Giuseppe Gracia: „Das therapeutische Kalifat“

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„Moralisch richtig ist, was viele wünschen. Auf der Strecke bleibt eine Debatte über die Wahrheitsfrage.“ Dieses Zitat ist der Leitfaden über dem kurzen Büchlein von Giuseppe Gracia. Er sieht im Namen des Kampfes gegen Intoleranz, Rassismus und Sexismus in Westeuropa gegenwärtig ein „therapeutisches Kalifat“ entstehen. Staaten versuchen, mit einer sanften Gesellschaftstherapie ihre Bürger zu ihrer Ansicht nach richtigem Denken zu erziehen. Mit moralischer Autorität setzen diese Menschen ihren Willen durch, kräftig unterstützt durch die öffentlichen Medien, Soziologen, Politologen, Historiker und Schriftsteller und lenken mithilfe von Glaubensbekenntnissen manipulierend die gesellschaftliche Meinung in die „gute“, sprich ihre, Richtung.

Diese Gruppe von Menschen hat das Monopol darauf, was richtig (gut) und was falsch (böse) ist und wehe demjenigen, der diese Anordnungen anzweifelt oder sogar eine andere Meinung vertritt. So beleuchtet Giuseppe Gracia die derzeit brisanten Themen Klimawandel, Islam, Mütter-Berufstätigkeit, Glauben, Abtreibung und Migration sehr kontrovers und öffnet damit dem Leser die Augen für gegenwärtige Manipulation und Meinungsmache.

Querdenken und Grundsatzkritik als Devise

Humorvoll und mit einem zwinkernden Auge bringt der Autor die Dinge auf den Punkt und skizziert die gegenwärtige Lage. Er möchte dazu beitragen, dass der Leser die Möglichkeit bekommt, mehrere Seiten kennenzulernen, um sich eine eigene Meinung zu bilden und sich entscheiden zu können. Er möchte weder sich vorschreiben lassen, noch anderen vorschreiben, was er oder sie zu denken haben. Querdenken und Grundsatzkritik sind seine Devise, damit politisch korrekte Meinungen nicht einfach als Selbstverständlichkeiten, die nicht mehr hinterfragt werden müssen, oder zeitgemäße Fortschrittlichkeit präsentiert werden können. Jeder soll auf seinen gesunden Menschenverstand vertrauen und soll sich keinen Maulkorb verpassen lassen.

Abgerundet wird der kurze, oft mit Ironie gespickte Beitrag mit ein paar praktischen Tipps, wie der Bürger es schafft, als moderner, weltoffener Mensch dazustehen. Das anschließende Glossar mit einer politisch korrekten Wörtersammlung führt zum Schmunzeln, aber auch zu der Erkenntnis: Ja, so ist es wirklich.

Zum Schluss kommen noch einige Beispiele mit Aussagen, die jeder Bürger gefahrlos überall verlauten lassen kann und sich damit in jeder Runde als „guter“ Mensch etabliert. Gewarnt wird dagegen vor anderen Aussagen, die unbedingt zu vermeiden sind, da politisch unkorrekt, und mit denen der Sprecher sich ganz schön in die Nesseln setzen kann.

Von Brigitte Keune

Leseprobe (PDF)

Verlag: fontis - Brunnen Basel
ISBN: 978-3-03848-159-1
Seitenzahl: 64
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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