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Die Generalsekretärin des evangelischen Kirchentages, Ellen Ueberschär, erwartet von der katholischen Kirche entschlossenes Handeln, um den Wunsch nach einer gemeinsamen Eucharistie vor einem römisch-katholischen Altar zu erfüllen. Die Bereitschaft, wenigstens für die konfessionsverbindenden Familien zu Fortschritten zu kommen, sei da, sagte die evangelische Theologin.

 Ausdrücklich erwähnte sie den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, und den Bischofskonferenz-Vorsitzenden Robert Zollitsch: «Ich hoffe, dass dies bald zu Entscheidungen führt», fügte Ueberschär hinzu. Überfällig sei auch ein evangelisch-katholisches Kirchenwort zur sozialen und wirtschaftlichen Lage.

 In dem vor zehn Jahre veröffentlichen Vatikan-Dokument «Dominus Iesus» empfänden Kirchenführer und Gemeindemitglieder jene Aussage als Affront, wonach evangelische Kirchen keine Kirche «im eigentlichen Sinne» seien. Ueberschär empfahl den Protestanten, einzelne vatikanische Äußerungen nicht überzubewerten. Die katholischen Bischöfe in Deutschland, aber auch einige in Rom, hätten nach der Veröffentlichung der umstrittenen Vatikan-Erklärung deutlich gemacht, dass sie sehr wohl die protestantischen Kirchen als Kirchen wahrnähmen.

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 Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages sagte, Augenhöhe im ökumenischen Gespräch entstehe auch dadurch, dass Protestanten eine Zuschreibung annähmen oder nicht. «Es ist Konsens zu sagen: Evangelische Kirche will gar nicht Kirche im römisch-katholischen Sinne sein», argumentierte Ueberschär. Vielmehr sei sie Kirche nach dem Augsburger Bekenntnis, «also: Versammlung der Heiligen mit guter Wortverkündigung und sorgfältiger Sakramentsverwaltung».

 Für theologische Gräben aus dem 16. Jahrhundert schwindet Ueberschär zufolge das Verständnis, bei jüngeren Menschen stärker als bei Älteren. Zulauf hätten hingegen transkonfessionelle Gemeinschaften wie Taizé oder Sant‘ Egidio. In diesen Bewegungen würden christliche Werte einfach gelebt. Auch in der Öffentlichkeit verschiebe sich die Aufmerksamkeit von interkonfessionellen zu interreligiösen Themen. «Dort wird über die Zukunft der Gesellschaft verhandelt», sagte die Generalsekretärin.

(Quelle: epd)