Francis Chan: „Briefe an die Kirche“

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Langweilen Sie sich in Ihrem Gottesdienst? Ist das Abendmahl nur ein notwendiges Anhängsel? Sehnen Sie sich nach mehr Vollmacht, mehr geistlichem Leben, innigerer Begegnung mit Gott, Gottesdiensten, in denen er redet? Dann könnte dieses Buch von Francis Chan Ihnen Ursachen und Lösungen zeigen. Der Autor forscht in der Bibel nach Gottes Weisung für eine Gemeinde, nach seinen Vorstellungen und vergleicht diese Erkenntnisse mit den derzeitigen Gemeinden in den USA, die den Gemeinden in der ganzen westlichen Welt durchaus ähnlich sind.

„Wir leben in einer auf den Menschen zentrierten Welt, die sich selbst als höchste Autorität ansieht“, schreibt er. Das hat gravierende Auswirkungen auf unser Glaubensleben. Denn oft steht nicht mehr Gott im Mittelpunkt, sondern Bequemlichkeit, Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit. Wir suchen einen Jesus, der unsere Bedürfnisse stillt und das Leben angenehm macht, uns von Leid und Krankheit befreit. In den Gottesdiensten haben wir uns gut eingerichtet. Mit Lichtshows, Videos, dynamischer Musik und zündenden Predigten entsprechen sie oft eher unterhaltsamen Events als den Versammlungen der Urkirche, in denen Gott gesucht und angebetet wurde. Das pure Evangelium reichte damals aus, um die Menschen in tiefe Ehrfurcht zu versetzen. In der Bibel findet Chan Aussagen, wie Gott sich Gemeinde vorstellt: einander dienende, hingegebene Gläubige, geistgewirkte, überdimensionale Liebe, intensives Gebet, missionarisches Herz, Leiden zu Ehren Christi etc.

Untergrundkirchen sind Thema

Dieses Buch ist – obwohl nur knapp 200 Seiten lang – vielseitig und umfassend. Es beschreibt die Kritiksucht der Menschen und zeigt, wie schwer es kirchliche Leiter dadurch haben. Es zieht Vergleiche zu Gemeinden in Ländern mit verfolgten Christen und beschreibt Mega-Untergrundkirchen in Asien, in denen sich zigtausende Menschen zu Jesus bekehren und mit Freude Verfolgung auf sich nehmen. Die vielen Bibelzitate machen es dem Leser einfach, Chans Gedanken nachzuvollziehen.

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In diesem Buch gibt der Autor einen tiefen Einblick in sein eigenes, persönliches Glaubensleben, seinen Werdegang, in seine Gedanken, Hoffnungen und Enttäuschungen. Er setzt ein hohes Ziel und fordert viel von sich und seinen Lesern. Er zeigt, wie Gottesdienst sein kann, wie er diese Vorstellung in seiner amerikanischen Gemeinde umzusetzen versucht und wie Christen mit Vollmacht leben können. Er wehrt sich gegen ein laues, bequemes Christentum, gegen die vorherrschende Weicheier-Mentalität und Konsumhaltung. Dieses Buch rüttelt auf. Es regt zum Nachdenken an, zum Gebet, zum Nachahmen, letztendlich zu einem Umdenken und zu einem konsequenteren Leben in der Nachfolge Jesu. Das Werk richtet sich ausschließlich an Christen und führt zu mehr Gebet, intensiverer Suche nach Gott und zu einer gründlichen Untersuchung des eigenen Glaubenslebens.

Und dann? Kann der Leser damit seine Gemeinde reformieren? Sollte er das überhaupt tun? Und haben nicht auch die vielen unterschiedlichen Gemeindeformen ihre Berechtigung? Ist eine Lichtshow nur schlecht? Ist nur die Hauskirchenform die richtige Art, Gemeinde zu leben? Und sind die Vergleiche mit Asiens Kirchen wirklich hilfreich? Muss man nicht auch die eigene Mentalität und Wertegesellschaft berücksichtigen? Wir müssen immer unseren eigenen Weg finden – Chans Gedanken offen betrachten, verwirklichen, was realistisch ist, und nicht vergessen, dass Gott mit den Menschen ganz unterschiedliche Wege geht. Somit sollte der Leser am Ende des Buches nochmals das erste Kapitel lesen – das über Kritik in der Gemeinde und ihrer Auswirkung.

Von Brigitte Keune

Verlag: LUQS Verlag
ISBN: 978-3-940158-42-0
Seitenzahl: 204
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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