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Der Verein Deutsche Sprache hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zum „Sprachpanscher des Jahres 2017“ gekürt. Mehr als 2.100 Vereinsmitglieder hätten die EKD auf den ersten Platz gewählt, teilte der Verein am Freitag in Dortmund mit. Moniert wurde unter anderem eine gehäufte Verwendung englischer Begriffe. Der Verein beanstandete etwa sogenannte „godspots“, mit denen in vielen Kirchen kostenloses W-Lan angeboten wird.

Auch das Programm mit dem Motto „Segen erleben – Moments of Blessing“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (KHN) auf der Weltausstellung zum 500. Reformationsjubiläum in Wittenberg und die dort präsentierte interaktive Installation „BlessU-2“ stießen auf den Unmut der Sprachpuristen. Die Sprachpanscherei sei eine Verhöhnung Luthers, der für seine Bibelübersetzung oft wochenlang nach deutschen Wörtern gesucht habe, erklärte der Verein.

Die EKD erklärte, sie nehme die Wahl „mit lutherischer Gelassenheit und Standhaftigkeit zur Kenntnis“. Die Kirche könne übrigens auch „retro panschen“, erklärte die EKD auf ihrer Facebookseite: Zurück zu Luther laute die Devise der neuen Luther-Bibel 2017.

 

Betreff: Sprachpanscher des Jahres 2017Liebe Expertinnen und Experten, Freundinnen und Freunde der deutschen…

Posted by Evangelische Kirche in Deutschland on Freitag, 25. August 2017

Ebenfalls viele Stimmen bei der „Sprachpanscher“-Wahl erhielten die Kampagne von Lann Hornscheidt für die Geschlechtsneutralisierung der deutschen Sprache sowie CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Tauber sei bei den Sprachfreunden mit seiner „#cnight“ im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin aufgefallen sowie mit einem „Innovation-Pitch“ und „Working-Spaces“ zu Themen wie „Bildung reloaded“ oder „eSports“. Weitere Kandidaten waren die inzwischen insolvente Fluggesellschaft Air Berlin und der Landeswahlleiter.

Der Verein Deutsche Sprache setzt sich für die Bewahrung der deutschen Sprache ein und hat nach eigenen Angaben mehr als 36.000 Mitglieder. Er zeichnet seit 1998 jährlich den „Sprachpanscher des Jahres“ aus. Dieser Negativpreis ging bislang unter anderem an die ehemaligen Bahnchefs Hartmut Mehdorn und Johannes Ludewig, den Modedesigner Wolfgang Joop sowie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU).

7 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Luther hat den Leuten auf die Schnauze geguckt und so geschrieben wie es damals Umgangssprache war. Da wir heute mehr englische Wörter verwenden ist diese Art doch in Luthers Sinn.

  2. Da macht sich ein Verein aus Dortmund, der letztlich nichts andres macht, als Sprachchauvinismus zu betreiben, wichtig.

  3. Hallo liebe Claudia:
    „Aufs M a u l soll man lt.M.Luther schauen, nicht auf die „S c h n a u z e“ !

    nix für ungut – Hans-R Teichen

  4. Wenn Israel als ganzes Volk immer noch erwählt sein soll, dann Frage ich mich, warum der Herr Jesus den jüdischen Leitern gesagt hat: Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das dessen Früchte bringt. Matthäus 21,43. Juden und Heiden sind zusammen in Christus JESUS erwählt als die einzige Körperschaft, die zum ewigen Leben führt. Die EKD gehört selber nicht mehr zu den Erwählten. Klaus.publius@t-online.de

  5. Ich kann die Entscheidung durchaus nachvollziehen. Was in der IT oder bei modernen Freikirchen oft einfach in der Jugendarbeit organisch gewachsen ist, wirkt im Dunstkreis der EKD irgendwie oft verkrampft und aufgesetzt. Bei Bless-U 2 denke ich eher an eine irische Rockband (die damit aber wohl nichts zu tun hatte!) und für ein weltlich Ding wie einen WLAN-Hotspot sollte man den Namen Gottes m. E. nicht missbrauchen. Angebracht wäre das dann schon eher als moderne Bezeichnung für einen Ort, wo man für sich beten lassen kann, was dann in meinen Augen auch keinen Konflikt mit dem 3. Gebot darstellt. Falls manche das jetzt zu engstirnig empfinden sollten – ich finde schon, dass man für die EKD da strengere Maßstäbe anlegen kann als für weltliche Institutionen.

  6. Alles hat seine Zeit,
    and a time for every matter under heaven:

    Eine Zeit zum Segnen,
    and a time to be blessed.

    Eine Zeit zum Segen erleben,
    and a time for Moments of Blessing.

    Eine Zeit, um das Leben und die Sprache ernst zu nehmen,
    and a time for laughter and light-hearted conversation –
    in whatever language best fits the moment (of blessing).

    P.S. Der Reformator Martin Luther verdankt man viel, wenn es um die Ausbildung und Vereinheitlichung der (hoch)deutschen Sprache geht, wohlwissend, dass – wie die Menschen in Nordfriesland mit Recht erkennen, „Ån spräke as uler nooch.“

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