Siegfried Winkler
Siegfried Winkler (Foto: K.-U. Ruof / DEA)
Aus Kirche und Politik gibt es mehrheitlich Kritik für den bayerischen Kabinettsbeschluss, im Eingangsbereich aller Behörden ein Kreuz aufzuhängen (Jesus.de berichtete). Doch es gibt auch positive Stimmen. Zum Beispiel die jüdische Kultusgemeinde München und die Deutsche Evangelische Allianz (DEA).
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Der Vorsitzende der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx wirft dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder vor „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ geschaffen zu haben. Der Süddeutschen Zeitung (SZPlus) sagte Marx: „Das Kreuz lässt sich nicht von oben verordnen.“ Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen werde, habe man es nicht verstanden.“ Das Kreuz könne man nicht haben ohne den Mann, der daran gehangen habe. Ein Kreuz aufzuhängen heiße: „Ich möchte mich an den Worten dessen orientieren, der am Kreuz für die ganze Welt gestorben ist“, betonte der Kardinal. Die gesellschaftliche Debatte über das Kreuz sei sehr wichtig: „Was heißt es, in einem christlich geprägten Land zu leben?“ Dafür müsse man aber alle einbeziehen: Christen, Muslime, Juden und jene, die gar nicht gläubig seien.

Das Kreuz sei ein Zeichen von „Ohnmacht, Leid und dem Schrei nach Barmherzigkeit“, sagte die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann am Sonntag in Heidelberg. Und fügte hinzu: „Das müsste auch der evangelische Christ Markus Söder wissen.“ Käßmann sprach anlässlich des Gedenkens an „500 Jahre Heidelberger Disputation“ unter anderem über die Kreuzestheologie Martin Luthers. Diese sei mit Söders Verständnis des Kreuzes unvereinbar, so die evangelische Theologin.

Evangelische Allianz sieht keine Instrumentalisierung des Kreuzes

Die  Deutsche Evangelische Allianz hingegen begrüße, dass sich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) „den christlich-jüdischen Wurzeln unserer Gesellschaft verpflichtet weiß“, so der Zweite Vorsitzende, Siegfried Winkler. „Eine Instrumentalisierung des Kreuzes für politische und wahltaktische Ziele lehnen wir grundsätzlich ab, können diese in der Initiative von Markus Söder allerdings auch nicht erkennen“. Vielmehr freue man sich, „dass Markus Söder aus seinem christlichen Glauben, den er aus persönlicher Überzeugung lebt, keinen Hehl macht“.

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Grundsätzliche Zustimmung für den bayerischen Kurs gab es auch von der Israelitischen Kultusgemeinde München. Deren Präsidentin Charlotte Knobloch sagte gegenüber den Stuttgarter Nachrichten, gerade vor dem Hintergrund der „Mammutaufgabe Integration“ halte sie es für „wichtig und richtig“, die Normen und Werte zu definieren und deren Anerkennung einzufordern, die für das Miteinander unverzichtbar seien. Über einzelne Massnahmen könne man  unterschiedlicher Meinung sein. „Aber die Botschaft: ‘Das sind wir, das ist unser Angebot, wer ein Teil davon sein will, dem helfen wir, wer nicht, kann hier nicht mit uns leben’ – die halte ich für richtig und auch überfällig.“

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte der „Nordwest-Zeitung“: „Ich freue mich natürlich immer, wenn das Kreuz, das für unseren Glauben steht, auch wirklich ernst genommen wird.“ Entscheidend sei, dass das Kreuz nicht nur an der Wand hänge, sondern auch inhaltlich mit Leben gefüllt werde. Ein Kreuz aufzuhängen, gehe mit Selbstverpflichtung auch im politischen Handeln einher.

„Nicht verfassungswidrig“

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio hält den Kreuz-Beschluss der bayerischen Landesregierung nicht für verfassungswidrig. „Von einer klaren Verfassungswidrigkeit des Söderschen ‚Kreuzzugs‘ mit der verwaltungsinternen Vorschrift, im Eingangsbereich von Dienststellen des Landes ein Kreuz anzubringen“, könne mit Blick auf die bisherige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts „keine Rede sein“, heißt es einem Beitrag Di Fabios für die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“.

Mit Urteil vom 18. März 2011 habe der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine staatlich auferlegte Pflicht zur Anbringung von Schulkreuzen mit dem Prinzip des säkularen Staates für vereinbar gehalten, erklärte Di Fabio. Der Gerichtshof sehe durchaus im Kreuz vor allem anderen ein religiöses Symbol und nicht lediglich ein kulturelles Zeichen eigener Herkunft und Identität. Und dennoch sei es „keinem Staat versagt, das religiöse Zeichen für sich als Symbol eigener Herkunft und Identität zu nutzen, solange daraus keine weltanschauliche oder religiöse Indoktrination werde“, fügte der Jurist hinzu.

„Wer genau hinschaut, wird sehen, dass viele Menschen islamischen Glaubens und auch manche Atheisten ihre Kinder gerne in konfessionelle Kindertagesstätten oder Schulen schicken“, schrieb Di Fabio weiter. Manche muslimische Familie fürchte „eine ‚gottlose‘ Gesellschaft mehr als jede konkurrierende Religion“. „Diese Familien geben ihre Kinder lieber in eine evangelische oder katholische Einrichtung, selbst wenn dort mit dem fremden Kreuzzeichen gebetet werden muss“, erklärte er. „Vielleicht ist für sie ein Kreuz beim Betreten einer öffentlichen Behörde eher Beruhigung denn Provokation.“

Das bayerische Kabinett hatte in der vergangenen Woche die allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats geändert. Im Eingangsbereich aller staatlichen Dienstgebäude muss ab 1. Juni als Ausdruck der „geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“ deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung angebracht werden.


In einer früheren Version dieses Artikels wurde die Stellungnahme der Evangelischen Allianz dem Generalsekretär Hartmut Steeb zugeschrieben. Dies beruhte auf einer Falschdarstellung in der Meldung des Evangelischen Pressedienstes (epd).

28 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Ich fasse es nicht, die Amerikanisierung setzt sich hier ungebrochen fort. Der Verqickung von Staat und Religion, wie sie überm Teich in zunehmend unerträglicher Weise gelebt wird, muss hier gewehrt werden! Trennung von Kirche und Staat ist das Gebot der Stunde.

  2. Das finde ich gut. Warum sollen Christen ihren Glauben verstecken. Und ein Kreuz ist immer ein gutes Symbol zum Zeichen der Besinnung, der Umkehr, der Heimkehr. Man braucht sich nicht belästigt zu fühlen, denn Kreuze und Kruzifixe stehen auch an Landstassen auch im Ausland.

    • Und wenn in arabischen Ländern, auf den Moscheen Halbmonde zu sehen sind, fühle ich mich auch weder belästigt noch sonstwas – so sehe ich doch sofort: eine Moschee und der Herr ist Allah, den Mohammed als Mondgott über alle stellte !

      • Noch als Anmerkung…. hinduistische Tempel oder Altare bei den Naturvölkern gibt es auch … und keiner stört sich !

        kann es sein, dass man sich am Kreuz, an Christus stört ?

      • Ein Halbmond gehört zur Moschee wie ein Kreuz zu einer Kirche. Aber in staatlichen Institutionen hat beides nichts zu suchen.

        • Ingrid Heintz
          Hallo Frau Heintz! Ihre Auffassung ist durchaus diskussionswürdig. Mehr aber auch nicht.
          Was sagen Sie eigentlich zu den Halbmonden auf nahezu jeder Nationalflagge der islamischen Staaten? Ach ja, das ist ja ganz was anderes!?
          Quo vadis, Europa!

  3. Was sagt Käßmann; an welchen Christus glaubt sie denn ?
    Also bei mir in der Bibel steht das ganz anders Frau Käßmann !
    Das Kreuz ist eben nicht Ohnmacht vor dem Tod,
    ist eben Hilfe durch Gott im Leid
    und schreien nach Barmherzigkeit können nur die, die Jesus Christus noch nicht angenommen haben.
    Ich als Christ erlebe die Barmherzigkeit Gottes durch den stellvertretenden Opfertod Jesu Christi.
    Ich denke, Käßmann und andere haben zwar in der Bibel gelesen und studiert .. aber ins Herz ist es ihnen noch nicht gerutscht.. wie schade !
    Bekehrung nennt die Bibel das ! Fehlt noch !

    • Es ist unfassbar was Frau Käsmann sagt. Hat sie je die Bibel gelesen und zwischenzeitlich alles vergessen … Jesus ist das Lamm, hat sie das nicht mitbekommen?

      bin ich froh das ich nicht evangelisch bin. Mir reicht schon der Marx, eine Käsmann könnte ich nicht ertragen.

  4. Das Kreuz zum Symbol der „geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“ zu entwerten, ist Gotteslästerung. Es ist Zeichen des Foltertodes, durch den Gott uns ein neues Leben und die persönliche Beziehung zu ihm anbietet. Das hat mit Bayern ebensowenig zu tun wie mit jener meist sehr unchristlich verwenedeten Phrase vom christlichen Abendland. Die EAD gibt damit den Glauben zum politischen Missbrauch frei, wie es linke Gruppen schon seit Jahrzehnten tun. Denn die Initiative von M.Söder ist „Eine Instrumentalisierung des Kreuzes für politische und wahltaktische Ziele “, die das Kreuz mit Füßen tritt.

  5. Auch ich begrüße diese Entscheidung und die Stellungnahme der Evangelischen Allianz.

    Der moderne, demokratische Staat und seine Religions- und Meinungsfreiheit ist eben nicht im luftleeren Raum entstanden, sondern fußt auf tiefe Weise auf die Feindesliebe dessen, der da am Kreuz hängt.
    Und das ist nicht Privatsache.

    Ich möchte hinweisen auf den Beitrag Herrn Peter Gerdsen: „Das Christentum in seiner Bedeutung für die moderne Wissenschaft“ und zitiere daraus: Im Bewußtsein der Gegenwart sind Christentum und Wissenschaft unvereinbare Gegensätze. Dabei wird jedoch vergessen, daß ohne das Christentum die moderne Wissenschaft nicht entstanden wäre.
    (Veröffentlicht am 15.09.2007 )

    Sicher, der Staat hat nicht die Aufgabe, Menschen religiös zu prägen. Er hat aber auch nicht die Aufgabe, Menschen areligiös zu prägen.
    Und das Kreuz ist ein Symbol einer Religion, die lehrt, daß Gott Mensch wurde, sich für uns Menschen klein gemacht hat.
    Symbol einer Religion, die daran glaubt, daß der Herr zum Knecht wurde und als Mensch, der gequält wurde, bis zum Tod am Kreuz um Vergebung für die Peiniger gebeten hat.

    Ein Symbol, daß daran erinnern soll, daß jeder ausnahmslos geliebt und wertvoll ist.
    Die Ideen der Menschenwürde und der Freiheit der Person ist heute Gemeinplatz in der westlichen Welt.

    (Ich beziehe mich auch auf dem Artikel von Dr. Johannes Hartl: Das Kreuz im öffentlichen Raum – 30.04.2018)

    Gelobt sei Jesus Christus

  6. Warum fordern die Bischöfe und alle Kritiker, die gegen das Aufhängen des Kreuzes sind, nicht öffentlich die christlichen Feiertage in Deutschland und insbesondere die zusätzlichen zwei Feiertage in Bayern — abzuschaffen?

  7. Als überzeugter Christ finde ich, dass ein Kreuz als Symbol für den Kreuzestod Jesu und Seine Auferstehung in Behörden nichts zu suchen hat. Ein Kreuz gehört in die Kirche, denn dort wird Gott angebetet. Man muss die Spaltung gerade zwischen Christentum und Islam nicht auch noch unnötig anheizen. In Deutschland, das u.a. durch Behörden repräsentiert wird, sollen sich auch Andersgläubige wohlfühlen!

  8. O je. Ich könnte mal wieder kotzen. Da zeigt der „evangelikale Flügel“ leider mal wieder, wie wenig er von der Freiheit des Evangeliums und von dem Unterschied zwischen christlichem Glauben und „abendländischer Kultur“ verstanden hat.

    1. Begründet der Herr Söder das Aufhängen des Kreuzes eben nicht mit dem persönlichen Glauben an Christus (der der Ev. Allianz und der evangelikalen Bewegung doch eigentlich das Wichtigste ist), sondern damit, dass es ein Ausdruck für unsere „geschichtliche und kulturelle Prägung“ in Bayern und Deutschland sei.

    2. Sollten wir doch endlich gelernt haben, wie wichtig die Trennung von Staat und Kirche ist. Es gibt eben keinen „christlichen Staat“, sondern nur christliche Menschen. Wenn solche Zeichen des Christentums in staatlichen Gebäuden vom Staat „vereinnahmt“ werden, kann das nicht gut sein. Zum einen grenzt es Menschen aus, bzw. schreckt sie ab, die einen anderen Glauben haben und sich trotzdem von staatlichen Stellen ebenbürtig behandelt wissen wollen. Zum anderen bringen Menschen – gleich welchen Glaubens – das staatliche Handeln in Bezug zum Kreuz/zu Jesus. Es findet also eine Identifikation statt, die nur zur Verzerrung führen kann und Menschen eine falsche Vorstellung von Jesus vermittelt (im günstigsten Fall entspricht das staatliche Handeln tatsächlich einem Handeln „im Sinne Jesu“, in den seltensten Fällen wird dies aber deckungsgleich sein).

    Wann lernen wir Christen endlich, dass Glaube (und christliches Handeln) nicht von oben „verordnet“ werden kann, sondern immer nur aus der Begegnung mit Jesus und dem Vertrauen auf ihn erwachsen kann.

  9. Wieder einmal haben die Vertreter der Evangelikalen politisch nichts verstanden, wenn sie die folkloristische Begründung von Söders Anordnung begrüßen. Wer die Geschichte kennt, sieht die Paralellen.

  10. Was will der Söder eigentlich damit demonstrieren? Das es in bayrischen Amtsstuben christlich zugeht??? Ich habe bisher noch bei keinem Politiker im Alltagsgeschäft eine Handlungsweise gesehen, die ich auch nur annähernd als christlich bezeichnet hätte. Das heben sich die Herrschaften alle für ihren sonntäglichen Kirchgang auf. Im Alltag hat das Christentum nichts zu suchen. Und da es auf der Ebene so ist, wird auf den darunterliegenden Ebenen auch nicht besser sein. Ich halte das Aufhängen von Kreuzen, ohne sich auch dementsprechend zu verhalten, als ausgesprochene Heuchelei. Man denke dabei nur daran, daß z.B. christliche Flüchtlinge aus Iran oder Afghanistan rigoros abgeschoben werden!!!!

    • Guten Morgen Herr Franzreb, eine Rückfrage zu ihrem letzten Satz: Werden in Bayern tatsächlich „christliche Flüchtlinge aus Iran oder Afghanistan rigoros abgeschoben“? Wir fragen deshalb, weil wir in NRW andere Erfahrungen gemacht haben. Hier in Witten gibt es zB eine recht große Gruppe christlicher Flüchtlinge aus dem Iran. Und alle, die wir kennen, haben Asyl erhalten.

        • Ach Gott, Herr Franzreb, habe ich es mir doch gleich gedacht! Bei den „4 Flüchtlingen „, die Sie uns als „Beweis“ anbieten, handelt es sich also um Konvertiten! Das sieht doch ganz danach aus, als ob da vier clevere und von deutschen „Helfern“ gut beratene Moslems zum Christentum übergetreten sind, weil es doch tatsächlich Behörden gab (und gibt), die eine anstehende Abschiebung sozusagen stornieren, weil Christen ja bedroht werden in diesen Ländern. Für wie naiv halten Sie eigentlich die Öffentlichkeit?

  11. Es ist eine merkwürdige Diskussion und Kardinal Marx beweist mal wieder das er nicht versteht warum das Kreuz so wichtig ist. Er, der in Jerusalem das Kreuz abgenommen hat um den Muslimen zu gefallen, er ist nun auch gegen das Kreuz in den Amtsstuben. Dabei hat Marx erst vor wenigen Jahren kritisiert das das Kreuz immer mehr verschwindet. Ich glaube hier biedert sich Marx mal wieder der linksgrünen Presse an, mit dem Erfolg das die katholische Kirche immer mehr Profil verliert.

    • Antwort auf einFragender:
      Ich sehen es ganz genaunso! Leute wie dieser Marx und Bedford-Strohm treiben die Menschen aus der Kirche. Als Katholik frage ich mich, wie lange diese Religion sich einen Marx noch gefallen lassen muß!?
      Schickt ihn einfach weg, den Mann. Bevor er immer mehr dummes Zeug schwatzt! Unglaublich!

    • Antwort auf „Einfragender“:
      Nachdem ich starke Kritik (aber durchaus sachlich) an Marx übte, schrieb mir ihre Redaktion:“Es sieht stark danach aus, daß Sie diesen Kommentar schon einmal geschrieben haben!“
      Habe seit über einem – oder sogar mehr – Jahren keinen Kommentar mehr „gepostet“! Stellt man so jetzt Kritiker ins Abseits? Wo führt diese Manipulation noch hin?

      • Sehr geehrter Herr Warmons, wo hat unsere (?) Redaktion Ihnen das geschrieben? Wir sind in der Regel sehr zurückhaltend mit Streichungen, es sei denn, unsere Hausordnung oder gar das StGb werden verletzt. Es spricht nichts dagegen, dass Sie sachliche Kritik an verschiedenen Stellen wiederholt äußern.
        Mit besten Grüßen,
        das Redaktionsteam

  12. DAS KREUZ IST EIN SYMBOL DER VERSÖHNUNG

    Der Umgang mit dem Kreuz durch die Bayerische Landesregierung über Ministerpräsident Markus Söder hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Das Kreuz ist ein Symbol der Versöhnung zwischen Gott und allen Menschen und damit auch einer zwischenmenschlichen Versöhnung. Allein die nicht ganz abwegige Annahme, das Anbringen des Kreuzes in allen Amtsstuben sei einem gewissen Populismus im Hinblick auf den kommenden Wahlkampf geschuldet, hat mE verheerende Auswirkungen. Damit gewinnt man dagegen leicht die Lufthoheit über bayuwarischen Stammtischen. In der Argumentation ist auch Herr Söder widersprüchlich. Weil er einerseits mit dem Kreuz unterstreicht , dass Deutschland eine christlich-abendländische Kultur und Tradition habe, reduziert er das Kreuz (vielleicht sogar ungewoll)t auf ein kulturelles Christentum. (An dieser Stelle müssten eigentlich die Evangelikalen lauten Protest einlegen; seltsamerweise tun sie es nicht). Andererseits kann eine solche Art der Inzenierung auch als eine unausgesprochene Botschaft (miss-) verstanden werden. Etwa: Wir in Bayern sind die wirklichen konservativen Christen und alle fremden Sitten, Menschen, Hautfarben und Religionen haben hier zurück zu stehen. Ein solches Denken will ich niemand unterstellen, aber es entsteht automatisch in den Köpfen von Menschen. Das alles wird dem Menschensohn Jesus nicht gerecht. Dazu hat er sich zu sehr quergestellt gegen die damals Mächtigen im Staat und in der Religion. ‚Er wollte, dass die Menschen bei sich selbst anfangen, die Welt zu verändern. In der Bergpredigt sagte er, man müsse den Balken aus dem eigenen Auge ziehen, bevor man den Stachel im Auge des Anderen kritisiert. Dies beschreibt eine Haltung der Liebe zu anderen Menschen, die Achtsamkeit voraussetzt. Am Kreuz ist Jesus Christus gestorben und hat damit die Versöhnung aller Menschen mit Gott ermöglicht. Damit eignet sich das Kreuz nicht für das Erreichen politischer Ziele. Wenn wir alle unseren Glauben in unseren alltäglichen Bezügen mehr leben würden, wäre die absurde Diskussion um das Kreuz in Amtsstuben überflüssig. Wenn ich mich recht erinnere, hing es auch früher bereits in Schulen und Ämtern, ohne dass es jemand störte. Aber seine Funktion wäre ja eigentlch eine entgegengesetzte: Es soll stören. Und seine Botschaft muss gelebt werden. Erinnerlich von ganz früher ist mir auch noch das Schulgebet. Während der Lehrer oder die Lehrerin es heruntersagte, bearbeitete er/sie mit der rechten Hand die Anwesenheitsliste. Man kann weder auf Anordnung glauben noch lieben. Dies geht nur, wenn man es auch innerlich tut.

    Ich habe mich durch Söder aber anregen lassen, ein größeres Kreuz über meine Schreibtisch zu hängen. Ich muss ja nicht wie der Staat neutral sein,.

    Bernd Hehner, Kaiserslautern

  13. Man will es nicht fassen: Im 18. Jahr des 21. Jahrhunderts sind immer noch rasend gewordene Spießer unterwegs, die uns kraft ihres Amtes ihren Aberglauben aufdrängen wollen. Als ob die Herrschaften mit der Erfindung ihrer Götter – heißen sie nun Herrgott oder Allah oder Jahwe – nicht schon genug dazu beigetragen haben, unser Leben auf Erden zu miserabilisieren.

    • MENSCHEN SIND UNHEILBAR RELIGIÖS

      Dieters Kommentar hinterlässt schon sprachlich ein Rätsel. Wenn er den Glauben an Gott für „ABERglauben“ hält, müsste dem entgegengesetzt ja ein Glaube existieren. Auch wenn dieses Rätsel nicht sofort auflösbar ist, muss hier aber aus anderen Gründen geantwortet werden:

      Ich habe Achtung vor Menschen mit einem anderen Glauben, aber auch für weibliche und männliche Zeitgenossen, die aus unterschiedlichen Gründen keinerlei relligiöse Überzeugung haben. Gläubige aber zu beschimpfen als rasend gewordene Spießer, die Göltter erfinden und damit das Leben auf Erden miserabilisieren, ist unverdünnte Polemik. Mir ist durchaus bewusst, dass hier im Netz eine ausführliche und grundsätzliche Diskussion nicht möglich ist. Aber auch ein kurzgefasster Kommentar sollte die Gedanken- und Glaubensfreiheit anderer Menschen nicht diskreditieren. Ein positiver Streit ist immer sinnvoll. Vielleicht führt ja die Diskussion mit dem Aufhängen von Kreuzen in Bayerischen Amtsstuben wieder dazu, über das Kreuz und die Grundlagen des christlichen Glaubensvertiefter eine engagierte vertiefte Diskusison zu führen.

      Der Schreiber sollte aber auch wissen, dass Religion eine grundsätzliche Form ist, zu einer eigenen Haltung und innereren Erkenntnis zu gelangen, warum wir überhaupt existieren und welchen Sinn das Leben besitzt. Man kann ja nicht in Abrede stellen, dass die Antworten unterschiedlich sind, schließlich gibt es viele Religionen und innerhalb unseres Christentums auch zahlreiche Konfessionen. Die Frage danach, warum überhaupt etwas existiert (und nicht das Nichts), ob das Leben einen Sinn und ein Ziel besitzt, ob es einen allmächtigen und liebenden Gott gibt usw usw – ist unserem Empfinden und Denken imanent. Dazu gibt es eine eigene Region im Gehirn. Diese wird aber auch bei Fußballspielen oder anderen emotionalen Angelegenheiten aktiviert – ein Beweis dafür, dass wir die Welt nicht nur logisch, sondern auch emotional interpretieren. Milliarden Menschen glauben mehr, als dass ein Pfund Knochen eine gute Suppe gibt. Wenn es auch im Ergebnis nicht auf jeden zutrifft so gilt doch, dass die Menschen grundsätzlich unheilbar relgiös sind. Ich persönlich glaube mit festem Vertrauen an einen liebenden Gott, dessen Zuneigung und Verzicht auf Gewalt und Macht sich im Geschehen am Kreuz verdeutlicht. Im übrigen glaube ich nicht, dass Nichtchristen keine guten Menschen sind oder dass sie nur keine Christen sind, um uns Christen zu ärgern. Aber es muss einem Christen auch erlaubt sein zu behaupten, dass jemand ohne einen persönlichen Glauben an Gott sich auch in der Situation befinden, wie ein Blinder über die Farbe zu reden. Man sollte ausser den Aneignungen von Vorurteilen wenigstens wissen, wie Kirche und Christen innerlich ticken. In meiner evangelischen Kirche darf jeder, der – bildlich gesehen – gerne und herzlich willkommen ist durch die Tür einzutreten, auch jederzeit aus freien Stücken wieder hinausgehen. Es wird niemand vereinnahmt. Das kann man von den verschiedensten Idiologien dieser Welt so uneinschränkt nicht behaupten.

      Bernd Hehner, Kaiserslautern

      • Ich bin einer nur, der sich mühen will, seine siebeneinhalb Milliarden Nachbarn zu respektieren. Und dankbar nickt, wenn sie es ebenfalls tun. Ich glaube, Herr Hehner, Sie denken ähnlich.
        Ach, noch eine Anekdote aus der israelischen Hafenstadt Haifa: Der zuständige Bürgermeister antwortete auf die Frage, warum in seiner Stadt das Nebeneinander der verschiedenen Kommunen einigermaßen passabel funktioniert: „Weil drei Touristen Haifa nie betreten haben, nicht Moses, nicht Jesus, nicht Mohammed.“
        Übrigens: Aberglaube und Aberglauben lässt sich im Internet gut recherchieren.

        • Aus der kurzen Antwort von Dieter lese ich leider keine wirkliche Gründe, warum er Atheist oder Nihilist ist.

          Das Argument, Moses habe zum Glück nicht Haifa betreten, ist kein wirkliches Argument. Moses hat (mit der Hilfe seines Gottes) die Israeliten aus der Sklaverei befreit. Heute wäre man stolz auf einen Menschen, der versklavte Menschen aus einem Unrechtsstaat in die Freiheit führt. Ohne Moses gäbe esauch keine Stadt namens Haifa. Ohne Moses hätte auch Mohammed weder Haifa noch überhaupt jemand besuchen können, weil ohne das Erste Testament der Bibel und ohne das Judentum keiner den Islam gegründet hätte.
          Mohammed hätte also allenfalls als Führer einer Volksgruppe Kariere gemacht.,
          Jesus schließlich wurde dort am Kreuz von den Römern hingerichtet, weil er Liebe und Vergebung gelehrt hat. Er muss also ein furchtbarer gefährlicher Mensch gewesen sein, weshalb er in Haifa nicht willkomen wäre. Jeder darf an nichts glauben und völlig unreligiös sein. Dies muss man auch nicht begründen. Aber wenn man es begründet, sollte es keine blose Wortspielerei sein. Manche Menschen fühlen sich durch Polemik an ihrem Glauben auch in ihrem Gefühlen verletzt.

          Auch ohne Moses, Mohammed und Jesus hätte es böse Menschen, Kriege, Morde und sonstige Unmenschlichkeiten gegeben, nach meiner allerfestesten Überzeugung noch viel mehr davon.

  14. Ich finde es gut, wenn und daß Herr Söder die Kreuze aufhängen lässt. Als Christen im sog christlichen Abendland ein Amt zu betreten, wo das Kreuz angebracht ist, gibt geistliche Wärme und Geborgenheit wieder, zeigt, daß jede Amtshandlung christlichen Werten folgt und gibt jedem Besucher din wohliges Gefühl von Heimat. Dieses öffentliche Bekennen zum Auferstandenen gibt Mut, nicht zuletzt den viel zu wenig beachteten Christen unter den Flüchtlingen aus Syrien. Das Kreuz ist wie ein Willkommensgruß. Ein wirklich feiner und mutiger Zug von Herrn Söder gleich zu Beginn seiner Ministerprésidentschaft. Unter ihm merke ich, wofür das C im Parteinamen steht. Bravo, Herr Söder! Gott segne ihn und seine Arbeit!

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