Einen Monat lang fragt die Micha-Initiative nach den Ursachen unseres Konsum-Lebensgefühls: Was genau steckt drin in der Lebensart unserer Gesellschaft, die prall gefüllte Regale und sinnentleerte Seelen produziert?

Von Stefanie Linner, Micha Deutschland

Bevor wir überhaupt sprechen können und in der Lage wären, sie zu beantworten, hören wir sie – die vielleicht älteste Frage unseres Lebens: „Na, und was willst du mal später werden?“ Als hätten wir nicht schon genug mit dem Großwerden an sich zu tun, sollen wir uns mit unseren ersten Gehversuchen überlegen, wo im Leben wir denn mit diesen Beinen später mal stehen wollen. Was am Ende steht – welche großen Ziele, nennenswerten Erfolge und ausgezeichneten Abschlüsse unseren Werdegang krönen sollen.

Junge Menschen, die sich heute für einen Beruf entscheiden sollen, stehen vor einer noch nie dagewesenen Masse an Optionen. Satte 19.000 Studiengänge gibt es mittlerweile allein Deutschland. Dazu kommen die Ausbildungsberufe. Und die Frage nach dem zukünftigen Jobtitel ist nur der Anfang: Zu welcher Clique willst du gehören, wie willst du dich stylen, was sind deine Hobbys, willst du mal heiraten, und Kinder – willst du welche und wenn ja, wie viele und lieber Jungs oder Mädchen? Und wann willst du zum ersten Mal ins Ausland und wann fängst du dein erstes Praktikum an? Und überhaupt und sowieso: Was willst du denn mit deinem Leben anfangen?! Ist eigentlich auch egal, Hauptsache du machst was, aus dir!
Letztlich steckt dahinter eine ganz andere Frage, die wohl so alt ist wie die Menschheit selbst: Was ist das gute Leben? Und wie bitteschön geht gutes Leben?! Wie lebt man es?!!

Wir gehören zu den reichsten Nationen der Erde – und doch nicht zu den glücklichsten.

„Es ist dir doch gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet“ – so beginnt der Micha-Vers aus dem gleichnamigen Prophetenbuch an der Stelle 6,8. Es gibt wenige Vers-Starts, die ich in meinem Leben so oft gelesen habe; und es gibt wenige Verse, dir mir bei jedem Lesen neu eine Gänsehaut über die Seele jagen. Es ist dir doch gesagt, Mensch, was gut ist. So eindeutig kommt dieser Satz daher – und steht damit im krassen Gegensatz zu dem klaren Unentschieden, das unser Lebensgefühl heute sonst ausmacht.
Wir haben mehr äußere Freiheiten als irgendeine andere Generation vor uns – und doch sind wir oft unzufrieden. Wir erleben noch nie da gewesenen materiellen Wohlstand in Deutschland – und doch sind wir oft unglücklich. Wir gehören zu den reichsten Nationen der Erde – und doch nicht zu den glücklichsten.[1] Das Leben in Deutschland birgt heute schönste Sonnenseiten und schädlichste Schattenseiten. Was genau steckt drin in der Lebensart unserer Gesellschaft, die prall gefüllte Regale und sinnentleerte Seelen produziert?

Los geht’s mit folgenden Tipps:

  • Fragen: In welchen Situationen fühle ich mich besonders überfordert und orientierungslos? Was genau löst dieses Gefühl in mir aus?
  • Beten: Gott, zeige mir deine Ideen und Gedanken zum guten Leben. Ich öffne mich für die so anderen Gedanken, die du über uns und über das Gute, Wahre und Schöne des Lebens hast. Leite du mich auf meinem Weg in eine neue Vorstellung darüber, was Erfolg und Glück in diesem Leben bedeutet.
  • Handeln: Schreibe dir heute einmal deine Definition des gutes Lebens auf. Was bedeutet es für dich, ein gutes Leben zu führen? Stelle auch einmal deine eigene Definition dem gegenüber, was du in der Gesellschaft als Modell für ein gutes Leben wahrnimmst.

[1] Vgl. Studie des „Welt-Glück-Berichts“/World Happiness Report, URL:http://worldhappiness.report/, abgerufen am 10.10.2018.

Einfach leben Micha

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen ein