Jeder sehnt sich irgendwann mal nach Ruhe und Stille. Im „Lexikon der stillen Orte“ gibt es 14 Ideen und Anregungen für kurze und längere Auszeiten.

Autobahnkirche, die

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Autobahnkirchen laden Reisende ein, innezuhalten. Sie haben direkte Anbindung an Raststätten oder Autobahnabfahrten und sind an der Autobahn ausgeschildert. In Deutschland gibt es 47 Autobahnkirchen, die in der Regel von 8 bis 20 Uhr geöffnet sind. In manchen Autobahnkirchen finden gelegentlich Gottesdienste statt. In Österreich gibt es zwei Autobahnkirchen (Ansfelden an der A1 und Dolina an der A9); in der Schweiz ist eine Kirche an der A13 geplant. 
www.autobahnkirchen.de 

Bibliothek, die

Bibliotheken gibt es nahezu überall, selbst in kleineren Ortschaften. Was überall gilt: Es sind Orte, um zu lesen und zu studieren. Eine Bibliothek zu nutzen, ist meist kostenlos. Viele (größere) Bibliotheken bieten außerdem Gruppenarbeitsplätze oder Ruheräume, die separat gebucht werden können.

Dachboden, der

Da Dachböden meist nur als Ablageort verwendet werden, kommt hier wohl nicht so schnell jemand vorbei. Mit einem Sessel und einer schicken Lampe oder einigen Kissen und Decken kann es sogar richtig gemütlich werden. Wenn zur eigenen Wohnung kein Dachboden gehört, lohnt sich möglicherweise ein Blick ins Pfarr- oder Gemeindehaus.

Friedhof, der

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Jeder Friedhof hat eine eigene Ordnung, in der festgehalten ist, was dort erlaubt ist und was nicht. Beispielsweise sind Hunde und Fahrräder meist nicht erlaubt. Manche Friedhöfe sind parkähnlich gestaltet und laden zum Spazierengehen und Ausruhen ein. Doch auch dann gilt: In erster Linie ist ein Friedhof die Ruhestätte Verstorbener.

Gemäldegalerie, die

Kunstmuseen haben oft große Räume mit hohen Decken, in denen sich die Besuchenden gut verteilen. Warum nicht einmal einen Tag zwischen Alten Meistern verbringen und sich im Betrachten von Gemälden verlieren?

Kammer, die

auch: Rumpelkammer, Abstellkammer, 
Vorratskammer

Kammern sind klein, aber vielleicht doch groß genug, um sich auf einen Hocker zu setzen und eine kurze Gebetspause einzulegen.

Keller, der

Wem der Dachboden im Sommer zu warm ist, der setzt sich für die persönliche Bibellesezeit besser in den Keller. Wer die Bibel dort dauerhaft auch aufbewahren möchte, sollte darauf achten, dass es nicht zu feucht ist …

Kloster, das

Für eine längere Auszeit lohnt sich ein Aufenthalt im Kloster. Die meisten Orden und Kommunitäten laden zum Mitleben und Mitbeten ein: in Stille, für ein Seminar, für längere Zeit, zum Mitarbeiten oder zur persönlichen Einkehr. Eine umfangreiche Suche gibt es unter: www.stillefinden.org 

Natur, die

Allein in der Natur ist es nicht absolut still – aber doch ruhig. Lediglich zwitschernde Vögel im Wald, das Meeresrauschen am Strand, ein plätschernder Wasserfall oder ähnliches begleiten die Auszeit.

Park, der

Jede Stadt hat stille Orte. Ein Park ist dabei nicht zwangsläufig ein Stück Wald – auch Denkmäler, Botanische Gärten, Tropenhäuser oder Themengärten können Orte zum Durchatmen sein. Ideen gibt’s zum Beispiel unter: www.stillefinden.com

Raum der Stille, der

Andachtsräume gibt es in viel mehr Institutionen, als man so denkt: Flughäfen, Schulen, Bahnhöfe, Einkaufszentren, Hotels. Einfach mal auf den entsprechenden Webseiten recherchieren oder die jeweiligen Ansprechpartner fragen. Manchmal sind auch Seelsorger und Seelsorgerinnen in den Räumen vor Ort.

Ruine, die

Zerfallene Gebäude gibt es in jeder Gegend: Burgen, Klöster, Villen, Kirchen. Manche werden als Museen gut genutzt – andere stehen kaum beachtet im Wald. Es gilt, die kaum beachteten zu finden und zum Spaziergangsziel zu machen.

Toilette, die

Sie ist auch bekannt als das „Stille Örtchen“, wo sich mancherorts Zeitschriften und Bücher auf der Fensterbank oder einem Regal stapeln. Warum nicht auch eine Bibel, ein Andachts- oder Gebetsbuch?

Turm, der

auch: Kirchturm, Aussichtsturm, Leuchtturm

Touristisch gut bekannte (Aussichts-)Türme sind wohl eher nicht ruhig. Doch was ist eigentlich mit dem Kirchturm der eigenen Gemeinde oder einem einsamen Turm im Wald? Bonus: Wer sich hier eine Auszeit gönnt, genießt auch gleich eine gute Aussicht.


Diesen Beitrag schrieb Anna-Maria Gerlach zunächst für das Magazin 3E (Ausgabe 4/2020). Das Ideenmagazin für die Kirche erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört. 

 

 

2 DIREKT-KOMMENTARE

    • Lieber Christoph Böhlau,

      der Hinweis ist sehr richtig. Allerdings gibt es keine wirklich durchgängige evangelisch-landeskirchliche Tradition, unsere Kirchen für diesen Zweck an Nichtsonntagen aufzusuchen. Sie sind daher zumeist an Werktagen geschlossen. Vielleicht liege ich mit meinen Gefühlen da falsch, aber ich vermeine zu spüren, dass unsere Gotteshäuser oft keine Räume der Stille herstellen – oder keine sind. Offene evangelische Kirche sind daher auch rühmliche Ausnahmen. Als langjährig gewesener Kirchenvorsteher weiß ich aber leider auch, dass eine gewollte und versuchte Änderung keinen messbaren Erfolg hatte. Die Menschen, ich durchaus eingeschlossen, sind Gewohnheitstiere. Eine Werktags-Frühandacht, also ein kleiner Gottesdienst, würde sich wahrscheinlich meist keine messbaren Teilnehmer/innen auf den Weg schicken. Vor seinem Arbeitsalltag einmal geistlich Luft zu holen, zu schweigen und zu beten, verlegen die Leute lieber in ihr stilles Kämmerlein. Wenn man allerdings solche stille Zeit nur noch alleine macht, geht ein Stück Kirchlichkeit verloren. Das gemeinsame Gebet besitzt leider keine Nachfrage. Über die Form, wie man so etwas gestalten würde, lässt ja diskutieren. Es gibt ja bereits Gebetshäuser, aber ich würde mir dies für die Christin und den Christen, jung, mittelalt und betagt wünschen, gewissermaßen für die Otto-Normal-Verbraucher der Kerngemeinde. Pessimisten würden vielleicht sagen, wer sonntags nicht kommt, geht auch am Werktag in keine Kirche und der will da auch nicht solo beten. Manchmal wünsche ich mir, ich würde mit meiner Prognose falsch liegen.

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