Guido Horst: „Kirche neu erzählt“

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„Bücher, die die Welt katholisch sehen“ – so beschreibt sich der Verlag FE. Es geht also in diesem Buch um die römisch-katholische Kirche. Zu Beginn des Buches wird „Erneuerung“ definiert „als die Bereitschaft, sich nicht in die eigene Tasche zu lügen, sondern der Realität ins Auge zu sehen, sie mit allen rationalen Mitteln zu analysieren, um sie dann im Lichte der Offenbarung zu beurteilen!“ Daraufhin war ich gespannt.

Ich hatte „im Lichte der Offenbarung“ evangelisch im Sinne von „sola scriptura“ – allein die Heilige Schrift, verstanden, wurde aber im Laufe des Buches mit weiteren Offenbarungen konfrontiert, zum Beispiel mit Maria Himmelfahrt als Dogma. Man erfährt vieles über die Lehre und Dogmen und warum sie gelten, auch dann, so wird beschrieben, wenn einiges nicht in der Bibel, im Wort Gottes zu finden ist. Für mein Empfinden werden die richtigen Fragen gestellt, aber im Jubiläumsjahr der Reformation wird Martin Luther nur zitiert, wenn es hineinpasst, ohne Luthers eigentliches Anliegen mit zu bedenken oder katholische Positionen neu zu denken. Schwierige Kost für evangelische Ohren.

Wie gesagt, eine gute Zusammenfassung, was die Katholische Kirche lehrt und glaubt. An einem Beispiel zum Thema „Beichte“ will ich die Problematik, die sich für mich ergibt, aufzeigen: Der Verfasser geht davon aus, dass es die Beichte im evangelischen Raum nicht gibt und schreibt, ich zitiere: „Sicherlich erhalten Protestanten auch ohne Beichte die Vergebung der Sünden, irgendwann, man weiß nicht wie, vielleicht auch nicht, wahrscheinlich aber doch, früher oder später, hoffentlich, zumindest nach menschlichem Ermessen“. Wer dieses Buch liest, kann den Eindruck gewinnen, dass der römisch-katholische Christ durch die Lehren und Handlungen der Kirche zusätzlich abgesichert ist.

Im Buch selbst wird die evangelische Wahrheit betont, dass der Glaube an Jesus Christus genügt. Warum dann Zusätzliches nötig ist, erschließt sich mir nicht.

Von Wilfried Dölker

Verlag: fe-Verlag
ISBN: 9783863571894
Seitenzahl: 278
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Auweia, und das im Jahr der evangelisch-katholischen Reformationsfeiern. Beim Zitat zur Beichte weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
    Die „Schwierige Kost für evangelische Ohren“ ergibt sich m.E. schon aus dem Buchtitel. Richtig, das Christentum ist keine Religion. Sondern eine Geschichte? Nein, es ist eine Beziehung.

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