbischof Markus Dröge in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd).
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Dies sei insgesamt „eine beachtliche Zahl“. „Wir haben in den letzten beiden Jahren 2015/2016 in unserer Landeskirche insgesamt 430 Taufen gehabt, und es gibt noch weitere 60 Taufanwärter. Also man kann sagen, es handelt sich um rund 500 Flüchtlinge, die sich evangelisch taufen ließen oder noch taufen lassen wollen“, sagte der Bischof.

Schätzungen waren bislang von bundesweit rund 2.000 Flüchtlingen ausgegangen, die sich haben taufen lassen. „Wenn man versuchte, die Zahl der Flüchtlingstaufen in den Landeskirchen strukturiert abzufragen, müssten es bundesweit weitaus mehr als 2.000 Flüchtlingstaufen sein – wenn allein wir in der EKBO schon 500 zu verzeichnen haben“,betonte Dröge. Die meisten Täuflinge kämen aus dem Iran. Einige seien auch aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak. „Es handelt sich meistens um Erwachsene oder auch ganze Familien, die zusammen Taufunterricht nehmen“, sagte der Bischof.

Zudem seien sie üblicherweise von Geburt an Muslime. „Viele iranische Taufanwärter haben sich aber schon in ihrer Heimat für den christlichen Glauben interessiert, sie konnten dies aber nicht offen ausleben. Erst jetzt in Deutschland können sie endlich ihren christlichen Glauben leben und realisieren“, betonte Dröge.

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„Taufe keine Eintrittskarte in die Gesellschaft“: Christliche Werte beeindrucken

Als Hauptmotiv für das Taufinteresse unter Flüchtlingen sieht der Bischof die Anerkennung der christlichen Werte. Die Verbindungen von christlichem Glauben und Menschenwürde, „das beeindruckt viele stark“, sagte der Bischof. Dröge bezeichnete es zudem als „interessant, dass viele unserer deutschen Mitbürger unser soziales System, unsere offene Gesellschaft gar nicht mehr so bewusst auf die Wurzeln des Christentums zurückführen. Aber diejenigen, die von außen aus einer ganz anderen Kultur kommen, sehen diese Zusammenhänge“.

Dröge wollte indes nicht ausschließen, dass auch die Anerkennung als Asylberechtigter ein mögliches Motiv für die Taufe sein könne. „Im Einzelfall kann die Taufe Auswirkungen auf das Asylverfahren haben, wenn in den Herkunftsländern die Religionsfreiheit eingeschränkt ist“, sagte Dröge. Aber das sei nicht das vorherrschende Thema in den Taufkursen mit Flüchtlingen. Eine Taufe führe nicht zwangsläufig zu Vorteilen im Asylverfahren. „Wir weisen Geflüchtete darauf hin, dass die Taufe nicht das Eintrittsticket in unsere Gesellschaft ist“, sagte der Bischof.