Ekaterine Doreulli: „Geschichten aus der Erstaufnahme“

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Ekaterine Doreull ist im Jahr 2015 selbst Asylsuchende und berichtet von zahlreichen Begegnungen im Raum 211 – ihrer Unterkunft in einer Gießener Erstaufnahmeeinrichtung für die Dauer von mehreren Monaten.

Hier begegnet sie Frauen aus Somalia, Eritrea, Tschetschenien, Syrien, aus der Ukraine und aus Armenien, Albanien, Serbien, Afghanistan und dem Iran. Die Frauen sind teilweise alleinstehend, alleinerziehend mit einem oder mehreren Kindern, mit nur wenigen Habseligkeiten ausgestattet und oft traumatisiert. Es treffen die unterschiedlichsten Kulturen auf engstem Raum aufeinander, die Kommunikation ist oft erschwert. Alle warten sie sehnsüchtig auf ihren „Transfer“, d.h. die Verlegung in eine andere Einrichtung, in der ihre Asylanträge bearbeitet werden.

Die Autorin erkundigt sich bei ihren Zimmergenossinnen nach den Gründen ihrer Flucht und was sie sich von einem Leben in Deutschland versprechen. Die Schicksale der Frauen und ihre Vorstellungen könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch eint sie der das eine Gefühl: Hoffnung. Hoffnung auf ein Leben ohne Krieg, Verfolgung und Korruption; Hoffnung auf einen Neuanfang; Hoffnung auf die Chance, die eigenen Träume zu verwirklichen. Diese Hoffnung hat den einzelnen Frauen den Mut gegeben, die lange und gefährliche Reise nach Deutschland zu wagen.

Am Ende des Buches dankt Ekaterine Doreulli dem Team des Ruhland Verlags, „der die Stärke und die Geradlinigkeit hat, Bücher gegen den Strich zu veröffentlichen“. Handelt es sich bei den „Geschichten aus der Erstaufnahme“ um ein Buch gegen den Strich? Auf alle Fälle handelt es sich um ein brandaktuelles Thema, das uns alle etwas angeht. Die Flüchtlingsströme aus Syrien und Afrika reißen nicht ab. Deutschland ist für viele Asylbewerber ein beliebtes Ziel.

Wir stehen in der Verantwortung Hilfe zu leisten. Der Autorin gelingt es, durch die kurzweiligen Berichte der verschiedensten Lebensgeschichten, den Blick auf einzelne Schicksale zu ermöglichen. Der Leser sieht nicht mehr die Masse der Flüchtlinge, sondern einzelne Menschen.

Der Leser fühlt sich betroffen, leidet mit und freut sich, wenn die Not ein Ende hat und sich die Leidensgeschichten zum Guten wenden. Auch die Leidensgeschichte der Autorin selbst wendet sich schließlich zum Guten, denn ihrem kleinen Neffen wird mit Hilfe deutscher Ärzte das Leben gerettet.

Von Natalie Freising

Verlag: Ruhland-Verlag
ISBN: ISBN 978-3-920793-20-7
Seitenzahl: 168
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Sterne

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Ich habe das Buch auch gelesen. Ich wurde förmlich in die Geschichten gezogen, die plastisch und ohne Patos die gelebte und erlebte Realität der Frauen im Camp und ihre Hoffnung auf ein gutes Leben schildern. Das Buch ist absolut lesenswert. ( 5 Sterne)

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