Edyta Mordels Sohn Alexander kam vor vier Jahren mit Downsyndrom zur Welt. In diesem Sommer verklagte die 33-Jährige das staatliche Gesundheitssystem NHS („National Health Service“) auf Schadensersatz, da kein Screening stattgefunden habe. Nun bekam sie vor Gericht Recht, wie die BBC berichtet.

Ihren Antrag hatte Mordel damit begründet, dass sie ausdrücklich ein Screening auf ein mögliches Downsyndrom hin gewünscht habe und auch davon ausgegangen war, dass es vorgenommen worden sei – ohne Befund. Hätte sie gewusst, dass ein erhöhtes Risiko für das Downsyndrom besteht, hätte sie die Schwangerschaft beendet. Wörtlich sagte sie: „Ich hätte kein behindertes Kind gewollt, und ich hätte nicht gewollt, dass mein Kind so leidet, wie behinderte Menschen leiden.“ Nichtsdestotrotz pflege sie laut anderen Presseberichten ihren Sohn heute mit Liebe und Hingabe.

Tatsächlich hatten die behandelnden Ärzte kein Screening durchgeführt. Dies war unstrittig. Der NHS argumentierte jedoch vor Gericht, dass Mordel dieses ausdrücklich abgelehnt habe. Ein Missverständnis, wie Mordel angab. Die werdende Mutter, die Englisch nicht als Muttersprache spricht, fühlte sich nicht hinreichend informiert. Der High Court in London entschied nun in ihrem Sinne. Die Klägerin habe die Aussagen des Arztes bei der Sonographie offensichtlich missverstanden. Mordel kann nun mit einer sechstelligen Entschädigungssumme rechnen.

Kein Einzelfall

Der Richter erklärte in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich, dass er sein Urteil auf „wrongful birth“ nicht in dem Sinne verstanden wissen wolle, dass die Geburt eines Kindes mit Downsyndrom prinzipiell als „unerwünscht“ zu betrachten sei. Im vorliegenden Fall sei es lediglich um das Versäumnis seitens der Ärzte gegangen, die Mutter ausreichend auf das Screening hinzuweisen.

Dass der Fall Mordel jedoch kein Einzelfall ist, darauf weist die Daily Mail in ihrem Artikel zu diesem Fall hin. So zahlte der National Health Service in Großbritannien nach eigenen Angaben zwischen 2013 und 2017 rund 44 Millionen Euro in 16 ähnlichen Fällen. Sprich, die Zahlungen lagen in diesen Fällen sogar noch deutlich höher.

Link: Mother wins ruling over Royal Berkshire NHS Down’s syndrome test failure

 

4 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Heißt aber doch, ein Kind könne ein Schaden sein. Diese Rechtsprechung ist perfide. Wäre der Mensch durch Abtreibung gestorben hätte man das als rechtens angesehen. Nun er aber lebt….Eine barbarische Gesellschaft.

  2. Als Mutter eines wundervollen 26 jährigen Sohnes mit Down Syndrom fehlen mir da die Worte. Die Welt wird immer verrückter.

  3. „Ich hätte kein behindertes Kind gewollt, und ich hätte nicht gewollt, dass mein Kind so leidet, wie behinderte Menschen leiden.“ – Vielleicht lassen wir einen Betroffenen zu Wort kommen: http://www.youtube.com/watch?v=vtS91Jd5mac

    Für alle, die der englischen Sprache nicht so mächtig sind, hier zwei Schlüsselsätze (ab 0:47): „Ich bin ein Mann mit Down-Syndrom, und mein Leben ist lebenswert“ und „Ich habe ein großartiges Leben“. Eine auszugsweise Übersetzung findet sich hier: https://fatcherry.de/beste-kurzfilme/ruehrende-rede-vor-der-u-n-eines-down-sndrom-patienten/

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