Mit seiner ersten Enzyklika "Licht des Glaubens" ruft Papst Franziskus die Christen zu mehr sozialem Engagement auf. Er orientiert sich dabei an einer Vorlage seines Vorgängers Benedikt XVI. Überraschungen bleiben aus.

 Papst Franziskus hat in seiner ersten Enzyklika zu mehr Gottvertrauen aufgerufen. Ohne den Glauben drohten die Grundlagen der Menschlichkeit verloren zu gehen, heißt es in dem am Freitag im Vatikan veröffentlichten Lehrschreiben "Lumen fidei" (Licht des Glaubens). Der Text geht auf einen Entwurf seines Vorgängers Benedikt XVI. zurück, den er selbst ergänzt habe, erklärt Franziskus in der Einleitung des rund 90-seitigen Textes. Damit handelt es sich um die erste von zwei Päpsten gemeinsam verfasste Enzyklika.

 Darin wird versucht, eine Brücke zwischen dem christlichen Glauben und der menschlichen Vernunft zu schlagen. Der Glaube könne Antriebsfeder für soziales Engagement und Motivation für den Erhalt der Natur sein. Die moderne Kultur insgesamt habe die Wahrnehmung der Gegenwart Gottes verloren. Daher sei es heute nötiger denn je, "an die Verbindung des Glaubens mit der Wahrheit zu erinnern". Die Wahrheit stecke in einer Krise.

 Die katholische Deutsche Bischofskonferenz würdigte die Enzyklika als "Wegmarke der Theologie". Man könne darin sowohl den Ton von Papst Benedikt XVI. als auch die Sprache und Spiritualität seines Nachfolgers erkennen, erklärte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Robert Zollitsch in Bonn. Er nannte den Text zugleich "ökumenisch offen".

 "Alles ist Franziskus, und vieles ist Benedikt", sagte der Präfekt der vatikanischen Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, bei der Präsentation in Rom auf die Frage nach der jeweiligen Urheberschaft der einzelnen Abschnitte der Enzyklika. Die Enzyklika sei dennoch "kein Patchwork", betonte der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller.

 Die moderne Idee der Menschenwürde geht "Lumen fidei" zufolge auf den christlichen Glauben zurück. Durch diesen würden Menschen zur Hilfe für Notleidende, einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und zu Wirtschaftsmodellen veranlasst, die nicht allein an Profit ausgerichtet sind. Der Glaube fördere zudem gerechte Regierungsformen, die am Allgemeinwohl orientiert seien.

 In modernen Gesellschaften gebe es eine Tendenz, den christlichen Glauben als Illusion zu verurteilen, der den Weg in eine bessere Zukunft behindert, kritisiert das Lehrschreiben. Ohne die Unterstützung des Glaubens sei die Vernunft jedoch nicht in der Lage, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Auch blieben Forderungen nach der Gleichheit der Menschen und nach allgemeiner Brüderlichkeit ohne einen Bezug auf Gott ohne Grund.

 Die menschliche Vernunft alleine lasse "den Menschen in der Angst vor dem Unbekannten zurück", heißt es in der Einleitung der Schrift. Ohne die Unterstützung des Glaubens sei die Vernunft nicht in der Lage, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Erst der feste Glaube an die Botschaft des Christentums führe zu wahrer Erkenntnis sowie zum Dialog mit anderen Religionen, heißt es in dem vom amtierenden Papst und seinem Vorgänger verfassten Lehrschreiben.

 Franziskus habe sich den Entwurf seines Vorgängers in hohem Maß zu Eigen gemacht, sagte der Freiburger Erzbischof Zollitsch. Dies "bedeutet ein schönes Zeugnis für die Einheit und Kontinuität der Kirche". So fügten sich beide Pontifikate gut zusammen. "So kann uns diese Enzyklika in ihrer intellektuellen und spirituellen Kraft, zu der auch ihre Besinnlichkeit und Stille gehören, in den oft schrillen Aufgeregtheiten und bitteren Krisen unserer Tage zur Wachheit und Gelassenheit des Glaubens zugleich führen", unterstrich Zollitsch. Das päpstliche "Weltrundschreiben" wolle überzeugen, "nicht indoktrinieren".

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Die Enzyklika ist online hier abrufbar.

 

(Quelle: epd)