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Am Vorabend des Deutschlandbesuches von Papst Benedikt XVI. haben zwei suspendierte Priester am Mittwoch in einer Berliner Kirche das Abendmahl an Christen aller Konfessionen ausgeteilt.

 Bei dem Gottesdienst in der evangelischen St. Thomas-Kirche im Stadtteil Kreuzberg, der auf heftige Kritik der katholischen Kirche stieß, versammelten sich etwa 250 Menschen, um am Altar Brot und Wein entgegenzunehmen. In der katholischen Kirche ist das Sakrament nur Mitgliedern vorbehalten. Die sogenannte Eucharistiefeier auch mit Christen anderer Konfessionen abzuhalten, ist verboten.

Zu dem Gottesdienst eingeladen hatten die Ex-Priester Christoph Schmidt und Norbert Reicherts, die in einer Lebenspartnerschaft leben und 1998 ihr Amtspriestertum aufgegeben hatten. Nach eigenen Worten verstehen sie sich aber weiterhin als Priester. Der katholische Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki hatte den Kölner Theologen mit «rechtlichen Konsequenzen» gedroht, wenn sie das Abendmahl austeilen.

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Die Frage des gemeinsamen Abendmahls ist eine der schwierigsten im ôkumenischen Dialog. Reicherts und Schmidt betonten bei dem Gottesdienst, dass ihre Aktion «nichts Besonderes, sondern etwas Alltägliches» sei. «Wir gehen an der Grenze aufeinander zu und laden einander ein», sagte Schmidt.

Der Sprecher des Erzbistums, Stefan Förner, kritisierte indes auch die evangelische Kirche dafür, dass sie den Raum für die Feier zur Verfügung stellte. Die gewährte Gastfreundschaft sei mit Befremden zur Kenntnis genommen worden, erklärte Förner am Mittwoch in Berlin. Das Erzbistum könne in der Eucharistiefeier keinen Beitrag zur ökumenischen Annährung erkennen.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, verteidigte die Entscheidung der Kreuzberger Gemeinde, den Raum zur Verfügung zu stellen: «Nach evangelischem Verständnis sind alle Getauften zum Abendmahl eingeladen.» Die Feier mache vor allem auf kontroverse Fragen innerhalb der katholischen Kirche aufmerksam. Gleichzeitig sagte er aber auch, es sei nicht zu erwarten, dass durch den Gottesdienst «das ökumenische Gespräch über die gemeinsame Feier am Tisch des Herrn weiterführende Impulse bekommt».