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„Schalten Sie bitte Ihr Handy aus“ – diese Mahnung zu Beginn eines Gottesdienstes wird in der evangelischen Kirche in Heimsheim bei Pforzheim nicht mehr zu hören sein. Im Gegenteil: Pfarrer Christian Tsalos ermutigt die Besucher, das Smartphone während der Feier zu benutzen. Denn auf einer Internetseite können sie Ablauf, Gebete, Lieder, Predigttext und bei Bedarf auch zusätzliche Bilder und Links während des Gottesdienstes online verfolgen.

Von Marcus Mockler (epd)

Dazu hat Tsalos die Seite www.gottesdiensthandy.de eingerichtet. Dort soll es schon am Vorabend des Gottesdienstes die Möglichkeit geben, sich über die Inhalte zu informieren und beispielsweise den Bibelabschnitt zu lesen, über den dann am Sonntag gepredigt wird. Sollte man im Gottesdienstentwurf ein Lied entdecken, das man noch nicht kennt, kann man es sich vorher online anhören.

Damit den Besuchern der Kontakt zum weltweiten Netz nicht verloren geht, hat die Gemeinde eigens ein WLAN in der Kirche installiert. Christian Tsalos sieht in dem Angebot die Möglichkeit, ein modernes Kommunikationsmittel für die Kirche zu nutzen. „Für seltene Besucher der Gottesdienste könnte es sogar eine Hilfe sein, sich im Ablauf des Gottesdienstes zurechtzufinden“, sagt er.

Und wenn sich jemand während der Feier auf ganz unchristlichen Seiten im Netz amüsieren sollte, sieht Tsalos das auch nicht als großes Problem. „Die Verantwortung dafür, dass während des Gottesdienstes nicht andere Internetseiten besucht werden, müssen die Besucher selbst tragen.“ Erst wenn es Störungen geben sollte, werde das Angebot möglicherweise wieder eingestellt.

Ohnehin werden sich Heimsheimer Kirchgänger ohne Smartphone auch künftig nicht abgehängt fühlen. Für Besucher, die kein Handy benutzen wollen oder besitzen, sind die wichtigen Inhalte über Beamer auf einer Leinwand zu sehen. Dennoch hält es Pfarrer Tsalos für wichtig, die Feindschaft zwischen Kirche und Smartphone zu beenden: „Bisher behandeln wir das Handy in den Kirchen wie im Flugzeug und bitten darum es auszuschalten. In Heimsheim versuchen wir es nun mit einem anderen Weg.“

Der württembergische Pfarrer hat in den vergangenen Jahren mehrfach Schlagzeilen mit innovativen Ideen gemacht. Vor fünf Jahren entwickelte er den „Bibeltee“, der nur aus in der Heiligen Schrift erwähnten Ingredienzien besteht und mit dessen Vertrieb die Gemeinde ihre Kasse aufbessert. Außerdem eröffnete Tsalos die „erste Multi-Media-Kanzel der Welt“ – ein großer Flachbildschirm auf dem Lesepult der Heimsheimer Kanzel, der außerhalb der Gottesdienste Ermutigungsworte an Kirchenbesucher sendet.

Weitere Innovationen sind seine Internetseite „Kirche für Ausgetretene“, auf der Menschen über kirchliche Angebote für Nichtmitglieder informiert werden, das Angebot einer Seelsorge via Whatsapp sowie das Vorlesen biblischer Andachten durch Amazon-Assistentin „Alexa“.

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Seid radikal – und stellt Euch noch dämlicher, als ihr ohnehin schon seid.

    Die Kirchennachrichten bersten von Lobbyismus, Verleumdung und Verrat. Dafür braucht man sie nur eine Zeit zu verfolgen. Das ist völlig unmöglich, etwas Gutes dazu zu sagen. Der Verrat der Bischöfe und Pastoren an Gemeinden und Land hat dabei eine Selbstverständlichkeit angenommen, daß man von einer Gewohnheit über Jahrzehnte, wenn nicht gleich Jahrhunderte ausgehen kann. Die haben sich mit den Übeln der Welt arrangiert und im Verrat häuslich eingerichtet. Die Anwanzerei an die Politik und hier an die Multimilliardenindustrie spricht Bände.
    Und kaum eine Stimme erhebt sich, die ihr Veto einlegt. Da fehlt eine Konsequenz. Dabei ist es keine Schande, von seinen Feinden zu lernen. Die Linke zeigt, wie man mit Hartnäckigkeit und selbst allerblödesten Behauptungen seinen Willen durchsetzen kann.
    Aber wahrscheinlich ist das Immunsystem der Deutschen so geschwächt, daß die nächste Grippewelle sie wegraffen wird.

    Das deutsche Christentum ist so leer und baufällig, daß es schon eingestürzt sein sollte. Denn im Zentrum des Verrats vegetiert eine hermetische Infantilität, die ihresgleichen sucht, aber überhaupt nicht niedlich ist. Die Kehrseite ihrer Unterwürfigkeit ist die Giftnatter, die ihr Haupt erhebt, wenn ihre Unterwürfigkeit in Frage gestellt wird wie beispielsweise von dem Pastor Olaf Latzel.

    Die Kirchen gehören zum Herz der Finsternis und wahrscheinlich ist es doch das Beste, den Ort von Krankheit und Tod zu verlassen, bevor das Unheil herein bricht.

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