Gerade kleinere Kinder lassen sich leicht für Bibelgeschichten begeistern. Wenn sie größer werden, setzt bei manchen eine „Bibelmüdigkeit“ ein. Zwei Mütter berichten, wie sie ihren Kindern die Bibel lieb machen.
Werbung

Von Silke Lindhorst

Vom Vorlesen zum Selberlesen

Ich bin begeistert von der Bibel und möchte diese Begeisterung gern an Kinder weitergeben. In meinem Beruf als Religionslehrerin gelingt mir das ganz gut. Ich liebe es, die biblischen Geschichten zu erzählen und im Austausch darüber meist diejenige zu sein, die durch die Kinder immer wieder neu lernt, wie sehr die „alten“ Worte Gottes heute in meinen Alltag sprechen. In unserem Alltag als Eltern dreier Kinder (11, 9 und 6 Jahre) bleibt an manchen Tagen kaum Zeit für die Dinge, die uns wirklich wichtig sind, und wir fragen uns: Wie kann das gemeinsame Lesen in der Bibel ein fester Bestandteil im Familienleben werden? Wie kommen unsere Kinder vom abendlichen Vorlesen der biblischen Geschichten zum Selberlesen? Wo sehen die Kinder an mir meine Begeisterung für die Bibel und lassen sich anstecken?

Eine „richtige“ Bibel

Schon bevor ich eine eigene Familie hatte, sammelte ich Kinderbibeln und liebe noch heute die Bilder von Kees de Kort. Unserer ersten Tochter allabendlich daraus vorzulesen und zunehmend ihre Gedanken dazu kennenzulernen, war eine besondere Zeit. Spätestens mit dem dritten Kind wurden diese Bibel-Vorlesezeiten zwar etwas kürzer, aber nicht weniger wichtig. Auch wenn wir ab und zu gemeinsam zusammengesessen haben, um die Geschichten aus der Bibel zu hören, hat es sich in unserer Familie so eingespielt, dass diese Zeit auch eine des intensiven Austausches jedes Kindes allein mit einem Elternteil geworden und geblieben ist.

Werbung

Neben den Kinderbibeln war die „Erwachsenenbibel“ den Kindern immer präsent. Und so war es etwas ganz Besonderes, dass die Große, als sie das erste Mal beim SPRING-Festival zu den Grundschulkindern gehörte, ihre erste eigene Bibel zu Ostern geschenkt bekam. Das entwickelte sich zu einem festen Ritual: Auch unser Mittlerer bekam dann bei SPRING eine eigene Bibel und unsere Kleine, die diesen Sommer eingeschult wird, scharrt schon mit den Füßen, ob sie wohl eine Bibel in ihrer Schultüte finden wird oder noch bis SPRING warten muss.

„Oft kommen wir als Familie spontan ins Gespräch über den Glauben und die Bibel.“

Unsere Kinder haben das Bibellesen außerhalb der Familie vor allem bei Freizeiten oder beim kibi-Ferientreff erlebt. Das ist ein buntes Programm für Kinder am Strand, das der Bibellesebund im Sommer an sieben Orten an der Nordsee anbietet. Seit unsere Große acht Jahre alt ist, nimmt sie an Reitfreizeiten teil, bei denen das gemeinsame Lesen in der Bibel und der Austausch mit Gleichaltrigen fester Bestandteil sind. Sie kommt immer ganz begeistert zurück und liest selbst in der Bibel. Nach einer solchen Freizeit hat sie, als selbst ernannte Gruppenleiterin, ihre Geschwister und uns als Eltern zu einer Kleingruppe zusammengerufen und mit Hilfe des frisch erhaltenen Bibelleseplans „Guter Start“ mit uns in der Bibel gelesen, so wie sie es auf der Freizeit erlebt hatte.

Spontane Gespräche

Auch unserem Neunjährigen helfen die „Guter Start“- Hefte, selbst in seiner Bibel zu lesen. Oft kommen wir als Familie spontan ins Gespräch über den Glauben und die Bibel. Wie wertvoll solche Gespräche werden, wenn wir gemeinsam „mal eben bei Gott nachlesen“ und zur Beantwortung von Fragen oder Überprüfung von Aussagen statt Google die Bibel (oder die Smartphone-App) rausholen und gemeinsam Gottes Ideen und Sichtweisen entdecken und besprechen.
Wir freuen uns als Eltern zu sehen, wie die Kinder immer mehr auf ihrem eigenen Weg mit der Bibel unterwegs sind. Wir gehen zwar weiterhin auf diesem Weg als Vorbilder und Ansprechpartner voran, können aber auch dankbar beobachten, wie sich andere Ermutiger auf Freizeiten oder im Schülerbibelkreis, durch Bibelleseplan, App und Co auf diesem Weg dazu begeben und wie die Kinder selbst anfangen, andere für die Bibel zu begeistern.

Silke Lindhorst ist Lehrerin und lebt mit ihrer Familie in Wermelskirchen.

 

„Das kennen wir schon“

„Während die Kinder frühstücken, lese ich ihnen aus unserem Kinderandachtsbuch vor“, erzählt mir meine Freundin bei einem gemütlichen Kaffee. „Das ist mir total wichtig.“ Ich weiß gar nicht, was ich darauf antworten soll. Unsere Kinder sind im gleichen Alter. Mir ist das natürlich auch wichtig. Ich wünsche mir, dass meine Kinder den Gott der Bibel kennenlernen, dass sie von klein auf mit den Geschichten über seine Größe und Liebe aufwachsen.

Aber jeden Tag ein Andachtsbuch gemeinsam lesen? Das klappt bei uns nicht. Morgens bin ich ganz dankbar, dass ich nicht alle gleichzeitig wecken muss, sondern ein Kind nach dem anderen in Ruhe losschicken kann und erst dann das nächste wach wird. Eine Zeit lang habe ich versucht, mit den Kindern ein Andachtsbuch oder die Kinderbibel nach dem Mittagessen zu lesen. Ich hatte es mir total entspannt und gemütlich vorgestellt und mich auch bemüht, dass es eine schöne Atmosphäre und eine Zeit des Auftankens für alle wird. Aber nach ein paar Tagen habe ich frustriert aufgegeben. Die Jungs haben nur rumgealbert, gemotzt und gestritten. Meine Tochter hat sich dadurch gestört gefühlt und ist weinend in ihr Zimmer abgezogen. Da es so lange gedauert hat, bis wir endlich alle halbwegs zufrieden im Wohnzimmer saßen, hatte die Jüngste kein Sitzfleisch mehr und hat angefangen zu stören. Schön war das für niemanden.

Schwer zu begeistern

Auch wenn ich abends vor dem Schlafen die Kinderbibel anbiete, kommt nur ein genervtes: „Das kennen wir alles schon auswendig!“ Meine Söhne sind wirklich schwer zu begeistern. Vielleicht liegt das am Alter. Die beiden sind gerade fünf und sieben Jahre alt. Als Kleinkinder haben sie sich gern aus der Kinderbibel vorlesen lassen.
Ganz ehrlich, bei uns klappt es zur Zeit gar nicht. Ich bin nicht sonderlich stolz darauf, muss aber zugeben, dass ich die Kinderbibel schon länger nicht mehr angeboten habe. Wir versuchen kreativ zu sein und nutzen andere Möglichkeiten, die für die Kinder verlockend sind und biblische Geschichten neu und spannend erzählen.

Magisch angezogen

Eine Zeit lang haben wir abends die Kinderbibel-App von YouVersion gemeinsam gelesen. Wir haben das Bild vom Smartphone auf den Fernseher übertragen. Immer im Wechsel durfte ein Kind das Smartphone bedienen. Die anderen haben zugeschaut. Die Bilder sind nur minimal animiert. Man kann die App vorlesen lassen oder selbst vorlesen. Ab und zu gibt es Fragen, die die Kinder beantworten können. Auf diese Weise haben wir die ganze App durchgearbeitet.

Daneben gibt es Serien wie das „Superbuch“ oder „Codename Jesus“. Die Geschichten sind spannend erzählt, und sobald der Fernseher angeht, werden unsere Kinder magisch angezogen. Egal, was läuft. Hauptsache, man darf fernsehen. Also versuche ich immer wieder, diese Geschichten anzubieten.

Sicherlich ist vorlesen besser. Aber im Moment lese ich eben Bücher über Bagger und Dinos vor und lasse sie Geschichten über Gott anschauen. Vielleicht wird das irgendwann auch wieder anders. Ich will darauf vertrauen, dass Gott selbst ihnen irgendwann den Hunger nach seinem Wort ins Herz legt.

Eveline Wilms lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern zwischen drei und neun in Korntal. Sie engagiert sich in der Kinder- und Frauenarbeit ihrer Gemeinde und bloggt unter vomwahrenleben.home.blog


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.Mehr Infos & kostenlos testen