(Foto: Frauenkirche Dresden by Heiko S. https://flickr.com/photos/craxler/26444453380 shared under a Creative Commons (BY-NC) license)
Angesichts der jüngsten islamistischen Terroranschläge in Europa seien Kirchen und Moscheen besonders gefährdet. Der Anschlag in Barcelona könnte Medienberichten zufolge ursprünglich der berühmten Sagrada Família gegolten haben. In Deutschland stehen der Berliner Doms und die Dresdner Frauenkirche unter besonderer Beobachtung. Rund um den Kölner Dom sollen Blockaden die Besucher schützen.
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Die Maßnahmen seien unverändert hoch, sagte der Geschäftsführer der Berliner Domverwaltung, Lars-Gunnar Ziel, am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Schutzmaßnahmen für die Kirche wurden bereits nach den Terroranschlägen von Paris 2015 und Nizza 2016 verstärkt. Unter anderem wurde eigenes Sicherheitspersonal engagiert. Die Objektschützer seien rund um die Uhr im Einsatz, betonte Ziel. Bei den Dombesuchern würden zudem „Taschenschauen“ durchgeführt. Insbesondere bei den ausländischen Gästen gebe es sehr großes Verständnis für die Schutzmaßnahmen.

Die Besucher des Berliner Doms würden gebeten, keine Rucksäcke oder großen Taschen mit in das Gotteshaus zu nehmen. Zudem gebe es regelmäßig Räumungsübungen des Berliner Doms, sagte Ziel. Dabei werde etwa gemessen, wie lange es dauert, bis das Gotteshaus im Notfall von Besuchern geräumt sei. Die bisherigen Übungen seien „äußerst positiv“ verlaufen.

Der zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz gelegene evangelische Berliner Dom gehört zu den Wahrzeichen der Stadt und wird täglich von Touristen besucht.

Dresdner Frauenkirche in abstrakter Terrorgefahr

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Die Dresdner Frauenkirche rückt im Gegensatz zum Berliner Dom einem „Bild“-Zeitungsbericht zufolge stärker ins Visier von Terroristen. Bereits seit Monaten bestehe auch in Dresden eine abstrakte Terrorgefahr für Kirchen sowie auch für Moscheen, bestätigte Polizeisprecher Thomas Geithner am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dresden.

Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet, dass die Dresdner Frauenkirche im Visier der Terrororganisation „Islamischer Staat“ stehe. Dem Blatt zufolge zeigten Terroristen im Propaganda-Magazin „Rumiya“ (Juli-Ausgabe) unter dem Titel „Gerechte Terror-Taktiken“ ein Foto der berühmten Kirche und bezeichnen sie als „beliebten Versammlungsort der Kreuzzügler, der darauf wartet, niedergebrannt zu werden“. Dazu hätten sie eine Anleitung zum Bau von Brandbomben geliefert.

Als sogenannte Schutzobjekte würden in Dresden Kirchen und Moscheen sowie zum Teil öffentliche Plätze tagsüber regelmäßig von Polizisten überwacht. An dieser Situation habe sich nichts geändert, betonte Geithner. Eine ständige Präsenz von Sicherheitskräften etwa auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche sei aber nicht gewährleistet. Eine akute, konkrete Gefahr gebe es derzeit allerdings auch nicht.

Kölner Dom „schützt seine Besucherinnen und Besucher selber“

Nach dem Terroranschlag in Barcelona wird der Kölner Dom stärker vor möglichen Angriffen mit Lastwagen geschützt. Vier tonnenschwere Steine blockieren jetzt die zentralen Zugänge zum Vorplatz und zum Seitenplatz des Doms, wie Stadt und Polizei am Dienstag mitteilten. Die Steine stammen aus der Kathedrale, bislang wurden sie in der Dombauhütte gelagert. „Der Dom schützt seine Besucherinnen und Besucher selber“, sagte Stadtdechant Robert Kleine. Die Steine ergänzen weitere Blockaden an anderen Zufahrten.

Nach dem Anschlag in Barcelona in der vergangenen Woche berieten Stadt und Polizei, wie der Dom geschützt werden könne, wie es hieß. In Spitzenzeiten zählt das gotische Bauwerk den Angaben nach täglich mehr als 36.000 Besucher, 300.000 Menschen pendeln zudem am Tag über den benachbarten Hauptbahnhof.

Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob sagte, bei Terrorattacken hätten Täter zuletzt immer wieder Fahrzeuge genutzt, die leicht zu beschaffen seien. Er verwies auf die Anschläge in Nizza, Berlin, London und zuletzt Barcelona. Deshalb habe man für diesen symbolträchtigen Ort in Köln ein Sicherheitskonzept erarbeitet und umgesetzt. Zudem sorge zurzeit eine hohe Polizeipräsenz für Sicherheit rund um den Dom.

Für eine große europäische Metropole wie Köln bestehe eine hohe abstrakte Gefährdungslage, sagte der Polizeipräsident weiter. Sie könne jederzeit in konkrete Anschläge umschlagen. Deshalb werden laut Stadt und Polizei im Stadtgebiet weitere Sicherheitsmaßnahmen folgen. So tagt in Köln einmal im Quartal eine Sicherheitskonferenz, die sich auch mit diesem Thema beschäftigt.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Ich will ja nicht ausschließen, dass auch Moscheen in Deutschland potentiell gefährdet sind. Auch nicht wegen der innerislamischen Konflikte. Dennoch waren in Deutschland bislang die Moscheen kein sonderliches Ziel. Osama Bin Laden störte es damals, dass sich in islamischen Ländern die Muslime untereinander bekämpfen und nicht den eigentlichen Feind (die Ungläubigen, die Amerikaner, die Juden usw.) Dies gehört zu den Gründen, warum sich die Al-Kaida gebildet hat, die schon lange vor dem elften September Anschläge verübte.
    Auch der islamische Staat ist aus der irakischen Al-Kaida ( al Sarkawi) gewachsen. Obwohl es im Irak viele Anschläge gegen Schiiten gibt, konzentrieren sich die Terroristen im „Reich der Ungläubigen) auf nicht islamische Einrichtungen. Bislang sehe ich keinen Hinweis, dass sich da etwas geändert hat.
    Ich sehe Moscheen eher von rechtsnationalen Externisten gefährdet. Da hat es bislang aber keinen sonderlich gelungenen Anschlag, noch sind mir hier sonderliche Pläne, die vereitelt wurden bekannt.
    Vielleicht wird ja wegen dem Wahlkampf betont, dass auch Moscheen gesondert geschützt werden. Oder es ist, weil es einfach zum guten Ton gehört, davon abzulenken, dass die Hauptterrorgefahr aus dem Islam kommt. Einige sehen ja eine Gefahr darin, wenn man die Wahrheit so direkt ausspricht. …

    • Vor oder in der Ditib-Moschee?
      Gab es Verletzte?
      Gab es Tote?

      P.S. Danke an Swift für die ausführliche Schilderung von Fakten.

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