In der Heart of God Church im ostasiatischen Stadtstaat Singapur kommen tausende Jugendliche zum Gottesdienst zusammen und werden zu Leitern ausgebildet. Wie funktioniert das? Christian Honegger gehört zum Kernteam der Gemeinde und stellt das Konzept vor. Er sagt: Jugendliche sind nicht nur die Leiter von morgen, sondern auch die Leiter von heute.

Eure Gemeinde richtet sich vor allem an Jugendliche. Warum?

Christian Honegger: Alles begann, als die Gründerin der Kirche, Pastorin Lia, bemerkte, wie gelangweilt ein paar Jugendliche vom Kindergottesdienst waren. Sie gründete die Jugendarbeit und ein junges Worship-Team, um in ihnen neues Feuer zu entfachen. Seitdem ist unser Herz für junge Leute immer weitergewachsen. Wir wünschen uns eine Gemeinschaft, in der junge Menschen Freunde für ihr Leben finden, ihre Talente ausgraben und befähigt werden, einen Unterschied in ihrer Welt zu machen.

Seit der Gründung vor 20 Jahren wachst ihr beständig, feiert teilweise Gottesdienste mit 4.000 Jugendlichen. Was ist euer Geheimnis hinter dem Erfolg?

Wir legen unseren Fokus nicht nur darauf, eine große, sondern eine starke Kirche zu sein. Über die Jahre haben wir herausgefunden, was es dafür braucht. Ein Faktor ist, dass die Kirche ein Zuhause wird, gerade für Jugendliche. Deshalb ist unser Gebäude auch an allen Wochentagen geöffnet. Man kann hier zusammen abhängen, Spiele spielen und das freie WLAN benutzen.

„Wir wünschen uns eine Gemeinschaft, in der junge Menschen Freunde für ihr Leben finden, ihre Talente ausgraben und befähigt werden, einen Unterschied in ihrer Welt zu machen.“

Wie sieht euer Gemeindeleben konkret aus?

In der HOGC ist’s sehr lebendig und lustig. An den Wochentagen kommen die Jugendlichen nach der Schule in die Kirche, organisieren Gruppentreffen und üben mit ihren Freunden für die Aufgaben, die sie am Wochenende in den Gottesdiensten übernehmen. Am Wochenende steht dann unser Jugendgottesdienst für 12- bis 16-Jährige an – mit großartiger Lobpreis-Atmosphäre. Außerdem gibt es einen weiteren Gottesdienst, der auf 17- bis 22-Jährige zugeschnitten ist. Danach gestalten wir unser Auditorium um, stellen große Tische auf, essen zusammen und haben Gemeinschaft miteinander.

Ihr setzt Jugendliche früh verantwortlich ein. Was steckt hinter diesem Konzept?

Wir glauben, dass Jugendliche nicht nur die Leiter von morgen sind, sondern auch die Leiter von heute. Sie können Großes schaffen. David war ein Jugendlicher, als er Goliath besiegte. Viele junge Leute kommen zu uns mit wenigen Fähigkeiten und kaum Erfahrung. Wir schauen uns genau an, was ihnen fehlt – und trainieren sie dann, ermutigen sie, ihre Interessen zu entdecken, im Bereich Multimedia, Fotografie, Sound, Licht oder Effekte. In allen Bereichen können sie bei uns mit professioneller Ausrüs- tung und Software arbeiten. Wir unterstützen sie auch darin, sich in den Bereichen Darstellende Kunst, Musik, Dekoration und Design einzubringen, um ihrer Fantasie Ausdruck zu verleihen. Außerdem organisieren sie Veranstaltungen und lernen zu leiten, zu planen, Kosten zu kalkulieren und zu kommunizieren. Dadurch wächst auch ihr Selbstvertrauen. Das Resultat ist, dass die HOGC vor allem von jungen Leuten geleitet wird.

Bei so viel Engagement kann schnell Druck und Überforderung für die Jugendlichen entstehen. Was unternehmt ihr dagegen?

Der andere Gründer der Kirche, Pastor How, hat uns als Gemeinde ein sehr wichtiges Prinzip beigebracht: »Nutze nicht Menschen, um die Kirche zu bauen. Sondern nutze die Kirche, um Menschen aufzubauen.« Wir bleiben im Gespräch mit den Jugendlichen, um zu wissen, ob sie in einer guten Balance von Familie, Schule und Kirche leben. Und wir bestärken sie, zur Kirche zu kommen mit dem ehrlichen Wunsch Gott zu dienen, nicht aus Pflichtgefühl oder Gruppenzwang.

»Nutze nicht Menschen, um die Kirche zu bauen. Sondern nutze die Kirche, um Menschen aufzubauen.

Welche Kernaussagen möchtet ihr euren jugendlichen Besuchern mit auf den Weg geben?

Dass sie nicht warten müssen, bis sie älter sind. Sie können jetzt zusammen mit den Älteren leiten und dienen. Die Botschaft von Pastorin Lia war immer: »Neue Generationen sind kein Ersatz, sondern eine Verstärkung.« Außerdem haben wir ein weites Herz für junge Menschen, die in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen sind. Ihnen wollen wir mitgeben, dass ihre Vergangenheit hinter ihnen liegt und sie nun die Zukunft verändern können.

Ihr feiert in riesigen Hallen, benutzt eine bombastische Technik und Lichtshow. Ziemlich beeindruckend. Warum ist das notwendig?

Die Jugendlichen sind »Digital Natives«, die mit HD-Fernsehern aufwachsen. Deshalb wollen wir mit unseren innovativen Screens auch Nichtchristen anziehen. Unsere riesige Bühne in Kreuz-Form ist zudem die erste weltweit in einer Kirche. Unser Auditorium nennen wir »Imaginarium«, weil wir wollen, dass unsere jungen Leute ihre Fantasie und Kreativität ins Spiel bringen, dass sie sich trauen, groß zu träumen.

An welchen konkreten Beispielen merkst du, dass Gott eure Arbeit segnet?

Wenn man unsere Kirche betritt, sieht man Bildschirme mit kreativen Inhalten, die einfach Weltklasse sind. Das fühlt sich so an, als wäre man gerade bei »Universal Studios« angekommen. Aber schaut man mal hinter die Kulissen, merkt man, dass es 14-, 15-Jährige sind, die diese wunderschönen Bilder entwerfen. Ein anderes Beispiel ist einer unserer jungen Leute: Jarren. Er saß früher 25 Stunden in der Woche vor dem PC, ließ Mahlzeiten aus und vernachlässigte die Schule. Sein Vater redete nicht mehr mit ihm. Mit 16 Jahren kam er in unsere Kirche und gab Jesus sein Leben, weil er spürte, dass nur er die Leere in seinem Herzen füllen kann. Jarren entschied sich dazu, mit dem Gamen aufzuhören und stattdessen Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Sein Vater war so überrascht von diesem Wandel, dass er unsere Kirche kennenlernen wollte. Inzwischen kommen sie zusammen zum Gottesdienst.

Die Fragen stellte Hella Thorn


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Teensmag erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

Link: Homepage der Heart of God Church

 

 

 

 

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