Heiner Geißler (Fotp: Heike Huslage-Koch - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52699705)

In einem seiner letzten publizistischen Beiträge hat der frühere CDU-Politiker Heiner Geißler den Kirchen verpasste Chancen vorgeworfen. In einem Beitrag für ein Buch zum Reformationsjubiläum, das am nächsten Montag erscheint, beklagt Geißler, beide Kirchen hätten in ihren ökumenischen Bemühungen auf eine „Revolution“ verzichtet. Zudem beklagte er eine Fokussierung auf das Alte Testament, wodurch die Geschichte und Lehren Jesu in der Hintergrund geraten seien.

„Ich habe Jesus auf dem Kirchentag und im Jubiläumsjahr vermisst“, heißt es im Beitrag des am 12. September gestorbenen früheren CDU-Generalsekretärs. Das Buch „Reformation 2017 – eine Bilanz“ enthält Artikel verschiedener Autoren, die sich mit den Feierlichkeiten auseinandersetzen.

Geißler schreibt darin, der Name Jesus habe im 500. Jahr nach dem überlieferten Thesenanschlag Martin Luthers (1483-1546), der die Reformation auslöste und die Kirche spaltete, keine Rolle gespielt. Auch im Kirchentagsprogramm hätte man bis auf zwei Ausnahmen den Namen Jesus vergeblich gesucht.

Logo des Kirchentags 2017 in Berlin

Stattdessen kritisierte Geißler die Plakate mit dem Motto des Kirchentags „Du siehst mich“, die im Mai anlässlich der Großveranstaltung in Berlin und Wittenberg bundesweit zu sehen waren. Sie zeigten zwei große Comic-Augen auf orange-farbenen Hintergrund. Geißler vermutet darin ein „alttestamentarisches Gottesbild“: „Gott als überdimensioniertes, allmächtiges und allwissendes Wesen, das seine Geschöpfe bis in den letzten Winkel des Lebens überwacht?“

Christen seien die „größten Global Player der Welt“

Geißler, der selbst Priester werden wollte, beschäftigte sich vor allem in seinen letzten Lebensjahren verstärkt mit theologischen Themen und drängte die Kirchen, zusammenzurücken, um gemeinsam mehr für ein gerechtes Zusammenleben zu bewirken. In seinem Beitrag argumentierte er, zwei Milliarden Menschen würden sich zu Jesus bekennen. Die Christen seien die „größten Global Player der Welt“. Die Führer der Kirchen könnten die treibende Kraft für eine neue gerechte Welt sein. Das sei auch im Sinne Luthers, dessen Denken und Handeln „damals wie heute“ die herrschenden Maßstäbe auf den Kopf stellen würde. Auf diese Revolution hätten die Kirchen aber verzichtet.

Die evangelische Kirche hat anlässlich des 500. Reformationsjubiläums in einer Reihe von Veranstaltungen in diesem Jahr an ihre Ursprünge erinnert. Am Reformationstag (31. Oktober) endet das Jubiläumsjahr mit mehreren Festgottesdiensten und einem Festakt in Wittenberg.

6 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Der Jesus, Gottes Sohn, der von einer Jungfrau geboren und für die Schuld aller Menschen (Juden und Heiden gestorben und auferstanden ist – der ist ja auch nicht mehr relevant für die EKD in Deutschland!
    Die Kirchen feiern ökumenisch des Abfall vom Wort Gottes, der Liebe zu Jesus und der Deutsche Staat unterstreicht dieses Ende – mit einem Feiertag.

    • Er scheint auf bei einigen lautstarken Christen nicht mehr relevant zu sein – wenn ich das Votum meines Namensvetters recht verstehe. Ich bin sicher: Dieses Urteil trifft nicht auif die gesamte EKD zu. Si´cher gibt es Christengruppen -kleine und größere- und einzelne Christen, die eine falsche Verallgemeinerung mit Wahrheit verwechseln. Deshalb sind aber nicht deren (Frei)Kirchenorganisationen automattisch an einer Unrelevanz beteiligt.
      Es gilt immer noch innerhalb der EKD-Kirchen: „Das Wort sie sollen lassen stahn …“ eionschliesslich dem Bemühen, kein falsches Zeugnis zu sprechen.
      MenschMartin

  2. Jesus fehlte auf dem Kirchentag? Wie heißt es doch? Wo das Herz von voll ist, da läuft der Mund von über.
    Anscheinend sind es nicht die Frohe Botschaft oder der Heilige Geist die die Herzen füllen.

  3. Die Chance er Kirchen
    In dieser wertlosen Zeit, wo es immer mehr um Ausbeutung, um finanziellen Gewinn geht, wo Grenzen verschwinden, Kulturen sich durch Kriege und Flucht vermischen, in dieser Situation liegt eine unglaubliche Chance der Kirchen.
    Sie haben eine weltweite Struktur und können damit eine „Leitkultur für alle Völker“ verkünden: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! übersetzt: Jeder Mensch hat ein Recht respektiert zu werden, jeder Mensch, ich auch.
    Unabhängig von Kultur, Religion und Erziehung muss dies ein Grundkonsens zwischen allen Menschen werden. Hier ist Ökumene möglich mit vielerlei Partnern. Haben unsere Kirche den Mut, dafür die Stimme zu erheben und die Führung in dieser Diskussion zu übernehmen?

    • Die Worte Jesu: Wird aber der Menschensohn noch den Glauben finden,wenn er wiederkommt, bestätigt diese Worte und Wahrheit,dass je mehr es dem Ende zugeht,nur noch wenig Glaubende auf der Welt gibt und es nur nuch wenig Liebende geben wird.Es wird eine kleine Herde übrigbleiben in einer Welt die zunehmend von Sittenolsigkeit und Hass gekennzeichnet sein wird.Oekeume hilf auch nicht weiter weil sie nichts bringt und versagen wird.Auch die Moderne wird versagen.Mit dem kommen des Antichrist wird dies alles den Höhepunkt des Abfalls vom Glauben bringen. Denn viele sind berufen aber nur wenige auserwählt.Die überwiegende Mehrheit der Menschen dem Bösen verfallen.Rom wird den Glauben verlieren und der Sitz des Antichristen werden.Das gegenärtige Pontifikat mit Bergoglio alias Papst F.ist der Wegbereiter dazu.

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