Gütersloh: Kirchen haben gegensätzliche Ansichten zu Gottesdienstverzicht

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Eine offene Kirchtür, daneben ein Fahrrad.
Symbolbild: RelaxFoto.de / iStock / via Getty Images
Während die evangelische Kirche nach den erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens in den Kreisen Gütersloh und Warendorf von öffentlichen Gottesdiensten abrät, sieht die katholische Kirche noch keinen Grund zum freiwilligen Verzicht.
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Nach dem erneuten Lockdown in den nordrhein-westfälischen Kreisen Gütersloh und Warendorf sind evangelische Kirchengemeinden in der Region aufgerufen, freiwillig auf öffentliche Gottesdienste und Feiern bis Ende des Monats zu verzichten. „Angesichts der ungewissen Gesamtsituation spreche ich schweren Herzens die Empfehlung an die Presbyterien auf dem Gebiet der Kreise Gütersloh und Warendorf aus, ihre Gottesdienste am Sonntag abzusagen“, erklärte der Gütersloher Superintendent Frank Schneider am Mittwoch. Auch geplante Gottesdienste zum Ende des Kindergartenjahres und zum Schulabschluss sollten seiner Ansicht nach nicht stattfinden.

Schneider rief die Gemeinden zugleich dazu auf, die Kirchen vor Ort für Besucher geöffnet zu halten. „Es sollte jemand vor Ort sein, bereit sein für Gespräch und Beistand. Ein geistliches Wort, ein Segen in ungewisser Zeit“, betonte er.

Erzbistum schlägt anderen Kurs ein

Das Erzbistum Paderborn rät seinen katholischen Pfarreien im Dekanat Rietberg-Wiedenbrück dagegen nicht grundsätzlich von Gottesdiensten ab. Laut Verordnung des Kreises Gütersloh könnten öffentliche Gottesdienste weiter stattfinden, heißt es in einer Handlungsempfehlung des Erzbistums.

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Mehrere Kirchengemeinden in der Region haben laut Kirchenkreis Gütersloh bereits ihre Gottesdienste abgesagt, darunter die evangelische Versöhnungs-Kirchengemeinde in Rheda-Wiedenbrück. „Den Lockdown für den Kreis haben wir erwartet und doch fällt es uns diesmal schwer, den gemeinschaftlichen Gottesdienst abzusagen“, sagte der Vorsitzende des Presbyteriums Martin Wachter. Die Pfarrerinnen und Pfarrer stünden auf Wunsch für das persönliche Gespräch und Gebet zur Verfügung. Im Internet seien verschiedene Online-Gottesdienste der Gemeinde und der Podcast „Glaube aufs Ohr“ abrufbar. Zudem sei für ältere Mitglieder eine Telefonandacht geplant.

Sorge gilt den Tönnies-Beschäftigten

Die Sorge gelte neben den Mitgliedern der Versöhnungsgemeinde auch den größtenteils osteuropäischen Beschäftigten der Großfleischerei Tönnies, hieß es. Nach dem massiven Corona-Ausbruch in dem Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück müssten sie fern der Heimat nun in Quarantäne die Rechnung für ein ungerechtes Arbeitssystem bezahlen. Die westfälische Präses Annette Kurschus hatte bereits vor einer Woche vor Ressentiments der Bevölkerung gegenüber ausländischen Werksarbeitern gewarnt.

„Es ist auch seitens der Staatskanzlei juristisch und politisch gewollt, Gottesdienste nicht zu verbieten“, unterstrich der Generalvikar des benachbarten Bistums Münster, Klaus Winterkamp. Er appellierte an die Gemeindemitglieder, sich an die Hygiene- und Abstandsvorschriften zu halten. Das Bistum akzeptiere aber Entscheidungen von verantwortlichen Gremien der Pfarreien, freiwillig auf die Feier von Gottesdiensten zu verzichten, heißt es in einem Schreiben an die Gemeinden.

Lokaler Lockdown

Um den Corona-Ausbruch in einem Schlachtbetrieb der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück einzudämmen, ist das öffentliche Leben in den Kreisen Gütersloh und Warendorf seit Mittwoch wieder eingeschränkt.

Die Bürgerinnen und Bürger dürfen in der Öffentlichkeit nur zu zweit oder mit Menschen des eigenen Hausstands unterwegs sein. Sport und Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen sind ebenso untersagt wie Konzerte und Aufführungen. Restaurants und Geschäfte haben aber geöffnet.

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