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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, kann sich eine flexiblere Gestaltung der Kirchensteuer besonders für junge Menschen vorstellen. „Wir diskutieren darüber, ob es vernünftig ist, für die Gruppe der Berufseinsteiger mit der Kirchensteuer eventuell noch zu warten oder sie zu reduzieren“, sagte der bayerische Landesbischof der „Welt“ (Montagsausgabe). Außerdem diskutiere man derzeit „lebhaft“, generell flexibler zu sein und Rücksicht auf bestimmte Lebenssituationen zu nehmen, die das Kirchenrecht bisher nicht vorsiehe, aber menschlich nachvollziehbar seien.

Viele junge Menschen seien mit Studium und Ausbildung beschäftigt, verlören womöglich den Kontakt zur Kirche, so Bedford-Strohm: „Und wenn sie dann ihr erstes Gehalt bekommen, fragen sie sich, warum sie Kirchensteuern zahlen sollen und treten aus.“

Im Jahr 2019 betrug das Kirchensteueraufkommen der Evangelischen Kirche in Deutschland rund 5,9 Milliarden Euro.

24 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Bedford-Strohm unterliegt dem Irrtum, dem viele Offizielle der EKD unterliegen.

    Keiner tritt wegen der Kirchensteuer aus. Das ist lediglich die Folge.

    Die Menschen treten aus, weil sie kaum noch etwas oder nichts mehr mit der EKD verbindet. Die Mitgliedschaft hat für sie aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Sinn mehr. Und dann ist der Schritt, sich das Geld zu sparen, doch nur folgerichtig. Aber der Auslöser, der Grund, ist sicher nicht das Geld.

    Vielleicht bringt keine oder sehr geringe Kirchensteuer ja wirklich den einen oder anderen dazu, eine Karteileiche bei der EKD zu bleiben. Aber welchen Wert hätte das? Für manchen Offiziellen wohl einigen, ich frage mich nur, warum.

    Der Ansatz muss doch sein, die Menschen davon zu überzeugen, dass die Mitgliedschaft wichtig und auch etwas wert ist. Wer den Fokus auf das Finanzielle legt, will aber vielleicht den Blick auf das andere nicht richten.

    Gemeinde bedeutet Gemeinschaft. Wie viele Gemeinden leben das mit allen oder zumindest den meisten ihrer Mitglieder?

    • Kleiner Hinweis: Aus der EKD tritt niemand aus, denn die ist selbst keine „Kirche“. Der Austritt erfolgt aus den einzelnen Gemeinden und damit Landeskirchen. Viele Grüße, die redaktion

        • Wenn wir schon dabei sind: Den Meisten ist nicht einmal bewusst, wie viel sie eigentlich zahlen. Viele geben als Grund für ihren Austritt die Kirchensteuer an, obwohl sie gar keine zahlen. 😉

          Das mit der Gemeinschaft kann man auch so nicht stehen lassen: Etlche wissen nicht einmal, dass die „Frommen“, zu denen sie regelmäßig gehen, Teil einer evangelischen Landeskirche sind.

          Nach ihren Gründen für den Kirchenaustrit befragt gaben, zumindest vor 2013, nicht wenige auch die verqueren Machenschaften des Vatikan und die Blockade bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle innerhalb der römisch-katholischen Kirche an! 😉

      • Bei welchem Verein oder welcher Organisation, die dir wirklich wichtig war (!), bist Du denn schon mal nur wegen des Geldes ausgetreten?
        Insbesondere wenn der Beitrag bei geringeren Einkommen automatisch sinkt bis auf Null.

  2. Sehr Sinnvoll , einen Fröhlichen Geber liebt Gott – er hat immer Recht – wo er das Sagen hat , ist auch Weisheit die allen gut tut . 💕👍

  3. Aber das Problem ist ja auch, dass es in der Regel gar keine Angebote für junge Leute gibt. Es gibt eine Jugendgruppe, aber wer nach der 9ten oder 10ten Klasse ne Ausbildung anfängt passt da im allgemeinen von der persönlichen Situation nicht mehr rein. Angebote für Auszubildende fehlen genauso wie Angebote für Studenten. Eben so wie es keine Angebote für junge und kinderlose Paare oder (nicht ganz so junge) Singles gibt. Oder auch Gruppen für Berufseinsteiger. Eigentlich gibt es nur Angebote für Babys, Schüler, Eltern von Kleinkindern und Senioren.
    Auch fehlen moderne Gottesdienstformen. Zum Beispiel mit anderer Musik, die dann ohne Orgel und mit modernen Instrumenten vorgetragen wird.
    Wenn man nichts für junge Leute tut, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn die austreten.
    Liebe Kirche, an statt euch weiterhin auf weltliche Aufgaben, wie das Betreiben von Kitas und Altenheimen zu fokusieren, kümmert euch besser mal um eure Gemeinden. Kitas kann der Staat genauso gut betreiben. Gemeinden nicht.

    • In meiner früheren Gemeinde fanden die einzigen offiziellen (also mit Pastor) Bibelrunden Mittwoch vormittags statt. Berufstätige waren offensichtlich nicht vorgesehen.

      • Könnte das vielleicht daran liegen, dass auch der Tage eines Pastors nur vierundzwanzig Studen hat? Ein befreundeter Pfarrer trat kurz vor dem Ruhestand eine „halbe“ Stelle an, als alleiniger Seelsorger für drei Gemeinden. Er meinte, so käme er zwar wohl auch auf mehr als vierzig Stunden die Woche, also für andere ein Vollzeitjob, hätte aber immerhin die Chance, mal ein paar Stunden oder gar einen Tag frei zu nehmen. Für ihn war dies bevorzugt jeder vierte Sonntag, obwohl für ihn offiziell ja nur jeden zweiten Anwesenheitspflicht bestand.

        Und wieso sind Bibelgespräche nur mit Pastor „offiziell“? Warum eigentlich muss immer ein Hauptamtlicher dabei sein, damit eine Veranstaltung innerhalb der Kirche ihre Gültigkeit hat? Ich bin schon etlichen efahrenen Christen begegnet, die an Bibelwissen so manchem Pastor haushoch überlegen waren!

        • Ob ein Kurs Mittwoch um 10.00 Uhr lauft oder um 19.00 Uhr, ist für die Gesamtarbeitszeit des Pastors egal, oder?

          Es war nur ein Beispiel, dass das Angebot der Kirche oft an Berufstätigen vorbei geht. Und dann muss man sich eben nicht wundern, wenn diese irgendwann austreten.

          PS: Das ‚offiziell‘ meinte, dass es eben ein Kirchenangebot war und kein privater Hauskreis. Nur für private Veranstaltungen braucht es auch keine Kirchenmitgliedschaft.

          PPS: Und traurig, wenn es mit dem Bibelwissen mancher Pastoren nicht so weit her ist.

          • Wie sieht es mit der übrigen Arbeitszeit des Pastors aus? Hat er vielleicht aum 19.00 Uhr einen anderen Termin? Und wieso muss er eigentlich immer dann, wenn andere Feierabend und Freizeit haben, noch zusätzlich zur Verfügung stehen? Zum 24-Stundentag gehört nun mal auch Zeit für sich selbst oder die Familie!

            Ich kenne übrigens keinen Berufstätigen, der dies als Grund für einen Kirchenaustritt angegeben hat.

            Zum P.S: Auch Bibelstunden ohne Pastor können offizielle Kirchenveranstaltungen sein. Ebenso Hauskreise. Manche werden von Kirchenvorständen/-ältesten geführt, ich habe auch schon erlebt, dass ehrenamtliche Mitarbeiter offiziell in ein Amt eingesetzt wurden. Doch auch für offizielle Veranstaltungen braucht es keine Mitgliedschaft. Mir sind schon Leute begegnet, die wussten nicht mal, dass sie eine kirchliche Veranstaltung besuchen.

            Zum P.P.S: Das sehe ich anders. Die Bibel ist zu umfangreich, zu komplex, dass man, nur weil man Theologie studiert hat, alles wissen muss. Zumal zu diesem Studium ja noch ein Gutteil anderer Aufgabenbereiche gehören.. Ein Pfarrer ist nicht kraft seines Amtes automatisch ein Alleskönner, die viel gerühmte eierlegende Wollmilchsau. Auch wenn Viele sich das so vorstellen. Ich kenne exzellente Seelsorger und Evangelisten. Andere sind wieder hervorragend in der Lehre, die einen mündlich, die anderen schriftlich. Und wenn man das Neue Testament mal genauer liest, dann erkennt man, dass auch herausragendes Bibelwissen eine Gabe ist, die nicht jedem gegeben ist und die auch ein „Laie“ (den es so in der Bibel ohnehin nicht gibt) haben kann.

            • Ich kenne einige, die ausgetreten sind, weil es für sie keinerlei Angebot der Gemeinde gab.

              Und es ist doch auch bezeichnend, wenn es Zeit für Kindergruppen gibt (die wichtig sind) und viel Zeit für Seniorengruppen (die auch wichtig sind), aber Berufstätige oft raus fallen. Ich kenne viele Gemeinden, wo das so ist.

              Es wird schon seinen Grund haben, dass so viele austreten. Den kann man im weltlichen suchen (also möglichst weit weg von der eigenen Verantwortung) oder man schaut mal, wie es denn mit den Gemeinden aussieht und denen, die vor allem austreten.

              Klar ist meine Ansicht unbequem, klar erfordert sie vom Pastor auch mal, abends zu arbeiten. Allerdings, wenn irgendwann keine Beitragszahler mehr da sind, gibt es vielleicht seine Stelle auch nicht mehr.

              • Deine Ausführungen sind genau genommen widersprüchlich. Ein normaler Gemeindepfarrer verbringt längst nicht so viel Zeit mit Kindern und Senioren, nur weil das Angebot vorhanden ist. Es sind nicht die Hauptaufgaben eines Gemeindepfarrers. Und, wie bereits bemerkt, kenne ich etliche Gemeinden in denen die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gut läuft.

                Doch ich kenne eben auch immer mehr Kirchenmitglieder, für die ihre Gemeinde zum reinen Dienstleister geworden ist. Dies widerspricht vollkommen dem biblischen Gemeindeverständnis, wonach sich j_e_d_e_r nach seinem Vermögen (seinen Fähigkeiten) in die Gemeinde einbringen soll. Das stand übrigens vorgestern, am 4.8., erst in der Tageslosung: Paulus erklärt om 1. Korintherbrief, Kapitel 14, dass jeder das beitragen soll, was er hat. Dabei war für die damaige Gemeinde eine vierzig- oder gar fünfunddreißig-Stunden-Woche eine Utopie und viele Gemeindeglieder trafen sich täglich. Ehrenamt war dort Alltag.

                Das Argument, dass keiner Zeit für einen hat, ist nach meiner langjährigen Erfahrung meist vorgeschoben. Und dies ist genau das, was Du mit „möglichst weit weg von der eigenen Verantwortung“ bezeichnest: Ich werde nicht ausreichend bespaßt, also gehe ich. Interessant nur, dass Gemeinden, in denen das Ehrenamt praktisch Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist, nach wie vor regen Zulauf erhalten! 😉

                Deine Ansicht ist übrigens alles Andere als unbequem. Sie zeugt nur von wenig Kenntnis vom wirklichen Gemeindeleben. Wie ich schon oben beschrieben habe kann ein Pfarrer selbst bei einer Halbtagsstelle froh sein, wenn er vierzig Stunden in der Woche nicht überschreitet. Hinzu kommt, dass er für viele praktisch rund um die Uhr auf Abruf zur Verfügung stehen soll. Wer sich dann beklagt, der Pfarrer nehme sich für ihn zu wenig Zeit, hat von diesem Beruf herzlich wenig Ahnung.

                Eines noch: Es ist nicht der Pfarrer, der eine (evangelische) Gemeinde leitet. Dafür ist der Kirchenvorstand bzw. sind die Gemeindeältesten zuständig. In manchen Gemeinden hat der Pfarrer nicht mal ein Stimmrecht.

    • Das sehe ich anders. Angebote für junge Leute, Paare, junge Erwachsene,… das alles gibt es. Wenn auch nicht in allen Gemeinden. Ebenso moderne Gottesdienstformen. Doch das Problem sind oft nicht die Gemeinden an sich sondern die freiwilligen Mitarbeiter. Ich kenne keine Gruppe, keine „moderne“ Gottesdienstform (so neu sind sie ja auch nicht), die nicht von der intensiven Zuwendung Freiwilliger lebt, die bereit sind, viel Zeit und Energie da hinein zu stecken. Kirche ist die Gemeinschaft der Christen und keine Dienstleistungsgesellschaft.

      Soziale Einrichtungen wie Kitas und Altenheime gehören auch zu den kirchlichen Kernkompetenzen. Sie sind keine „weltlichen Aufgaben“. Die meisten davon kann man nicht dem Staat überlassen. Hiervon profitieren beide Seiten.

      • Also es gibt hervorragende staatliche Kitas und Altenheime. Ich sehe das vor allem als weltliche Kern-Aufgaben. Das kirchliche Angebot ist meines Erachtens eher der Zuckerguss obendrauf.

        Und nach meiner Erfahrung hängt das ehrenamtliche Engagement sehr oft viel von den Pastoren ab. Wenn ehrenamtliche Arbeit nicht wertgeschätzt wird (habe ich erlebt beim Kindergottesdienst), wenn private Hauskreise mit Argwohn gesehen werden, wenn keine Infrastruktur für Schulungen und Betreuung der Ehrenamtlichen aufgebaut werden, dann wird da wenig bis gar nichts entstehen.

        Ich habe es erlebt, wie aus nichts in wenigen Jahren ein umfangreiches ehrenamtliches Angebot entstehen (Jugendarbeit mit weit über 100 Jugendlichen) kann durch einen engagierten Pastor. Nach seinem Weggang lag 2 Jahre später wieder fast alles brach. Machte halt Arbeit und das wollte der nachfolgende Pastor nicht leisten.

        • Ohne kirchliches Vorbild gäbe es bis heute keine staatliche Kinder- und Altenbetreuung. Sie ist untrennbar mit den Aufgaben der Kirche verbunden. Und ich kenne sehr viele Familien, die ihre Kinder und Angehörigen bewusst in eine kirchliche Betreuungseinrichtung geben. Oder Senioren, die nirgendwo anders in wollen. Dies dem allein Staat zu überlassen wäre kontraproduktiv. Auch wir waren froh, dass unsere Tochter im Kindergarten mit biblischen Geschichten in Berührung kam. Eben, weil Glaube nicht ausschließlich Privatsache ist.

          Ein ehrenamtliches Angebot, welches fast ausschließlich vom Engagement des Pastors abhängig ist hat m.E. keine wirkliche Überlebenschance. Das stimmt. Wichtig ist, dass der Pastor lernt, sich „überflüssig“ zu machen. Ich kenne Leute, die mach(t)en über Jahrzehnte hinweg wirklich gute Jugendarbeit. Egal wie der jeweilige Pastor/Kirchenvorstand oder Dekan dazu stand. Manche hatten sogar über einige Jahre hinweg einen schweren Stand oder wurden offen angefeindet. Dennoch lief das Ganze. Sie erhielten massenhaft Zulauf und haben ganze Generationen in der Gemeinde geprägt. Geschult wurden sie außerhalb der Gemeinde, eine kleine bis mittlere Gemeinde wäre ohnehin auch bei einem wohlgesonnenen Pastor dazu nicht in der Lage.

          Es liegt nicht in der Hand des Pastors. Und es ist auch, wie bereits oben erwähnt, nicht seine Aufgabe, sich um ALLES zu kümmern. Das hat mit mangelndem Willen/Interesse auch nur sehr wenig zu tun.

          • Ich bin der Überzeugung, dass es für jedes Kind (und jeden Senior) ein staatliches Angebot der Betreuung geben muss. Das regional teilweise nur kirchliche Angebote vorhanden sind, verträgt sich nicht mit meinem Verständnis der Religionsfreiheit des Grundgesetzes.

            Zumal das ja eh fast oder ganz zu 100 % aus Steuergeldern finanziert wird.

            Wer kirchlich will: gern. Aber eben nicht als Grundversorgung.

            • Ach so. es gehört also nicht zur grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit, wenn jemand Wert auf kirchliche Betreuung legt? Das musst Du mal genauer erklären!

              Das mit der vollen Finanzierung aus Steuergeldern ist auch so ein Märchen, welches sich hartnäckig hält. Es zeugt nicht gerade von einer genaueren Kenntnis der Finanzierung kirchlicher Angebote. Tatsache ist, dass Kinder-, Alten- oder Krankenbetreuung in vergleichsweise geringem Maß staatlich bezuschusst wird. Genau wie bei jedem anderen Träger wie .B. kommunal geführte Einrichtungen oder die der Awo. Übrigens legen die Kierchengemeinden und Dekanate ihre Finanzen offen. Da kann man gerne nachfragen.

              • Nicht voll finanziert, aber mit sehr hohem Anteil. In NRW sind oder waren es 88 Prozent, die Kommune bzw. Staat anteilig bei kirchlichen Kindertagesstätten bezahlen. Mit freundlichen Grüßen, die Redaktion.

                • NRW ist nicht ganz Deutschland. Mein Schwiegervater war bis zu seinem Tod Kirchenpfleger, d.h. hier in Oberfranken, er war für die Finanzen der Gemeinde zuständig. Immerhin eine Kleinstadt mit zwei evangelischen Kindergärten (einer davon ist inzwischen eine Kita), einem Altenheim und einem Seniorenwohnheim. Der berichtete etwas anderes. Auch von den Nachbarstädten und -gemeinden hört man ähnliches. Davon, dass Kirchen mehr bekommen als z.B. die Awo oder die Kreiskrankenhäuser ist mit jedenfalls nichts bekannt. Dennoch sparen Bund und Länder durch dieses Modell.

              • „Ach so. es gehört also nicht zur grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit, wenn jemand Wert auf kirchliche Betreuung legt? Das musst Du mal genauer erklären!“

                Gern: Das Grundgesetz schützt die Ausübung der Religion. Dazu gehört aber auch der Schutz der negativen Religionsfreiheit (also vereinfacht des Atheismus). Religionsfreiheit bedeutet nicht, dass der Staat religon unterstützen oder gar fianzieren muss, er darf die Ausübung nicht verhindern (mit Ausnahmen, wenn andere Grundrechte betroffen sind, siehe gerade Corona)

                Niemand darf also zu einer Religion gezwungen werden. Gibt es nur kirchliche Angebote oder eben keine nichtreligiösen Standardangebote, so ist die negative Religionsfreiheit nicht gegeben.

                Das bedeutet nicht, dass der Staat für religiöse Angebote sorgen muss, er muss nur verhindern, dass diese -staatlich finanziert- jemanden aufgezwungen werden.

                Was leider in manchen regionen Deutschlands der Fall ist.

                Der Zuschuss dürfte stets sich zwischen 80 und 100 % einpendeln.

                Bei Zuschüssen zu kirchlichen Privatschulen habe ich diesbezüglich sogar sehr genaue Kentnnisse. Ich habe dieses mal wirtschaftlich geprüft. Ich denke also, ich habe hier durchaus ein bisschen Kenntnis, auch wenn ich Deinen Schwiegervater nicht kannte.

                • Sei mir nicht böse, aber Deine Ausführungen sind schon arg konstruiert.

                  Ziel z.B. eines christlichen Krankenhauses ist nicht die staatlich finanzierte Religionsausübung. Kliniken und Altenheime werden nicht einmal vom Staat finanziert, sondern von den Kranken- und Pflegekassen! Ihr Ziel ist die medizinische Versorgung von allen Personen unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung. Wenn man davon absieht, dass Nächstenliebe ein zutiefst christlich-jüdisches Element ist, dann wird hierbei kein Patient an der freien Ausübung seiner Religion gehindert. Fühlt sich z.B. ein Atheist dadurch in seiner Überzeugung angegriffen, dann muss er ich auch konsequenterweise von jedem Arzt oder Pfleger, der ihn behandelt, zuvor eine schriftliche Erklärung zu dessen religiöser Überzeugung einholen, da auch an kommunalen oder privat geführten Einrichtungen Christen beschäftigt sind.

                  Merkwürdigerweise bin ich noch keinem Muslim oder Buddhisten begegnet, der Probleme damit hatte, ein christlich geführtes Krankenhaus aufzusuchen. Genauso wenig wie christliche Patienten Probleme mit muslimischen Ärzten haben. Dies alles müsste man, folgte man Deinen Ausführungen, als tiefen Eingriff in die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit sehen. Und erklärte Atheisten haben nun einmal das „Pech“, dass die Giordano-Bruno-Stiftung zwar gegen Christen hetzt, selbst aber keine eigenen Kliniken betreibt 😉

                  Der Staat sorgt auch nicht für religiöse Angebote. Er unterstützt jedoch vorhandene kirchliche Angebote, um eigene Kosten zu sparen. Das ist auch politisch so gewollt, um eine staatliche Gleichschaltung wie in der NS-Zeit oder der DDR zu verhindern. Dabei werden Kirchen keinesfalls den freien Trägern gegenüber bevorzugt. Ich kann zwar nicht für alle Regionen sprechen, aber in den mir bekannten gibt es z.B. bei der Kinderbetreuung auch in traditionell katholischen oder evangelischen Landesteilen eigentlich immer eine nichtkichliche Alternative, sei sie kommunal, von AWO, ASB oder privat geführt.

                  Die Sache mit der staatlichen Bezuschussung ist auch nur die halbe Wahrheit. Sie mag zwar auf dem Papier etwa 90 % betragen (die EKD erklärt ausdrücklich, dass IMMER mindestens 10 % aus Kirchenmitteln finanziert werden). Dabei werden aber häufig wichtige Faktoren übersehen, z.B. die Spenden von Kirchenmitgliedern, mit denen Dinge finanziert werden, die anders nie angeschafft würden. Da tut sich der AWO-Kindergarten hier bei uns etwas schwerer – ohne dass er von der Kommune benachteiligt würde.

                  Kirchliche Privatschulen sind ein anderes Gebiet. Sie werden konkret von Eltern ausgewählt, die Wert auf einen konfessionsgebundenen Unterricht legen. Dabei muss natürlich gewährleistet werden, dass sie den Anforderungen staatlicher Schulen um nichts nachstehen. Und auch hier weiss ich, dass beispielsweise die Ausstattung mit elektronischen Medien teilweise das alleinge Verdienst der Eltern und kirchlicher Spender sind. Dies gilt übrigens auch für die Waldorffschulen, die, was den wenigsten bekannt ist, esoterisch ausgerichtet sind.

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