Gleichberechtigung: Bischöfin Junkermann gegen Frauenquote in evangelischer Kirche

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Grafik: Pixabay
Die evangelische Bischöfin Ilse Junkermann hält für ihre Kirche eine Frauenquote im herkömmlichen Sinn für ungeeignet. Die Kirche habe bereits Erfahrungen mit einer Quote gemacht, welche aber nicht nachhaltig gewirkt habe, sagte Junkermann beim evangelischen Kirchentag in Dresden am Donnerstag. Für die Position einer Frau müssten ihre Kompetenzen, nicht ihr Geschlecht eine Rolle spielen: „Von daher wünsche ich mir eine 50-Prozent-Männerquote und eine 50-Prozent-Frauenquote in der evangelischen Kirche.“
Ilse Junkermann (Foto: Mitteldeutsche Kirche / Frank Drechsler)
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Junkermann, derzeit die einzige evangelische Bischöfin in Deutschland, äußerte sich in einer Diskussion mit dem provokanten Titel „Wie viel Frau verträgt das Pfarramt“? Teilnehmer war auch der Münchner Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf, der im Vorfeld durch seine These aufgefallen war, dass viele evangelische Pfarrerinnen «eher der Mutti-Typ statt wirklich intellektuell» seien. Während der Debatte äußerte er sich aber moderat. «Ich finde es nicht sehr klug, die Kompetenz zur Spiritualität an bestimmte Gender-Qualitäten zu binden», sagte er.

Graf beklagte den niedrigen Frauenanteil in der akademischen Theologie. Einerseits könnten sich viele junge Frauen nicht vorstellen, neben der Familie eine akademische Karriere zu starten. Andererseits gebe es auch im System selbst Blockaden. Die Kirchen müssten sich bemühen, sowohl für Frauen als auch für Männer interessante Arbeitsplätze zu bieten, verlangte er: „Wir erleben Brain-Drain-Phänomene. Kirchen sind für viele Menschen mit Theologiestudium leider keine attraktiven Arbeitgeber mehr.“

Die Bochumer Theologieprofessorin Isolde Karle unterstrich, von einer «Feminisierung» des Pfarrberufs könne keine Rede sein. „Der Anteil von Pfarrerinnen an der gesamten Pfarrerschaft liegt bei 33 Prozent und ist von einer Mehrheit damit weit entfernt.“ Laut Umfragen hätten Kirchenmitglieder kein Problem mit Frauen im Pfarramt: „Ganz im Gegenteil, es wird begrüßt, dass Pfarrerinnen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit in der evangelischen Kirche sind.“