Joel White: Was sich Gott dabei gedacht hat – Die biblische Basis einer christlichen Sexualethik

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Ein heißes Eisen, das Joel White, promovierter Theologe und Lehrer der FTH Gießen hier anpackt. Wie sieht die biblische Basis zum Thema Sexualität eigentlich aus? Was geht? Und was geht nicht?

Immer wieder gibt es Eye-Catcher-Bücher – getreu dem Motto: „Alles ganz neu! Vor 2000 Jahren waren die einfach noch nicht soweit…“. Ganz anders bei Joel White: Er schreibt sachlich, geht die zentralen biblischen Texte Stück für Stück durch, beleuchtet den Kontext und vermittelt das, was hinter den einzelnen Stellen zur Ebenbildlichkeit von Mann und Frau, zur Sexualität und Ehe biblisch formuliert ist: Ein Mann, eine Frau, ein Leben lang.

Was mir gut gefällt: Die biblische Lehre ist von der Realität unserer Gesellschaft (und leider auch zahlreicher Gemeinden) doch weit entfernt. Der Autor verschließt den Blick nicht dafür und zeigt positiv auf, weshalb eine konservative Sexualethik in einer Zeit voller Unsicherheit und Ungewissheit gewiss nicht erledigt ist: Indem White die Ehe von Mann und Frau – mit Paulus gesprochen – als „Geheimnis“ deutet, wird das Handeln Jesu (als Bräutigam) zu seiner Braut (der Gemeinde) offenbar. Der Autor hält ihr die Schönheit der Ehe – wie sie sich Gott gedacht – hat, hoch. Dass mit der biblischen Ehe viel Gutes verbunden wird (wie z. B. ein Schutzraum für mögliche Kinder), unterstreicht die positive Sicht der Bibel auf Sexualität. Denn mit dieser Fehldeutung kann man nach der Lektüre des Buches wirklich nicht mehr kommen. Sexualität ist demnach gottgewollt, polar angelegt und im Rahmen der Ehe zu genießen und auszuleben.

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Zugleich hat er aber auch Singles im Blick, gibt Impulse, wie sie in der Gemeinde eine Heimat finden und nicht als „minderwertig“ im Gegensatz zu Paaren oder Verheirateten gesehen werden. Auch spannende Punkte wie Ehescheidung und Wiederheirat hat er im Blick.

Und wie wohltuend, dass White im Schlusswort nochmals betont, dass „Sex nicht das wichtigste ist“.

Von Andreas Schmierer

Leseprobe (PDF)

Verlag: SCM R.Brockhaus
ISBN: 978-3-417-24168-6
Seitenzahl: 224
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. „Was mir gut gefällt: Die biblische Lehre ist von der Realität unserer Gesellschaft (und leider auch zahlreicher Gemeinden) doch weit entfernt. Der Autor verschließt den Blick nicht dafür und zeigt positiv auf, weshalb eine konservative Sexualethik in einer Zeit voller Unsicherheit und Ungewissheit gewiss nicht erledigt ist: (…)“

    Das ist m. E. das Grundproblem: Oft wird aus konservativer Richtung die überhebliche Haltung formuliert, dass es sich bei ihrer Deutung der biblischen Schriften um „die biblische Lehre“ handelt. Dem Gegenüber wird dann die so genannte liberale Haltung als bedauerlich und fehlgeleitet dargestellt. Sie sei nicht mehr an der Bibel, sondern an „der Gesellschaft“ orientiert.
    Das sind einfach zu viele Verallgemeinerungen, unsachgemässe Beschreibungen und überkommene und unreflektiert übernommene (ja, auch das ist ein Urteil vor dem Hintergrund von vielen Erfahrungen und Auseinandersetzungen) Urteile.
    Das Verständnis von Ehe, Sexualität, Körper und Geschlecht wandelt sich immer wieder. Es gibt Kontinuitäten, neue Erkenntnisse und das Ringen um Werte und Orientierung. Das zeichnet sich m. E. auch in der Bibel selbst ab. Was die alten Hebräer unter Ehe und Familie verstanden ist zur Zeit von Jesus und Paulus schon nicht mehr aktuell bzw. wurde immer wieder neu interpretiert. Paulus und Abraham hätten sich sicherlich nicht gut verstanden in dieser Hinsicht.

  2. Ohne das Buch gelesen zu haben:
    „Ein Mann, eine Frau, ein Leben lang.“ Das klingt erst mal gut. Ist aber nicht biblisch.

    Die biblische Realität war ja eher: „Ein Mann und so viele Frauen wie er es sich wirtschaftlich leisten konnte. Ein kurzes Leben lang mit hoher Sterblichkeitrate und einer sehr niedrigen Lebenserwartung. Und die Entscheidung wer wen heiratet wird überwiegend von den männlichen Familienoberhäuptern getroffen. Und das Heiratsalter liegt üblicherweise unter 14 Jahren.“
    Und da merkt auch eigentlich auch schon, dass ein ausschließlicher Blick auf das, was in der Bibel dargestellt (und nicht etwa als ewig gültig postuliert) wird nicht ausreicht. Aus dem gleichen Grund wie man aus der kritiklosen Darstellung der Sklaverei in der Bibel darauf schließen sollte, dass Gott sie gut findet.
    Je mehr jemand bei diesem Thema meint, dass er besonders bibeltreu argumentieren würde, umso mehr frage ich mich, ob er die Bibel wirklich gelesen hat oder sie nur interpretiert. Letzteres finde ich nicht verwerflich. Eher die Behauptung, aus der Bibel ohne Interpretation allzuviel herauslesen zu können.

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