Der Jugendverband crossover möchte im Sommer ungern auf Jugendfreizeiten verzichten. Die zu planen, ist gerade jedoch eine Mammutaufgabe, verrät Gründer Stefan Pahl im Interview.
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Jesus.de: Wie sieht die Arbeit von crossover aus, wenn nicht gerade Pandemie ist?
Pahl: Crossover ist ein überregionaler und überkonfessioneller Jugendverband, der viel mit Kirchengemeinden zusammenarbeitet. Unser wichtigstes Tool sind Jugendfreizeiten in den Sommerferien aller Bundesländer. Jedes Jahr bieten wir rund 50 dieser Ausflüge in Deutschland und ganz Europa an. Außerdem arbeiten wir im evangelischen Bereich eng mit Konfirmandengruppen zusammen.

„Das Schwierigste ist, nicht zu wissen, ob die Freizeiten erlaubt sein werden.“

Das alles wird wegen Corona nun deutlich schwieriger, oder?
Das Schwierigste ist, nicht zu wissen, ob die Freizeiten erlaubt sein werden. Und wenn sie erlaubt sind, unter welchen Auflagen. Wir müssen sehr viele Alternativpläne aufstellen, denen Eltern und Teamer vertrauen und die trotzdem ein cooles Freizeiterlebnis ermöglichen.

Stefan Pahl, Foto: privat

Planen, ohne zu wissen, was Sache ist – ist das nicht unmöglich?
Ich mache da etwas, das ich Mentalisten-Vorgehen nenne: Ich nehme Indizien und versuche, daraus Infos abzuleiten. Ein Indiz ist, dass Hotels und Jugendherbergen Ende Mai wieder öffnen dürfen. Es ist zu erwarten, dass sie Konzepte entwickeln werden, wie Jugendliche unter einem Dach leben können. Das können wir als Vorlage nehmen.
Ein anderes Indiz sind andere Länder, die uns voraus sind. Dort wird die Anzahl der Kontakterlaubnisse schrittweise nach oben korrigiert. Teilweise sind wir schon bei zehn Personen. Wenn es in dem Tempo weitergeht, können wir uns Juli bzw. August schon wieder mit 20, 30 Personen treffen.

„Ich verstehe Kirchen und Diözesen absolut, wenn sie Jugendfreizeiten absagen.“

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Wäre es denn nicht sinnvoller, nochmal ein Jahr auszusetzen?
Ich verstehe Kirchen und Diözesen absolut, wenn sie Jugendfreizeiten absagen. Ich halte sie nicht für Corona-Feiglinge. Allenfalls halte ich uns für verrückte, mutige Hoffnungsidealisten. Und auch wir haben die Reisen nach Spanien und Italien schon abgesagt. Wir werden in diesem Jahr nur nach Deutschland, Österreich und Dänemark fahren. Aber prinzipiell kann ich mir eine Jugendfreizeit denken, die beim Thema Mindestabstände und Hygiene das Risiko, sich anzustecken, derart klein hält, dass ich das für vertretbar halte. Zumindest ist das Risiko dann nicht höher, als wenn ich bei Ikea einkaufen gehe.

Wie können solche Freizeiten aussehen?
Das sind alles ungelegte Eier. Wir wissen ja noch nicht, was es für Auflagen geben wird. Aber ich gebe mal ein Beispiel: Ich kann ein Geländespiel entwerfen mit einer ganz neuen Art, den anderen abzuschlagen, ohne ihn zu berühren. Beispielsweise, indem man den anderen mit kleinen Bällen abwerfen muss. Da gilt dann anderthalb Meter Sicherheitsabstand. Und es gibt Schiedsrichter, die auf den Mindestabstand achten. Und bei den Übernachtungen werden eventuell manche Teilnehmer in Einzelzelten schlafen.

Hat es auch etwas mit Gottvertrauen zu tun, die Freizeiten stattfinden zu lassen?
Für mich schon. Allerdings sind Gottvertrauen und Illusion nah beieinander. Es wird sich erst im Rückblick zeigen, ob es Gottvertrauen war oder ob wir Luftschlösser gebaut haben. Im Moment hoffen wir, dass wir Gottes Zustimmung haben.

Die Fragen stellte Nathanael Ullmann

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Lieber keine Coronafreizeit

    Ich habe leider das sichere Gefühl, daß die Coronapandemie noch nicht ausgestanden ist. Zumal es mindestens 1 Jahr dauert, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, der dann aber noch an eine ganze Weltbevölkerung verteilt werden muss. So sehr ich, auch im Blick auf meine eigene Jugend, Jugendfreizeiten liebe, würde ich doch dazu raten, das Projekt schweren Herzens ad acta zu legen. Abgesehen von den gesundheitlichen Risiken der Teilnehmer/innen würde man vielleicht auch kein gutes Beispiel geben. Es ist auch nicht besonders förderlich, Hoffnungen zu wecken gerade bei Jugendlichen mit den auch ihnen bisher zugemuteten Einschränkungen, wenn man absagen und damit sehr enttäuschen muss., Vielleicht gibt es ja eine tragbare Alternative, etwa Kleingruppentreffen einer Freizeit zuhause unter schattenspendenden Bäumen im Freien. Das könnte ja auch ein Gemeinschaftserlebnis werden – ein neues in neuen und anderen Zeiten. Es gibt auch ein Paradies im Park.

    • Wenn die Freizeiten jetzt abgesagt würden, wäre die Enttäuschung ja nicht kleiner. Wir werden klar kommunizieren, dass die Freizeiten nur stattfinden, wenn sie erlaubt und unser Sicherheitskonzept frei gegeben wurde. Enttäuschend wäre es, im August festzustellen „Mensch, es wäre jetzt doch problemlos möglich gewesen …“ – dann aber alles storniert zu haben.

      • Lieber Stefan Pahl,

        man ist mit solchen Entscheidungen immer zwischen Pest und Colera. Ich wünsche euch auf jeden Fall, daß ihr so oder so doch ein schönes Sommerferienangebot machen könnt

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