Was haben Veränderungen in Kirche und Gemeinden mit der kleinen „Raupe Nimmersatt“ gemeinsam? Eine ganze Menge, meint David Brunner. In seinem Blog-Beitrag macht er Mut, mitunter schmerzhafte Wachstumsprozesse nicht zu scheuen. Denn: wie sich aus der Raupe ein schöner Schmetterling entwickeln kann, kann auch die Schönheit und Anziehungskraft von Kirche größer werden, wenn sie sich für Schritte außerhalb ihrer Komfortzone öffnet.

„Veränderung ist in der DNA von Kirche angelegt, seit es Kirche gibt. Wirkliche Kirche, wirkliche Gemeinde Jesu ist immer sich verändernde Gemeinde, sich verändernde Kirche, weil Kirche nicht anders kann und nie anders konnte.“

Weiterlesen im Blog von David Brunner

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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Die Kirche ist keine Schlafwagengesellschaft

    David Brunner`s Text, in dem er die Kirchen(gemeinden) als kleine Raupe Nimmersatt darstellt, irritiert mich. Obwohl ich nur in meiner selbstgewähltem Amt der schreibenden Kunst unter jesus.de schreibe und kein Ehrenamt mehr in meiner Ev. Kirche habe. Aber ich empfinde den Vergleich mit der Raupe Nimmersatt – die unausgesprochen sich ja alles vereinnahmt an Aufgaben und Inhalten – nicht wertschätzend für das himmlische Bodenpersonal ist, vielleicht sogar kränkend. Eine Diskussion über Prioritäten ist immer wichtig. Eine ebenso überwuchernde Bürokratie genauso ist ein legitimes Thema.

    Die sicherlich in den weltweiten Christenheit und in unseren hiesigen Kirchen und Gemeinden vorhandenen Defizite lassen sich nicht (nur) so äußerlich beschreiben, es würden die uralten Choräle gesungen und dann noch (auf einer textlich nicht erwähnten) Orgel gespielt. Es gibt grundsätzlich eine Art von Tradition die notwendig ist, wenn man neben ihr oder in ihr auch viel Neues bringt. Tradition und Fortschritt sind keine Gegensätze: Es ist weder das eine himmlisch, noch das andere katastrophal, oder umgekehrt. Es gibt wunderschöne Kirchenkonzerte, wo große Werke von Bach, Mozart oder von anderen aufgeführt werden. Es sind die vielen kirchlichen Chöre, die sich oft Monate vorbereiten, für Gott und die Gemeinde nur das Bestmögliche zu singen und zu musizieren. Und genauso phantastische Gottesdienste in anderer Form (etwa wie in Taize), und auch mit den erwähnten Lobpreisliedern. Es wird durchaus in Kirchens auch sehr viel modernes Liedgut gesungen. Es existieren Singschulen mit beispielsweise 80 Kindern, die auch Musicals oder anderes aufführen und damit begeistern.

    Berechtigt ist die Kritik an der (frommen) Sprache, aber da müsste dann auch beschrieben werden, was der Autor hierunter genau versteht. Ein alter Pfarrer meiner sehr lange zurückliegenden Jugendzeit sprach noch – wie man das damals nannte – in der Sprache Kanaans, aber er war ein herzensguter Mensch, verfügte über Empathie und hatte die Gabe, dass man seine Predigt noch am Montag ins Gedächtnis holen konnte. In 38 Jahren Kirchenvorsteher haben mich die miserablen, lieblosen, einfallsarmen, langweiligen und vermutlich schlecht vorbereiteten Predigten oftmals entmutigt. Die Liturgien in unseren evangelischen Kirchen können so ausgestaltet werden, dass sie auch in Gottes Ohr Lobpreis sind. Allerdings sollte der normale Gottesdienstbesucher die Tradition der Hochkirchen auch verstehen. Der Sinn der Liturgie ist erläuterungsbedürftig.

    Heutige Probleme: In vielen (evangelischen) Kirchengemeinden, vor allem in Großstädten, gibt es keine oder kaum noch eine Kerngemeinde. Also nur sehr kleine Gottesdienstgemeinden fast nur älterer Menschen, kaum/keine Gemeindegruppen oder andere regelmäßige Wochenangebote. Es gibt müde Gemeindeglieder und lustlose Menschen, die sonntags vor ihrer Gemeinde stehen und in der Länge ihrer Ansprache verbergen, dass sie selbst demotiviert sind. Der sogenannte Traditions-abbruch, der übrigens auch nicht an den Freikirchen, allen Gemeindegruppen und den christlichen Chören und Kantoreien vorbeigeht, tut sein übriges. Wenn sich nichts tut und die Jungen nicht mehr kommen, schafft sich Kirche selbst ab.

    Was ich mir wünsche ist allerdings, dass es weniger Dogmatismus in weltweiten Christenheit gibt und dass die Gemeinden aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen. Dazu muss sich Kirche weltweit ändern, sie muss ökumenischer werden, mehr Kerzen anzünden, Gottesdienste und Glaubensveranstaltungen liebevoller und in mehr teamwork vorbereiten und vor allem die Bereitschaft einbringen, dem immer wirkenden Heiligen Geist keine Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

    Die kleine negative Raupe Nimmersatt wird auch nach ihrem Wandel in einen (nicht vollständig) wunderschönen Falter keine Versammlungen frommer vollkommener Christinnen und Christen hervorbringen. Mir genügt schon, wenn wir alle mehr aus der Vergebung leben, Toleranz üben, geschwisterlicher sind, auch mehr gemeinsam beten und dass wir als Kirche auch dort stattfinden wo die Menschen sind – also nicht nur den heiligen Hallen unserer Gotteshäuser. Wir brauchen mehr an gutem Enthusiasmus unseres Glaubens, sonst betrachten uns die noch nicht zu uns kommen als Schlafwagengesellschaft.

    Es gibt nur eine Kirche Jesu Christi und die besteht und lebt in allen kirchlichen Institutionen und Gruppen. Notwendig ist eine ökumenische weltweite Evangelisation in einer modernen Form, die also auch den Dialog einschließt und eine ebenso notwendig politische Kirche, die aus der zeitlosen Weisheit der Bergpredigt ihre alternativen Vorschläge eines anderen Lebens bringt. Eine unserer größten Defizite als Nachfolger/innen besteht darin, dass wir nicht genügend an der Seite der Armen und Randsiedlern sowie auch den Flüchtlingen stehen – und dass wir auch nicht alle das Abendmahl miteinander feiern dürfen oder wollen. Ausnahmen bestätigen da die Regel und nur darüber geredet zu haben, genügt dabei keinesfalls.

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