Jack Barsky: „Der falsche Amerikaner“

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Eine unglaubliche Biografie, die einen von Anfang an in Atem hält, ja, manchmal sogar den Atem stocken lässt. Als Westdeutsche dachte ich, dass mir einiges bekannt wäre, was Ostdeutschland, die Sowjetunion, den Kommunismus und die Stasi betrifft. Was tatsächlich hinter dem Vorhang abging, davon hatte ich aber keine Ahnung, wie ich nun weiß. Dieses Buch nimmt den Leser mit hinein in die Zeitgeschichte Deutschlands, des gesamten Ostblocks, und gewährt einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. So kann man manches besser verstehen und einordnen.

Jack Barsky alias Albrecht Dietrich erzählt in diesem Buch von seinem Doppelleben als KGB-Agent in den USA. Er beginnt jedoch mit der Schilderung seiner Kinder- und Jugendzeit im Ostdeutschland der Nachkriegszeit. Der Autor veranschaulicht dem Leser das Leben und die Denkweise, in die er hineingeboren wurde und welche ihn prägte. Während des Lesens begann ich zum ersten Mal zu verstehen, wie es möglich sein kann, ein fanatischer Anhänger dieser für die meisten Westdeutschen unbegreiflichen Ideologie zu werden.

Albrecht Dietrich war ein kluger, strebsamer, fleißiger junger Mann. Sein einziges Ziel: sein Chemiestudium so erfolgreich abschließen, dass er schon in jungen Jahren zur akademischen Spitze zählt. Dafür war er bereit, alles zu geben. Beziehungen waren ihm nicht völlig unwichtig, aber beruflicher Erfolg hatte bei ihm Priorität. Natürlich blieb dies dem Staat nicht verborgen, denn ehrgeizige junge Talente waren gefragt. Und so kam es, dass sich der junge Albrecht geschmeichelt und bestätigt fühlte, als die Staatssicherheit an seine Tür klopfte und ihm ein Angebot unterbreitete, das er weder ausschlagen wollte noch konnte.

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Schritt für Schritt wuchs er in seine Doppelrolle als Agent hinein, musste immer mehr vor seiner Familie und Freunden verheimlichen. Der ehrgeizige junge Mann empfand sein neues Leben als spannend, und so zögerte er nicht, als ihn die Stasi in verschiedene Länder schickte, um deren Sprachen und Kultur kennenzulernen.

Systematisch wurde er darauf vorbereitet, seine alte Identität komplett aufzugeben und in eine neue hineinzuwachsen. Als er dann schlussendlich als Spion der KGB in die USA geschickt wurde, ließ er dafür sogar seine geliebte Frau schwanger zurück. Kein Preis ist ihm zu hoch für dieses Abenteuer, von dem er glaubt, dass er dadurch ein Stück der Weltgeschichte mitschreiben kann. Immer wieder stockte mir beim Lesen der Atem.

Doch dann änderten sich die Dinge für Albrecht. Von einer Frau in den USA bekommt er eine Tochter. Obwohl er in der Heimat bereits zwei Söhne hat, erobert erst dieses kleine Mädchen sein Herz. Jack beginnt sich Gedanken zu machen um die Zukunft seines Kindes. Er will sie nicht gefährden. Als seine Tarnung als Spion aufzufliegen droht, ist er nicht bereit, zur Sicherheit in ein anderes Land zu fliehen und sein Kind zurückzulassen.

Jack beginnt nun immer mehr, sein bisheriges Leben und Arbeiten, die Ideologie, der er gefolgt ist, zu hinterfragen. Als er dann noch zum christlichen Glauben findet, kann und will er dieses falsche Leben nicht mehr so weiterführen. Nur: Gibt es überhaupt einen Weg zurück oder heraus aus diesem Doppelleben? Wenn ja, um welchen Preis? Je mehr Jack Gott nachfolgt und beginnt sich zu ändern, sein Leben auf Gott auszurichten, umso mehr kann Gott wirken und diesen Weg bahnen. Ob und wie dies geschieht? Lesen Sie selbst!

Von Christa Keip

Leseprobe (PDF)

Verlag: SCM Hänssler
ISBN: 978-3-7751-5826-8
Seitenzahl: 424
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