Mit ihrem Programm „Neustart im Team“ (NesT) umgehen die Kirche in Westfalen und andere Beteiligte Probleme der Flüchtlingspolitik: 500 besonders schutzbedürftige Geflüchtete können nach Deutschland kommen und werden hier von Mentoren persönlich begleitet.

Im September soll es so weit sein. Dann werden die ersten Geflüchteten des Programms „Neustart im Team“ (NesT) nach Deutschland kommen. Damit diese hier optimal empfangen werden, bereiten die Kirche in Westfalen und andere Akteure sich schon jetzt darauf vor.

Das Konzept von NesT setzt auf eine ganz persönliche Betreuung der Geflüchteten. Erst einmal sollen 500 besonders schutzbedürftige von ihnen am Programm teilnehmen können. Als besonders schutzbedürftig gilt, wer in seinem Erstzufluchtsstaat wie dem Libanon oder Äthiopien nicht sicher ist. Das kann der Fall sein, wenn sein Leben, seine Sicherheit oder seine Gesundheit dort gefährdet ist. Die 500 Geflüchteten dürfen sicher nach Deutschland kommen und bekommen hier mindestens drei Jahre Aufenthalt zugesprochen. Ein Aufnahmeverfahren bleibt ihnen erspart.

Mentoren stehen bereit

Während ihrer Zeit in Deutschland werden sie von Mentorengruppen eng begleitet. Diese kommen beispielsweise zwei Jahre lang für die Kaltmiete auf und unterstützen die Neubürger ein Jahr lang ideell auf ihrem Weg. Zusätzlich dazu können die Geflüchteten an einem Integrationskurs teilnehmen. Und auch die Mentorinnen und Mentoren werden durch das Programm geschult.

Schon jetzt, zwei Monate nach Programmbeginn, haben sich 25 Mentorengruppen gefunden. 13 von ihnen kommen aus dem Bereich der Evangelischen Kirche in Westfalen. Diese hat das Programm maßgeblich vorangetrieben und unterstützt die Mentoren aus einem Fonds von 425.000 Euro. „Das sind engagierte, sehr pragmatische, lösungsorientierte Menschen, gut im Gemeinwesen vernetzt, keine Traumtänzer“, sagte Edgar Born am Mittwoch in Berlin. Er leitet die Stelle, die für die Schulung und Begleitung der Mentoren zuständig ist.

Stachel gegen Gleichgültigkeit

500 Personen in zwei Jahren sei nur eine kleine Zahl und keine hinreichende Antwort auf das Versagen der europäischen Politik, aber „vielleicht ein Stachel gegen die Gleichgültigkeit, das Wegsehen“, sagte Oberkirchenrat Ulrich Möller. Dieses Gemeinschaftsprojekt von Staat, Kirche und Einzelpersonen soll zeigen: „Wir können etwas tun – gemeinsam.“ Er hofft, dass dieses Projekt Akzeptanz bei denen hervorruft, die Angst haben, dass die Integration die Gesellschaft überfordert. Dann könnten aus den 500 bald 5.000 oder mittelfristig sogar 50.000 werden.

Neben der Kirche sind noch viele weitere Akteure an dem Pilotprojekt beteiligt. Umgesetzt wird es vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (IntB) sowie dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Von zivilgesellschaftlicher Seite unterstützen neben den Kirchen auch Wohlfahrtsverbände, Nichtregierungsorganisation sowie Stiftungen das Programm. Die Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen kontrolliert, wer besonders schutzbedürftig ist. Finanziell wird das Projekt von der Bertelsmann Stiftung, der Stiftung Mercator und der Evangelischen Landeskirche von Westfalen unterstützt.

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen ein