Wenn Sonja Sorbara in der Bibel von Gottes Freunden liest, löst das in ihr die Sehnsucht aus, auch eine „Freundin Gottes“ zu werden. Doch der Alltag ist oft „laut“ und wenig Zeit für Stille. Wie kann es da gelingen, eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott aufzubauen?
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Gott hat Freunde! Selbstverständlich liebt er alle Menschen, aber wir lesen in der Bibel dennoch von ein paar Menschen, dass sie ihm besonders nahestanden. Gottes BFF – Best Friends Forever! Abraham wird „Freund Gottes“ genannt; David ein Mann „nach dem Herzen Gottes“. Und Mose war so eng mit Gott befreundet, dass Gott Mirjam und Aaron zurechtwies, weil sie Mose Vorwürfe gemacht hatten wegen seiner Heirat mit einer Äthiopierin: „Wenn ich einem Propheten unter euch etwas mitteilen will, erscheine ich ihm in einer Vision oder spreche im Traum zu ihm. Mit Mose aber rede ich anders. Denn er ist mein treuer Diener, ihm habe ich mein Volk anvertraut. Ich rede mit ihm von Angesicht zu Angesicht, nicht in geheimnisvollen Bildern, sondern in klaren Worten. Er darf mich sogar sehen. Wie könnt ihr es da wagen, ihn anzugreifen?“ (4. Mose 12,6-8).

Gott begegnen

Wenn ich so etwas lese, löst das in mir die tiefe Sehnsucht danach aus, eine Freundin Gottes zu sein. Eine Frau nach Gottes Herzen! Ich möchte Gott nahe sein und für Gott jemand, der er sein Herz anvertrauen kann. Wie komme ich in eine solche Intimität mit Gott?

Ich habe schon immer „Stille Zeit“ gemacht: die Bibel gelesen, gebetet, Lieder gesungen. Manchmal regelmäßig, manchmal nicht. Einmal in dieser Form, dann wieder in einer anderen. Und immer war es eine wertvolle Zeit, eine Art Tankstelle, ein Ort der Geborgenheit und eine Zeit, in der ich Gott immer wieder begegnete. Immer wieder habe ich aber auch festgestellt, dass es bei der „Stillen Zeit“ blieb. Der Rest des Tages, die „Laute Zeit“, lief kurioserweise meist ohne Jesus ab. Ab und zu erinnerte ich mich an ihn oder an einen Bibelvers, den ich am Morgen gelesen hatte, und natürlich betete ich auch, wenn ich ein Anliegen hatte. Zum Beispiel, wenn ich dringend einen Parkplatz brauchte.

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Eine Zeit lang war ich regelmäßige Besucherin von christlichen Konferenzen. Ich erlebte Gott da auf eine unbekannte Weise. In mir wuchs jedoch der Wunsch, Gott in meinem Alltag genauso stark zu erleben. Ich träumte davon, keinen Unterschied zu spüren, ob ich jetzt auf einer Konferenz war oder in der Verborgenheit mit Gott oder ob ich das Haus putzte.

Zwischen Kartoffeln und Gebet

Als ich das Büchlein „Allzeit in Gottes Gegenwart“ von Bruder Lorenz, aufgeschrieben von Gerhard Tersteegen, las, hat mich etwas berührt. Bruder Lorenz war ein einfacher Mönch, der zum Küchendienst eingeteilt war; eine Arbeit, die er nicht sonderlich mochte. Sein Leitsatz war: „Es gibt keinen Unterschied zwischen der Zeit des Gebets und der übrigen Zeit.“ Ob er Kartoffeln schälte oder putzte, Loblieder sang oder betete: Alles war für ihn Gottesdienst. Über seinen Küchendienst sagte er: „Ich habe bei allen meinen Arbeiten nur dies Ziel verfolgt, alles aus Liebe zu Gott zu tun.“ Für Bruder Lorenz gab es keinen Unterschied zwischen „geistlich“ und „weltlich“, Himmel und Erde, oben und unten, Stiller Zeit und dem Rest des Tages. Gott ist überall, in allem, und wir können jederzeit in seiner Gegenwart sein. Das beschränkt sich nicht auf Lobpreis, Konferenzen oder Gebetszeiten. Dort fängt vieles an! Aber wenn es nicht darüber hinausgeht, bleibt das Gehörte und Erlebte in diesem kleinen Rahmen.

Wo erlebe ich Gott nicht?

Der Gedanke, dass alles, mein ganzes Leben, Gottesdienst ist, hat vieles verändert. Wenn Gott sich für alles interessiert, was mich betrifft, dann muss ich zuerst mal überlegen, wo ich Gott einbeziehe und wo nicht? Wo erlebe ich Gott nicht? Welche Dinge halte ich für privat?

Ist er mit mir an meiner Arbeitsstelle und hilft er mir, geschäftliche Entscheidungen zu treffen? Frage ich am Anfang der Woche, wenn ich plane, nach den Prioritäten? Frage ich LebenGott, wohin ich Geld geben soll? Wohin nicht? Halte ich Gott überhaupt für interessiert daran, wie ich mein Geld ausgebe? Bin ich da, wo ich wohne, im Plan Gottes oder war die Wohnungssuche losgelöst von meinem Glauben? Lebe ich in dem, was ich als meine Berufung erkenne, und nutze ich meine Gaben? Wie verbringe ich meine Freizeit, und in welche Freundschaften investiere ich?

Ups. Ich stehe nicht wöchentlich im Supermarkt und frage Gott, welchen Salat ich kaufen soll. Gott hat uns aus guten Gründen einen funktionierenden Verstand gegeben, und den sollen wir auch nutzen. Auch viele unserer Herzenswünsche tragen Gottes Gedanken für uns in sich, ohne dass wir sie tagelang abwägen müssen. Die Grundfrage ist, ob Gott in den kleinen und großen Dingen unseres Lebens gegenwärtig ist – und ob wir ihm da vertrauen. Das sehen wir daran, welche Entscheidungen wir treffen. Nicht dass ich immer nachfrage – aber wenn ich es tue, erlebe ich Gott oft auf eine abenteuerliche Weise!

Vertrauensvoll beten

Als wir nach Zürich zogen, wurde uns von allen Seiten von den Schulen in unserer Gegend abgeraten. „Keine Chance“ gab eine befreundete Lehrerin unseren Kindern für ihre schulische Karriere, sollten sie hier zur Schule gehen. Weil wir wussten, dass Gott uns genau hier haben wollte, konnte ich (nicht sofort, aber allmählich) die Verantwortung für die Schulbildung unserer Kinder „nach oben“ abgeben: Er will uns hier, also sorgt er auch für uns, denn das ist das, was er verheißt (1. Petrus 5,7). Ich habe nicht aufgehört, für sie und für die Lehrpersonen zu beten, aber ich tue es nicht angst-, sondern vertrauensvoll. „Anstatt mir Sorgen in einer bestimmten Situation zu machen, will ich öfters mal zu Gott sagen: ‚Ich bin gespannt, was du daraus machen wirst!‘“, schreibt Christina Schöffler auf einer ihrer wundervollen Postkarten. Das soll meine Herzenshaltung sein: „Ich bin so neugierig, wie du das lösen wirst, Jesus!“

Bei einer jetzigen Herzensfreundin hatte ich den Gedanken, als ich sie zum ersten Mal sah: „Sie ist etwas Besonderes, und ihr Weg wird mit meinem verknüpft sein.“ Sie hatte einen ähnlichen Eindruck, als sie mich sah. Nun, keine andere Freundschaft ist durch so viele Hindernisse und Kämpfe gegangen wie diese. Aber weil wir beide einfach „wissen“, dass wir zusammengehören, haben wir uns nie fallengelassen. Sie ist ein riesiger Segen, der das Leben unserer ganzen Familie berührt.

Zuerst Gott suchen

Wenn ich das Leben der drei oben erwähnten Männer Gottes anschaue, stelle ich bei allen fest, dass sie immer wieder ihr ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt und sich gleichsam auf ihn geworfen hatten. Abraham verließ alles, was ihm vertraut war, seine Familie und sein Vaterland, um einer Anordnung von Gott zu gehorchen: „Geh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde!“ (1. Mose 12,1). Mit anderen Worten: Er hatte keine Ahnung, wohin Gott ihn führen würde. Er machte sich „einfach“ auf den Weg ins Unbekannte. Von David lesen wir auffallend häufig, dass er selbst in den gefährlichsten und schwierigsten Situationen zuallererst Gott suchte. Er stürzte sich nicht in den Kampf, ohne vorher mit Gott geredet zu haben. Und von Mose heißt es, dass er „demütiger als alle Menschen“ war. Er vertraute nicht auf seine eigene Kraft, sondern voll und ganz auf Gott.

Ich kämpfe keine Kriege und führe kein Volk in ein verheißenes Land. Aber ich ringe manchmal mit Neid, mit Sorgen und Missverständnissen, und ich trage Verantwortung für mich selbst, für unsere Familie und für meine beruflichen Entscheidungen. In all diesen Dingen davon auszugehen, dass dieses Große und Kleine zu seinem Herzensplan für mein Leben gehört und dass er mittendrin ist, bringt abenteuerliche Veränderung in mein Leben: „Was willst du, dass ich tue, Jesus?“ – Je mehr ich mich aufs Wasser wage, weil ich ihm in den kleinen und großen Dingen vertraue, desto mehr brauche und erlebe ich ihn. Das ist das laute, herausfordernde, manchmal einschüchternde, große und wilde Leben, in dem er mitten drin ist und in dem ich seine Liebe und Fürsorge erlebe, gerade weil ich sie so sehr brauche. Kühnes Vertrauen wirft mich auf Gott, und ich erlebe, dass er mich hält, selbst wenn sich nicht alles nach Wunsch entwickelt.

„Gott nahe zu sein, ist mein Glück“, sagt David in Psalm 73,28. Immer mehr erahne ich, dass weniger wichtig ist, in welchen Umständen ich mich befinde, als mit wem ich unterwegs bin. Ich will mit dem allmächtigen Schöpfer, dem Herrn und Heiland leben – immer wieder furchtlos und kühn, vertrauensvoll und zuversichtlich – und erleben, wie ich geliebt, versorgt und gehalten werde. Je mehr ich mich aufs Wasser wage, desto mehr brauche und erlebe ich ihn.

Sonja Sorbara ist Erwachsenenbildnerin, backt Cupcakes auf Bestellung und lebt und arbeitet mit ihrer Familie in Zürich.


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift JOYCE erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

 

5 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Hat Gott ganz besondere Lieblinge ?

    Ich bin fest überzeugt, und dies entspricht auch meiner Glaubenserfahrung, daß Gott freundlich, zärtlich, väterlich, mütterlich, barmherzig und absolute Liebe ist. Ich weiß aber auch, daß wenn Gott nie den Stab über mich brechen wird, auch wenn ich ein Verlorener Sohn würde, ich danach streben muss, über keinem anderen Menschen endgültig den Stab zu brechen. Jesus macht im Gleichnis deutlch, daß die Vergebung Gottes immer auch unsere Vergebung anderen Menschen gegenüber voraussetzt. Andererseits ist das keine – christlich ummantelte – neue Lehre vom Karma. Die Liebe Gottes ist so voraussetzungslos, daß er das Verlorene sucht, die 99 Schafe verlässt, um das eine zu finden. Da gibt es also anscheinend überhaupt keine Aktion des Menschen – hier im Bilde des Schafes – das in die Dornen gefallen ist. Es ist Gott, der jeden Menschen sucht. Jesus ist sogar, zumindest bildlich gesehen, in das Reich des Todes hinab gestiegen, um den Toten, den Verlorenen, also denjenigen ohne jede Möglichkeit sich aus eigener Kraft zu rehabilitieren – zu predigen. Wenn Jesus Christus so für alle Menschen, die ganze Welt und das gesamte Universum, am Kreuz stirbt, ist dies für alle und die ganze Schöpfung, zur Erlösung geschehen. Damit glaubte ich aber nicht an die Billige Gnade, weil das Kreuz nicht billig war, sondern tödlich. Ich bin daher aus Dankbarkeit Christ .Den Willen Gottes zu tun (versuchen) ist daher keine Werkgerech-tigkeit, mit der sich Gottes Gnade und Erlösung erarbeiten lässt, sondern Dankbarkeit..Niemand ist jeden Tag perfekt,, und oftmals haben wir wieder den Alten Menschen übergezogen, ohne es zu wollen. Christsein ist daher, aus der Vergebung zu leben, sich immer wieder unter die Gnade und damit ins Licht Gottes zu stellen. Vielleicht muss man so in der Bergpredigt verstehen, daß die (geistlich) Armen selig sind: Wir sind allzu mal Sünder und mangeln des Ruhmes, des wir vor Gott haben sollten, sagt der Apostel Paulus.

    Es gibt nichts schlimmeres als arrogante Christinnen und Christen oder solche, die sich zu einer Elite den Geretteten zählen, zu einem auserwählten Rest. Das könnte man aus dem Leben Jesu und seinem Umgang mit Menschen nicht erkennen. So gut obiger Artikel ist, so sei doch eine winzige Kleinigkeit in Form eines „“Fragezeichens“ angemerkt: Hat Gott wirklich ganz besondere Lieblinge ? Eigentlich sind die Freunde Gottes wie Abraham und Moses doch auch mit Mängeln versehen. Sie sind eher trotz ihrer menschlichen Unzulänglichkeit mit Gott befreundet.Wie Petrus, der Jesus sogar verleugnete oder gar Saulus, der zum Paulus wurde. Das erlebte Einmann-Theaterstück von Thomas Weber beeindruckte mich vor Jahrzehnten ungemein. Der Titel: „Es gibt Hoffnung für Judas“!

    Mit Gott ist es unkomplizert befreundet zu sein. Denn es gibt so gut wie keinen Ort, wo nicht jeder und jede mit ihm reden kann. Er kennt jeden Menschen besser als er selbst. Daher muss ich nichts vor ihm verbergen. Er wird alles über mich wissen. Daher ist das ganze Leben ein – hoffentlich fröhlicher – Gottesdienst. Wenn es uns denn gelingt.

    • Ich glaube nicht, dass Sonja Sorbara sagen wollte, dass Gott Lieblinge hat. Aber sie hat von ihrer Sehnsucht gesprochen, Gott so nahe zu sein, wie es von Mose oder Abraham beschrieben ist. Zumindest bei Mose wird ja davon ganz deutlich geschrieben, wie in der zitierten Bibelstelle, dass er auf eine Weise Gott näher war als andere damals lebende Menschen. Aber zum einen ist das Altes Testament, und zum anderen gehören zu so einer Nähe immer zwei. Wenn ich das Nähe-Angebot nicht annehme, oder vielleicht auch nur nicht sehen kann (Depressive können z.B. oft gar nicht wahrnehmen, dass andere Menschen für sie da sind), dann bleibt das Distanz-Gefühl.
      Ich kenne dieses Gefühl, dass Gott Lieblingskinder hat (und ich das nicht bin…) aus meinem eigenen Leben. Und unabhängig von aller Theologie, die mir das Gegenteil erklär hat, blieb dieses Gefühl, dass ich irgendwas falsch mache oder Gott mir halt doch nicht so nah sein wollte. Es brauchte ganz besondere Gottesbegegnungen, dass meine Seele da geheilt wurde. Heute kann ich Sonja Sorbaras Erfahrungen voll teilen. Auch ich erlebe, dass Gott viel mehr in meinem Alltag dabei ist, als ich es unmittelbar wahrnehmen kann. Manchmal kann ich im Nachhinein sehen, wie er schon längst da war. Manchmal reicht einfach das Vertrauen. Oft denke ich gar nicht dran, und doch ist er da. Aus vielen, sehr alltäglichen Kleinigkeiten und einigen sehr tiefen Gotteserfahrungsmomenten ist eine tiefe Vertrauensbasis geworden. Ja, auch ich gehöre zu Gottes Lieblingskindern (so, wie alle anderen auch). Aber die Beziehungsgestaltung zu jedem seiner Lieblingskinder ist so individuell wie Menschen individuell sind.

      • Liebe Tinelli,

        das sehe ich auch alles so. Im übrigen hatte ich auch so eine ganz besondere Gottesbegegnung, die mir eine Ahnung vermittelte, wie Gott wirklich ist. Im übrigen glaube ich auch nicht, daß Gott im AT ein anderer war, sondern Jesus hat uns nur eine andere Perspektive verschafft. Im übrigen bleibt Gott immer Gott und wir werden auf Erden ihn nie wirklich erklären können – genauso wie es in der Wissenschaft „keine Formel für alles“ gibt.

    • Lieber Bernd, ja, du hast Recht: Auch diese beiden Freunde Gottes waren mit (vielen!) Mängeln behaftet, so wie wir alle. Was die beiden für mich besonders macht: Sie machten Gott zu ihrer Lebensgrundlage, zu ihrem Ein und Alles, sie vertrauten Ihm ihr Herz an und flüchteten sich bei Schwierigkeiten in Seine Gegenwart. So möchte ich auch leben!
      (Und wie Tineli es unten sagt: Von Mose wird explizit in der Bibel geschrieben, dass er der einzige war, der je Gottes Angesicht gesehen hat, und dass er der „demütigste“ Mann auf Erden war, dass Gott ihm „sein Haus“ anvertraute… )

      Herzliche Grüsse!
      Sonja

  2. Danke für den persönlichen Artikel. Spricht mir aus dem Herzen. Ermutigt mich. Dranbleiben und diesen Wunsch beharrlich verfolgen bzw. immer wieder aufnehmen und die Beschränkungen im Denken auflösen, es könnte nicht noch weitergehen in der Beziehung zu Gott.

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