John Ortberg: „Die Ewigkeit ist jetzt“

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John Ortberg wurde im Zusammenhang der Willow-Creek-Bewegung in Deutschland bekannt und ist seit Langem ein viel gelesener Autor besonders in evangelikalen Kreisen. Seit vielen Jahren ist er nunmehr Pastor einer presbyterianischen Gemeinde in Kalifornien. Wie in den meisten seiner früheren Bücher geht es auch hier um gelebte Jesusnachfolge.

In der ersten Hälfte räumt Ortberg mit bekannten Klischees evangelikaler Missionsbemühungen auf, deren Erfolg und Nachhaltigkeit er gelinde gesagt in Zweifel zieht. So zitiert er etwa aus dem bekannten Mark-Twain-Klassiker „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ die Bekehrungsversuche der Witwe Douglas und ihrer Schwester Miss Watson gegenüber dem Halbwaisen Huck. Diese erschöpfen sich hauptsächlich in Warnungen vor der Hölle und dem Aufruf zu einem anständigen Leben mit regelmäßigem Kirchgang und erreichen bei dem Jungen so ziemlich das Gegenteil. Ähnliche Klischees bedienen seiner Ansicht nach auch christliche Gemeinden, die mit manipulativen Methoden versuchen, die Bekehrungszahlen zu erhöhen oder nach menschlichem Ermessen zwischen „drinnen“ und „draußen“ zu unterscheiden.

Glaubwürdige Jesusnachfolge ist Zentrum

Dem gegenüber stellt Ortberg den Vorgang der Bekehrung im neutestamentlichen Sinn, die mitunter eher unspektakulär erfolgen kann, sich nicht immer in einem konkreten Bekehrungsdatum niederschlägt, aber auf jeden Fall das Leben des Bekehrten verändert. Nicht müde wird Ortberg, zu betonen, dass es weniger um bestimmte Mindestvoraussetzungen, theologisches Wissen oder Verzicht auf bestimmte, als sündig empfundene Dinge geht als vielmehr um gelebte und glaubwürdige Jesusnachfolge.

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Um diese geht es dann in der zweiten Hälfte des Buches. Hier skizziert der Autor die verschiedenen Schritte anhand von mehreren Beispielen aus dem Neuen Testament, so unter anderem die Bekehrungsgeschichte des Petrus, welche immer wieder von Rückschlägen bis hin zur dreimaligen Verleugnung von Jesus geprägt war. Auf diese reagiert der Auferstandene am Ende mit der dreimaligen Frage „Hast du mich lieb?“, was letztlich die Schlüsselfrage in der Nachfolge ist. Ein wichtiger Punkt ist auch die Untersuchung dessen, was Jesus selbst geglaubt hat. Neben dem Neuen Testament zitiert Ortberg zahlreiche lebensnahe Beispiele aus späterer Zeit, etwa Mutter Theresa, Helen Keller, Dietrich Bonhoeffer, C. S. Lewis und oft auch seinen inzwischen verstorbenen Mentor Dallas Willard.

Insgesamt betrachtet zeigt John Ortberg einen Weg der Jesusnachfolge auf, der nicht auf Angst basiert, sondern als Einladung zu einem erfüllten Leben im Hier und Jetzt mit Fortsetzung in der Ewigkeit zu verstehen ist. Seine Ausführungen erinnern teilweise an Dietrich Bonhoeffers Visionen von einem „religionslosen Christentum“. Die erste Hälfte des Buches kann man durchaus auch als Religionskritik im Sinne Bonhoeffers oder Søren Kierkegaards verstehen. Was in den Ausführungen vielleicht etwas zu kurz kommt, ist der Umgang mit Leid und Tod, die für Jesusnachfolger in weniger freien Ländern oftmals zum Alltag gehören und von Jesus im Neuen Testament auch angekündigt wurden.

Von Johannes Renz

Lesetipp (PDF)

Verlag: Gerth Medien GmbH
ISBN: 978-3-9573459-1-2
Seitenzahl: 208
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Ich finde Bücher, die sich hauptsächlich mit Kritik an Gemeinden beschäftigen für fragwürdig, überheblich und wenig aufbauend.
    Außerdem geht es hier um amerikanische Gemeinden.
    Ich denke, ohne das Buch gelesen zu haben, es gibt im deutschen Sprachraum weitaus bessere Bücher.
    Willow Chreek ist nicht Deutschland, die Lobpreislieder von Hillsong verdrängen die alten Anbetungslieder, weil diese nicht mehr zeitgemäß sind, was ich persönlich für sehr traurig empfinde, weil die Texte einfach sehr viel tiefer gehen.
    Ich besuche eine deutsch-amerikanische Gemeinde, da stelle ich das beim Lobpreis fest, aber die Verkündigung ist fest in der Bibel verankert.

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