Nach der Gebetswoche ist vor der Gebetswoche: Direkt an die Allianzgebetswoche schließt sich die Gebetswoche für die Einheit der Christen an. Vom 18. bis zum 25. Januar sind Organisationen und Gemeinden weltweit aufgerufen, für Einheit in Vielfalt zu beten. Aber die Gebetswoche soll auch konkrete Handlungen nach sich ziehen.
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Von Nathanael Ullmann

Jedes Jahr hat ein anderes Land die Möglichkeit, Texte für die Gebetswoche aufzubereiten, die anschließend übersetzt werden. 2019 zeichnet Indonesien für die Vorbereitung verantwortlich. Im vorletzten Jahr haben sich Vertreter des Christlichen Rates der Kirchen von Indonesion, der Evangelischen Allianz Indonesiens, des nationalen Gebetsnetzes, der Indonesischen Bibelgesellschaft und der katholischen Bischofskonferenz Indonesiens zusammengesetzt, um die Materialien zu erarbeiten. Das Thema lautet „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen“ (5. Mose 16,20a).

Logo der Gebetswoche. Copyright: ACK

„Der multilateralen Arbeitsgruppe aus Indonesien war es wichtig, die aktuellen Herausforderungen der indonesischen Gesellschaft im Licht des Evangeliums aufzuzeigen“, heißt es auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Zwei Dinge beschäftigten die Gruppe vorrangig: Zum einen hat Indonesien derzeit vermehrt mit religiösem Extremismus zu kämpfen. Bisher hatten die verschiedenen Religionen des Landes friedlich zusammengelebt. Zum anderen beschäftigt das Land die steigende Armut. Diese Herausforderungen wollen die Christen in Indonesien und weltweit, getragen durch das Gebet, angehen.

Selbstverpflichtung hilft bei Umsetzung

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Damit aus dem Gebet eine konkrete Handlung hervorgeht, gibt es in diesem Jahr einen besonderen Vorschlag für den Gottesdienst zur Gebetswoche. Dort kann eine Selbstverpflichtung eingegangen werden. Eine Variante ist, dass jeder Gottesdienstbesucher zwei Karten und einen Stift erhält: „Im Gottesdienst werden die Gläubigen gebeten zu überlegen, auf welchen konkreten Akt der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit oder Einheit sie sich persönlich verpflichten könnten“, heißt es im Gottesdienstformular. Diese Selbstverpflichtung können die Besucher auf die beiden Karten schreiben. Eine behält die Person selbst, eine andere bekommt ein anderer Gottesdienstbesucher, um für den jeweils anderen und dessen Verpflichtung zu beten. Als Alternatividee gibt es auch vorgeschriebene Selbstverpflichtungskarten, die sich an der Charta Oecumenica orientieren.

Auf der Seite der ACK gibt es außerdem noch weitere hilfreiche Materialien für teilnehmende Kirchen und Organisationen. So finden sich hier Tagesmeditationen, eine Andacht und Fürbitte oder mögliche Spendenprojekte.

Die Gebetswoche hat ihren Ursprung in zwei zunächst voneinander unabhängigen Initiativen. Zum einen führte der Anglikaner Paul Wattson 1908 eine Gebetswoche ein, die die Rückkehr der verschiedenen christlichen Kirchen nach Rom zum Inhalt hatte. Diese Bitte wurde später in das Gebet um Einheit allgemein umgewandelt. Zum anderen begründet sich das gemeinsame Gebet in einer Gebetswoche für die Einheit, die der Vorbereitungsausschuss für die erste Weltkonferenz für Glaube und Kirchenverfassung 1920 angeregte. In der nördlichen Hemisphäre wird die Gebetswoche traditionell zwischen den Festen von St. Peter und Paul gefeiert, in der Regel also vom 18. bis zum 25. Januar. Viele Länder im Süden feiern die Gebetswoche in der Pfingstzeit.