Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hält für die Zukunft Kirchengemeinden mit evangelischen und katholischen Christen unter einem Dach für möglich. „Viele Menschen fragen schon heute nicht mehr danach, ob jemand evangelisch oder katholisch ist, sondern nur, ob er Christ oder Christin ist“, sagte der evangelische Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Werbung

„Wir müssen uns also überlegen, was wir gemeinsam tun können – bis hin zur Gründung von reinen ökumenischen Gemeinden.“ Das sei zwar ein ferner Wunsch, „aber man kann ihn ja ruhig mal äußern“, sagte Meister. Es sei zurzeit noch völlig offen, wie solche Gemeinden aussehen könnten, ergänzte der Bischof: „Wir sind einfach noch nicht so weit und haben unsere Differenzen, zum Beispiel mit dem Abendmahl.“ Nötig seien Initiativen, die beide Kirchen herausforderten: „Ich glaube, das wird für die Zukunft des Christentums in unserem Land sehr entscheidend sein.“

Auch für seine eigene Landeskirche, der größten in Deutschland, wünscht sich Meister neue und kreative Formen. Er denke dabei an Gemeinden, die sich nur für einen begrenzten Zeitraum zusammenfänden, womöglich ohne Pastor und Kirchengebäude, nur mit einem ehrenamtlich beauftragten Prädikanten. „Warum soll es nicht auch eine reine, allein von Jugendlichen konzipierte und getragene Jugendkirche geben oder eine international geprägte Gemeinde? Solche Initiativen könnten wir sofort aufnehmen und finanziell unterstützen“, betonte der Theologe. Auch in den Sozialen Medien geschehe Verkündigung und Seelsorge: „Ist das nicht auch schon Gemeinde?“

Er halte eine solche Entwicklung in den nächsten 20 bis 30 Jahren für möglich, sagte Meister. „Sie wird natürlich für diejenigen unter uns, die wir die Kirche als Institution repräsentieren, erst einmal schwierig und schmerzhaft sein.“ Doch in der im vergangenen Jahr verabschiedeten neuen Kirchenverfassung seien die entsprechenden Voraussetzungen dafür geschaffen worden. „Mein Wunsch ist, unsere Verfassung so offen und liberal auszulegen, dass auch andere Gemeindeformen in unserer Kirche akzeptiert werden“, betonte der Bischof: „Das würde auch uns neu beleben.“

4 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Es wird laut heutigem Stand nie eine Verbrüderung von katholischer und evangelischer Kirche geben. Die katholische Kirche erhebt Absolutheitsanspruch und die Protestanten greifen irgendwie nach jedem Strohhalm, um ihre Kirche zu retten, oft mit sehr merkwürdigen Mitteln.. Also nein, es ist unmöglich. Wer nicht zwischen die Fronten geraten möchte, muss aus den Kirchen austreten und freier Christ werden.

  2. Abendmahl ist ja nur ein Punkt, der die katholische Kirche von der evangelischen trennt. Der größte Brocken ist die Marienverehrung bis hin zur Anbetung, dann das Heiligsprechen von Menschen,, die als Heilige auch als Fürsprecher im Gebet angerufen werden dürfen, die Kindertaufe, die Kommunion… Die katholische Kirche ist eine Wundertüte mit falschen Versprechen. Biblische Lehre sieht anders aus. Von daher ist die Ökumene schlicht und einfach nicht machbar, ohne dass die Bibel umgeschrieben werden müsste.

    • > von der evangelischen trennt.
      > … Kindertaufe

      Die gibt es nicht im evangelischen?

      Dann muss mein Taufzeugnis ja gefälscht sein. Skandal!

  3. finde ich eine tolle Idee. Zunächst mal schwierig umzusetzen aber der Erfolg dürfte sich dann auch bald sehen lassen. Viele Christen wünschen sich weniger Hierarchie und Dogmen.

Comments are closed.