Ein Raum zum Gebet. Ein Raum für Gäste. Und viel Raum für Gott. Das ist das Konzept von FamilyHomes – einem Netzwerk für Gemeinschaft auf Zeit.

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Von Susanne Ospelkaus

Die alte Villa von Melanie Oetting liegt direkt an einem bewaldeten Hügel. Je weiter man das Grundstück betritt, desto steiler wird der Garten. Die Zweige der alten Obstbäume ragen bis an die massiven Fensterläden. Im Holz der Fensterläden entdeckt man geschnitzte Vögel – das Logo von FamilyHomes.

„Mein Mann und ich hatten das Haus gekauft, um es zu renovieren“, erzählt Melanie Oetting. „Es bot genug Platz für unsere sechsköpfige Familie. Doch dann kam alles anders. Mein Mann verließ uns.“ 2017 zerbrach die Ehe. Übrig blieben Schmerz, Enttäuschung und ein renovierungsbedürftiges Haus. Melanie fand im Gebet Kraft für sich und ihre Kinder. „Dabei setzte sich in mir der Gedanke fest: Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein. Immer wieder habe ich mit Gott darüber gesprochen. Ich wusste zwar nicht, wie ich eine solche Gastgeberin werden sollte, doch die Vorstellung davon erfüllte mich mit Freude und Frieden.“ Melanie Oetting machte weder konkrete Pläne, noch sprach sie mit Freunden darüber. Sie gab die Idee an Gott zurück und betete: „Wenn du möchtest, dass ich mein Haus öffne, dann musst du es führen und dich um mich und meine Kinder kümmern.“

Ruhe und Trubel

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Um in ihrem Alltag und ihrem Haus mehr Raum für Gott zu schaffen, gestaltete sie ein Zimmer zum Gebetsraum um, der ein wenig an eine Kapelle erinnert: Kerzen, Kruzifix und Rosenkranz deuten auf ihren katholischen Hintergrund: „Ich selbst bin katholische Christin, aber hier ist jeder willkommen. Wir brauchen die Ökumene. Wir brauchen einander“, ist Melanie Oetting überzeugt. Im Lauf der Zeit ergab es sich, dass tatsächlich Gäste kamen, die in ihrem Haus Gott erlebten und beschenkt weiterzogen. Menschen dürfen bei Melanie Oetting eine Zeit lang zu einem Teil der Familie werden. In ihrer Wohnstube steht ein großer Esstisch: keine langgezogene Tafel, sondern ein quadratischer Tisch. Hier kann jeder mit jedem ins Gespräch kommen. Familienleben schafft eine Atmosphäre von Vertrautheit. Im Miteinander ist es oftmals leichter, Gott zu begegnen. Gedacht ist ihr FamilyHome für Menschen, die eine bewusste Auszeit suchen, Zeit mit Gott verbringen wollen und offen für geistliche Impulse und neue Begegnungen sind. Sie bieten Raum, um Kraft zu tanken und sich neu auszurichten. Jeder Gast kann dabei selbst entscheiden, wann und wie viele Angebote er annehmen möchte. Als Anlaufstelle für Seelsorge oder Lebensberatung ist es nicht gedacht. „Wer zu uns kommt, sucht Stille, wünscht sich eine Begegnung mit Gott und freut sich auf das Miteinander im Haus“, erzählt Melanie Oetting.

Nähe und Rückzug

Dass zu einem solchen Zusammenleben auch Hausregeln gehören, lernte Melanie Oetting mit der Zeit. „Es geht darum, wie viel Nähe ich zulassen möchte und wie viel die eigenen Kinder ertragen können.“ Deshalb hat sie eine Möglichkeit geschaffen, dass ihre Gäste selbst kochen können. Manchmal spricht sie ausdrücklich eine Einladung zum Essen aus. „Wenn ein Gast ein Gespräch möchte, dann machen wir einen Termin. Ich bin gern für meine Gäste da, aber ich brauche auch meinen Rückzug.“ Momentan gibt es ein weiteres FamilyHome bei Stuttgart und eins in der Loreley. Melanie Oettings Traum ist, in Deutschland und weltweit viele Family-Homes zu gründen. Wenn sie davon erzählt, sprüht sie vor Leidenschaft. Von neuen Gastgebern möchte Melanie Oetting einen guten Eindruck bekommen. „Es sind die Gebetszeiten, in denen man sich kennenlernt. Wir genießen die Gemeinschaft. Ich begleite die Gastgeber und sie dürfen aus meinen Fehlern lernen.“ Wer sein Haus öffnet, entscheidet selbst, wie häufig Gäste da sind. Termine werden individuell vereinbart. „Ich habe auf meiner Website ein Formular, das der zukünftige Gast ausfüllen muss. Dabei lässt er sich von seinem Arbeitgeber, Hausarzt oder Pastor bestätigen, dass er physisch und psychisch stabil ist. Häufig kann ich auf dieses Formular verzichten, da im Vorfeld durch E-Mails oder Telefonate Vertrauen aufgebaut wurde.“

Ankommen und Aufatmen

Wer ein Teil des FamilyHome-Netzwerks wird, profitiert von Melanie Oettings Erfahrung. Mit einer monatlichen Unterstützung kann man Werbematerial und Formulare wie Hausregeln und Einverständniserklärungen nutzen. „Es geht mir nicht darum, Geld zu verdienen. Momentan arbeitet keiner kostendeckend. Es ist ein Dienst und wir vertrauen Gott, dass er uns versorgt. Der Segen fließt in alle Richtungen. Es ist eine große Freude, wenn Gäste ankommen und aufatmen. Aber auch wir profitieren durch die unterschiedlichen Begegnungen. Meine Kinder und ich sind uns nähergekommen. Wir sind zufriedener und dankbarer geworden. Früher hielten meine Kinder FamilyHomes für eine verrückte Idee von mir. Inzwischen haben sie so manches Wunder mitbekommen.“

Weitere Informationen zum Thema Familyhomes und Kontaktmöglichkeiten gibt es unter www.familyhomes.services

Dieser Artikel ist Teil unserer Themenwoche „ANDERS LEBEN. Alle weiteren Artikel, Informationen & Literaturtipps zum Thema finden Sie >>> hier.

andersleben Cover Susanne Ospelkaus hat diesen Artikel für das Magazin andersLEBEN geschrieben. andersLEBEN ist ein Produkt des SCM Bundes-Verlags, zu dem auch Jesus.de gehört.