Jack Deere: „Selbst im Dunkel bist du da“

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Jack Deere, Jahrgang 1948, mit 17 Jahren gläubig geworden, studierte Philosophie und anschließend Theologie am renommierten, konservativen Dallas Theological Seminary in Texas. Dort arbeitete er zwölf Jahre als Professor für Altes Testament. Danach schloss er sich der charismatischen Bewegung an und ging nach Anaheim, Kalifornien. Heute lebt er in Montana und arbeitet als Publizist und Konferenzredner. Seine Bücher „Überrascht von der Kraft des Heiligen Geistes“ und „Überrascht von der Stimme Gottes“ sind internationale Bestseller. Nun hat er seine Biografie geschrieben.

Die ersten Seiten beschreiben die Begleitumstände des schockierenden Selbstmords seines Sohnes Scott im Alter von 21 Jahren. Der Rest des Buches ist ein Parforceritt durch eine unfassbar aufwühlende Lebensgeschichte. Es ist ein Lehrstück über den gescheiterten amerikanischen Traum, beginnend in den 50er Jahren. Deere schildert sein Denken, Erleben, Fühlen und Handeln anschaulich und seelentief. Sein Glaubensweg führt ihn letztendlich vom wortgetreuen Bibelglauben zur charismatischen Erneuerung.

Vom höchsten Glück zu tiefstem Leid

Deere vermittelt dem Leser anfangs das Lebensgefühl der amerikanischen Jugend in der Wirtschaftswunderzeit. Die eigene Kindheit ist überschattet vom Selbstmord des Vaters und der emotionalen Gewalt der Mutter. Der beginnende Glaubensweg, eingezwängt in die Höllenfeuer-und Verdammnisreligion der Baptisten der 60er, ist steinig. Der Aufstieg zum Professor des Dallas Theological Seminary ist ruhmreich, der Rauswurf und Fall, weil er sich der charismatischen Bewegung angeschlossen hat, tief. Bei Deere schleicht sich die Selbsterkenntnis ein, dass er in einem Widerspruch lebt, Wasser predigt und Wein trinkt. Tiefe Glaubenszweifel halten bei ihm Einkehr. Deeres Hilflosigkeit angesichts des Leidensweges seines Sohnes Scott, mündend in dessen Selbstmord, macht den Leser sprachlos. Die anschließende Alkohol- und Tablettensucht seiner Frau hinterlässt Ohnmacht. Auch der finanzielle Ruin durch Aktienspekulationen ist beispiellos.

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Ruhm, Reichtum, Ehre und Glanz verkommen zu Nichtigkeiten. Als der Autor entdeckt, dass sein Sohn durch einen christlichen Jugendleiter sexuell missbraucht wurde und ebenso seine Frau im Kindesalter durch ihren Vater, setzt das dem Ganzen die Krone auf. Wie viel Leid kann ein Leben ertragen? Das Buch ist ehrlich, schonungs-, schnörkellos. Die emotionale Dichte ist stellenweise kaum zu ertragen, ohne das Buch zeitweise beiseitezulegen. Der Versuch, ein derart tiefsinniges, weises, tragisches Buch zu rezensieren, kann nur Stückwerk sein.

Von Hans-Georg Wigge

Leseprobe (PDF)

Verlag: Gerth Medien GmbH
ISBN: 978-3-9573462-3-0
Seitenzahl: 352
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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