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Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister setzt ein Zeichen für die Aufnahme von Flüchtlingen. Er hat einen Teil seiner Wohnung abgetreten. In die dadurch entstandene Zwei-Zimmer-Wohnung werden in wenigen Wochen Flüchtlinge einziehen.

Zuständig für die Belegung der Unterkunft ist die Stadt Hannover, die die Wohnung mietet. Wann die ersten Flüchtlinge einziehen, steht noch nicht fest, teilte der Pressesprecher der Landeskirche, Johannes Neukirch, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage mit. Meister informierte die Landessynode über den Einzug in seinem Bericht vor dem Kirchenparlament am 8. Mai in Hannover. Der Landesbischof ist "stolz" auf das Engagement für Flüchtlinge in seiner Kirche: "Wir helfen in der Beratung, der Begleitung, der ehrenamtlichen Beschäftigung, der Bildung, der Wohnungssuche." Die kirchlichen Mitarbeiter seien "Vernetzer". So bestünden gute Kontakte zu den Kommunen und den Landesbehörden.

Langfristig in den Herkunftsländern helfen

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Meister machte ferner laut Manuskript darauf aufmerksam, dass sich zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg weltweit mehr als 50 Millionen Menschen auf der Flucht befinden. 86 Prozent lebten in Entwicklungsländern, und etwa die Hälfte aller Flüchtlinge seien Kinder. Die Fluchtgründe seien vielfältig: Neben der Bedrohung an Leib und Leben spielten auch die mangelnde medizinische und Bildungsversorgung sowie Hungerkatastrophen eine entscheidende Rolle. Darin zeige sich ein unvorstellbares Maß an Not und menschlicher Tragödie. Die Kirche bleibe auf zwei Ebenen glaubwürdig. Meister: "Die deklamatorische Kritik an der jetzigen Flüchtlingspolitik zu wiederholen, ist das eine, aber überzeugender ist für mich, wenn es verstärkte Initiativen in der Ökumene gibt, in den betroffenen Ländern zu investieren, aus denen Menschen fliehen."

Negatives Bild vom Islam

Der Landesbischof ging in seinem Bericht auch auf das Verhältnis zum Islam ein. Er beschrieb das negative Bild vieler Deutscher von dieser Religion. Meinungsumfragen zufolge denken rund 70 Prozent der Deutschen beim Islam an Fanatismus. Eine deutliche Mehrheit bringe ihn ferner mit Benachteiligung von Frauen und Gewaltbereitschaft in Verbindung. Auslöser sei der islamistische Terror in vielen Teilen der Welt, so Meister. Dadurch würden die friedliebenden Muslime in Deutschland in eine Art "sozialer Gefangenschaft" getrieben. Wenn er selbst den Begriff "islamische Glaubensgeschwister" benutze, um Wertschätzung für eine andere Religionsgemeinschaft zum Ausdruck zu bringen, erhalte er 50 Hassmails, teilte der Landesbischof mit.

Missionarischen Impuls nicht verschweigen

Er sprach sich dafür aus, den christlich-islamischen Dialog lebendig zu erhalten. Dieser sei inzwischen ein "Querschnittsthema" in der kirchlichen Arbeit, etwa in Bildung, Religionsunterricht, Amtshandlungen, Diakonie, Seelsorge, Kindergärten und Pflegeheimen. Doch müssten noch theologische Fragen geklärt werden. Der Islam sei eine Weltreligion, die Respekt verdiene und mit der das Gespräch geführt werden müsse. Dieses Verhältnis in einer Religionstheologie zu beschreiben, bleibe eine Aufgabe, "da der eigene missionarische Impuls gegenüber dem Islam ja nicht verschwiegen werden kann".

Multireligiöse Einschulungsfeiern

Meister warnte davor, den Dialog mit dem Islam vorschnell in einen Trialog mit dem Judentum münden zu lassen. Die Verbindung zwischen Judentum und Christentum sei eine vollständig andere als die zwischen dem Christentum und dem Islam. Eine konkrete Folge der theologischen Klärung seien multireligiöse Feiern. Sie seien in manchen Situationen geradezu erforderlich, wenn das religionsübergreifende "Wir" eines Gemeinwesens betont werden solle. Dazu zählten etwa Trauerfeiern nach einem Amoklauf Einschulungsfeiern. Wo der Anteil muslimischer Schüler einen bestimmten Prozentsatz übersteige, sei es sinnvoll, diese nicht wie bisher als christliche Gottesdienste zu feiern, an denen Muslime teilnehmen können, sondern sie gemeinsam mit Muslimen als multireligiöse Feiern zu konzipieren.

(Quelle: Idea.de)