Der Weltkirchenrat hat verstärkte internationale Hilfe für den Irak nach einem möglichen militärischen Sieg über die Terrormiliz „Islamischer Staat“ angemahnt. Andere Staaten müssten den Irak bei der Wiederansiedlung der Christen und weiterer vertriebener Minderheiten unterstützen.
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Die Delegation des Weltkirchenrates brachte dem irakischen Präsidenten Fuad Masum bei einem Besuch in Bagdad ihre Sorgen um das Wohlergehen der Christen und der Gemeinschaft der Jesiden zum Ausdruck. Ziel müsse es sein, ein sicheres und stabiles Zusammenleben aller Menschen in dem Krisenland zu ermöglichen, hieß es. Noch sei die internationale Hilfe für die mehr als drei Millionen Vertriebenen innerhalb des Iraks völlig unzureichend, sagte Frank Chikane, der beim Weltkirchenrat für Internationale Beziehungen zuständig ist.

Peter Prove vom Weltkirchenrat (links) trifft Patriarch Louis Rafael Sako Präsident der Synode der Chaldäisch-katholischen Kirche im Orak (Foto: Paul Jeffrey/WCC)
Foto: Paul Jeffrey/WCC

Die noch im Irak lebenden Christen fordern international gesicherte Schutzzonen in ihrem Land, erklärte der der kurhessische Bischof Martin Hein, der Teil der Delegation war. Wenn es so weitergehe wie bisher, werde es in 20 Jahren keine Christen mehr in dem Land geben, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Die Zahl der Christen sei von 1,6 Millionen im Jahr 2003 auf nur noch 300.000 gesunken.

Auslöser für die Flucht der Christen aus dem Irak sei die militärische Invasion der Amerikaner im Jahr 2003 gewesen, sagte Hein. Die meisten Muslime hätten die Amerikaner mit dem Christentum verbunden und ihre Wut gegen die seit 1.800 Jahren im Land lebenden Christen gerichtet. „Die US-Invasion war ein Desaster“, sagte Hein.

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Zwar finde im Irak keine organisierte Christenverfolgung statt, doch es gebe ständig Diskriminierungen. So habe die Regierung im Oktober ein Alkoholverbot erlassen. Das sähen besonders die orthodoxen Kirchen als Angriff auf die Religionsfreiheit, da sie zum Abendmahl traditionell Wein verwendeten. Im Kurdengebiet allerdings sei die Lage der Christen deutlich besser als in anderen Regionen, hier gebe es beispielsweise dieses Verbot nicht.

Geleitet wurde die Delegation vom Generalsekretär des Weltkirchenrates, Olav Fykse Tveit.