Justiz: Schweiz darf afghanischen Konvertiten nicht abschieben

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Ein Flugzeug am Himmel, von unten fotografiert.
Symbolfoto: Pixabay / Free-Photos
Die Schweiz wollte einen christlichen Afghanen abschieben. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat jetzt sein Veto eingelegt – denn in der Heimat droht ihm der Tod.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat der Schweiz die Abschiebung eines zum Christentum konvertierten Afghanen in sein Heimatland untersagt. Die Schweiz würde mit einer Abschiebung gegen das Verbot unmenschlicher und entwürdigender Behandlung verstoßen, erklärte der EGMR am Dienstag in Straßburg mit Blick auf die Gefahren, denen der Mann in Afghanistan ausgesetzt wäre. Das Urteil kann innerhalb von drei Monaten angefochten werden.

Der Afghane kam laut EGMR vor rund fünf Jahren in die Schweiz und bat um Asyl. Die zuständigen Stellen lehnten dies ab. Ein Gericht machte dem EGMR zufolge geltend, dass er zwar nicht in seine Ursprungsregion, aber in die Hauptstadt Kabul abgeschoben werden könne, wo er Familie habe. Seine in der Schweiz erfolgte Konversion sei kein Hindernis, da die Verwandten davon nichts wüssten.

Der EGMR befand nun, dass christliche Konvertiten in Afghanistan mit Verfolgung durch verschiedene Gruppen und auch den Staat rechnen müssten, es drohe sogar die Todesstrafe. Das Schweizer Gericht habe nicht geprüft, wie der Mann unter diesen Umständen seinen Glauben praktizieren könne. Wenn das Gericht meine, er solle dies nur im Geheimen tun, stünde dem ein Urteil genau desselben Gerichts in einem anderen Fall entgegen, erklärte der EGMR. Danach könne das tagtägliche Verleugnen des eigenen Glaubens im Kontext der afghanischen Gesellschaft unter Umständen als unerträglicher seelischer Druck charakterisiert werden.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Genauso wenig, wie schwule Moslems abgeschoben werden sollten, da ihnen der Tod im Heimatland drohen könnte, sollten Konvertiten aus den gleichen Gründen nicht abgeschoben werden dürfen.
    Warum tun sich so manche Gerichte bei Christen immer so schwer, setzen sich aber schnell für Verbrecher ein, denen zuhause die Todesstrafe droht.

    • Gegen Abschiebungen ist grundsätzlich nichts zu sagen, wenn diese Menschen keine rechtliche Grundlage für das Hierbleiben haben und das Herkunftsland, in das abgeschoben wird, für sie sicher ist.

      Wenn ich mir allerdings anschaue, wie unsere Minister bei Besuchen im sicheren Kabul (in den Rest des Landes trauen sie sich ja eh nicht), mit schusssicherer Weste und hochgesichert reisen und ihre gepanzerten Wagen am besten nicht verlassen, dann kommen mir doch so ganz leichte Zweifel, ob Kabul (vom Rest Afghanistans brauchen wir da gar nicht erst zu sprechen) wirklich so sicher ist.

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