Kein Geld, kein Personal, keine Relevanz. Das sind die Zukunftsaussichten der Kirche. Oder etwa doch nicht? Pfarrerin Carola Scherf analysiert schonungslos den Status Quo, macht Vorschläge zur Weiterentwicklung und erklärt, warum (auch) die digitale Kirche dabei wichtig ist.

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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Kirche der Zukunft mit guten Kernkompetenzen und Geschwisterlichkeit

    Bei den vielen guten und richtigen Gedanken von Carola Scherf verliert man leicht den Überblick. Jedenfalls eine Behauptung hat mich – als Nichttheologen und Christ mit landeskirchlichem Stallgeruch – sehr überzeugt: „Manche Predigten sind wirklikch schlecht“! Die guten Predigten unterscheiden sich von den Schlechteren, daß sie einen roten Faden haben, sie jeder verstehen kann, der Pfarrer oder Priester geistig-geistlich dabei aber nicht tiefstapelt, Mut auch zu einem eigenen theologiischen Standpunkt besitzt (und ihn äußert) und nicht zuletzt die Ansprache eine zeitliche Begrenzung einhält.

    Ich habe viele gute und eigentlich noch viel mehr mittelmäßige und manchmal gruselig schlechte Predigten genossen. Auch meine ich mit einiger Sicherheit immer wieder erlebt zu haben, daß die anwesenden Seelen mit den Füßen abstimmen. Die sonntäglich unter der Kanzel gottesdienstlich feiernden Christen sind nämlich keine dummen Schafe, sondern quittieren tendenziell mangelhafte Predigtleistungen eines/einer Geistlichen mit Fernbleiben. Sicherlich gibt es mehrere Ursachen, unter ihnen auch der Traditionsabbruch, warum zumeist in größeren Städten der sonntägliche Gottesdienst keine zahlreiche Gemeinde antrifft. Es ist ja nicht der Kirchenferne, der nicht teilnimmt, sondern das Abbröckeln der Kerngemeinde. Es gibt aber einen engeren Zusammenhang zwischen guten Predigten und erfreulich umfangreich besetztem Kirchengestühl. Der Gottesdienst sollte lebendig und kein Einmannunternehmen darstellen und schon gar nicht nach dem Motto: „Selig sind den Bene, die vor dem Altar stehn allene“. Mitmachgottesdienst sind etwas schönes und die Gewinnung von Mitarbeitenden in der Gemeinde istzudem eine urgemeindliche Methode des Gemeindeaufbaues.

    Ich halte es für eine ganz wichtige Kernkompetenz, daß gutausgebildene und auch mit Rethorik befähigte Pfarrer/innen gute sowie überzeugende Propagandareden für den Glauben halten, weil sie extra dafür ausgebildet wurden. Sie zu Verwaltungsbeamten und Geschäftsführern zu mißbrauchen, wäre sträflich. Das können andere Menschinnen und Menschen besser. An Theologinnen und Theologen zu sparen und/oder das Thema der Abnahme der Kirchensteuer-zahlenden nur unter dem Aspekt zu diskutieren, wie man mit viel weniger Pfarrern auskommt, würde ich für absolut verfehlt halten. Man kann an allem sparen, aber nicht an Menschen mit Kernkompetenzen. Wer es nämlich für ein Naturgesetz hält, daß man bei finanziellen Mindereinnahmen an den Talarträger/innen einsparen muss, wird über kurz oder lang die gleiche unselige Strategie verfolgen, kirchliche Megagemeinden zu installieren. Auch Christenmenmeinschen sind Gemeinschafts-wesen und dazu gehört, daß eine Gemeinschaft überschaubar sein und Nestwärme erzeugen sollte. Es ist nur mögliich das Gesetz Christi zu erfüllen nach dem Motto „einer trage des andere Last“, wenn man den anderen Menschen auch persönlich kennt. Ich erlebe hier in einer kleinen Großstadt, daß kaum eine Kerngemeinde und (fast) keine Gemeindegruppen bestehen und sich folglich viele Gemeindemitglieder überhaupt nicht kennen und schon gar nichts voneinander wissen.

    Es ist zwar richtig, daß die Digitalisierung es auch uns Christen erlaubt, mit unserer gesprochenen Botschaft in viele Wohnzimmer zu kommen und man daher – vielleicht auch vorschnell – dies als eindeutig positiv auf die andere Seite der Waagschale legt. Hier gebe ich aber auch zu bedenken, daß das Ansehen von Gottesdiensten und anderen geistlichen Angeboten mittels der digitalen Technik weder bei mir noch bei anderen Zeitgenossen dazu führt, daß man geistlich die Geschwisterlichkeit unter Christen praktiziert, die Gemeinde ausmacht. Gemeinde Jesu Christi ist über alle Konfessionen und Gemeinschaften hinaus, daß zwei oder drei im Namen Christi zusammen sind und er mitten unter ihnen ist. Nachdem ich irgendwo, und nicht am 1. April, gelesen habe, daß es irgendwo die künstliche Intelligenz schon als Beichtautomaten gibt, könnte noch jemand auf die Idee kommen, ein digitales Abendmahl einzuführen. Fortschritt ist manchmal gut, aber auch manchmal negativ. Da muss man die Geister unterscheiden, bevor man das Kind mit dem Bade ausschüttet.

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