Eine warme Mahlzeit am Tag ist für die Menschen in Bulgarien nicht selbstverständlich. Die Erste Evangelische Kirche Sofia hat deshalb eine Suppenküche eröffnet. Manche Bedürftige kommen täglich.

Von Taro Kataoka und Frank Wiedemeier

Es ist Dienstagvormittag. In der Küche der Ersten Evangelischen Kirche Sofia, mitten im Stadtzentrum der bulgarischen Hauptstadt, wird gekocht. Ana ist Köchin und bereitet „pile i oriz“ zu, Hähnchen und Reis, ein typisch bulgarisches Essen. Währenddessen kümmern sich Iskren und Lilia um die Essensausgabe, die sich im Eingangsbereich befindet. Für Punkt 12 Uhr werden die Gäste erwartet.

Warme Mahlzeiten nicht selbstverständlich

Dann ist es soweit. Auch Stanislav Alexiev, zweiter Pastor der Kirchengemeinde, hilft mit, das Essen zur Ausgabe zu tragen. Einige Menschen warten bereits. Bonka ist auch gekommen. Sie ist 90 Jahre alt und gehört seit 34 Jahren zur Ersten Evangelischen Kirchengemeinde in Sofia. Sie hat den Kommunismus und dessen Zusammenbruch erlebt. Ihr Leben ist von Armut geprägt. Eine warme Mahlzeit am Tag ist für sie nicht selbstverständlich. Und so ist sie dankbar, dass ihre Gemeinde in den 90er-Jahren eine Suppenküche eingerichtet hat. „Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus geriet die Landeswährung Leva stark unter Druck und es kam zu einer massiven Inflation“, berichtet Stanislav Alexiev. „Die Menschen hatten auf einmal kein Geld mehr, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Noch nicht einmal für Nahrungsmittel reichte das Geld. Vor allem in Sofia war es sehr schlimm. Selbst hochqualifzierte Menschen waren nicht in der Lage, ihre Miete zu zahlen, und haben alles verloren.“

Konkrete Hilfe für Menschen in Not

In dieser Situation initiierte der damalige Pastor Christo Kulichev die Suppenküche. Von montags bis freitags gibt es seit über 20 Jahren eine Suppe als Vorspeise und ein Hauptgericht. Gekocht werden typisch bulgarische Gerichte, damit sich die Gäste heimisch fühlen. „Anfangs kamen 80, teils bis zu 100 Menschen zur Suppenküche auf das Gelände der Kirchengemeinde. Seitdem sich die wirtschaftliche Situation im Land und vor allem in Sofia entspannt hat, sind es etwa 40 Personen, die jeden Tag kommen“, weiß Pastor Alexiev. Manchmal verköstigen sie auch bis zu 60 Menschen. Bonka wohnt weit außerhalb vom Stadtzentrum und benötigt mit dem Bus eineinhalb Stunden für eine Strecke.

„Gottes Gnade und Gegenwart ist nicht an ein Gebäude gebunden, sondern zeigt sich im Menschen.“

Dabei muss sie zweimal umsteigen. So geht es vielen Bedürftigen, da sie sich eine Wohnung im Zentrum nicht leisten können. „Wir denken daher darüber nach, vom Zentrum, dem Standort unserer Gemeinde, in das Umland zu gehen“, berichtet Pastor Alexiev. „Derzeit unterhält die Gemeinde eine kleine Missionsstation in einem von Roma bewohnten Gebiet. Eine andere Station liegt in einem Vorort, wo junge Menschen und Studenten leben. Das Betätigungsfeld in der mit knapp 1,4 Millionen Einwohnern großen Stadt Sofia ist gewaltig.“

Speise für Leib und Seele

Bulgarien ist orthodox geprägt. Nach deren Verständnis ist Gott nur in der Kirche zu finden. „Wer Gott erfahren und seine Gnade empfangen möchte, muss nach orthodoxem Verständnis in die Kirche gehen. Als evangelische Kirchengemeinde haben wir ein anderes Verständnis. Gottes Gnade und Gegenwart ist nicht an ein Gebäude gebunden, sondern zeigt sich im Menschen“, sagt Pastor Alexiev. Die Gemeinde gehört zur Union der evangelikalen kongregationalen Gemeinden in Bulgarien – seit vielen Jahren ein Partner der FeG Auslandshilfe. Die 125 Mitglieder zählende Gemeinde in Sofia möchte sich auf den Weg zu den Menschen machen. Mit 180 bis 200 sonntäglichen Gottesdienstbesuchern möchte sie sich nicht zufriedengeben. Von den Bedürftigen, die zur Suppenküche kommen, finden Einzelne den Weg in den Gottesdienst. „Das freut uns sehr. Denn wir haben mehr anzubieten als eine Speise für den Körper. Wir möchten den Menschen vor allem geistliche Nahrung spenden“, unterstreicht Alexiev. Und so bittet er die Gemeinden in Deutschland vor allem um Gebetsunterstützung.

„Für die Menschen hier geht es um das Stillen von Grundbedürfnissen.“

Jede Spende verändert Leben

Daneben benötigt die Kirchengemeinde weiterhin finanzielle Unterstützung, denn allein aus eigenen Mitteln sei die Arbeit der Suppenküche kaum zu stemmen. „Für jeden bereits gespendeten Euro aus Deutschland ist die Gemeinde sehr dankbar, da er das Leben hier in Bulgarien verändert. Auch wenn es vielleicht für Deutschland langweilig zu hören sein mag, dass jeder Euro etwas bewirkt: Für die Menschen hier geht es um das Stillen von Grundbedürfnissen. Bitte betet weiter, und wenn es euch möglich ist, dann helft uns weiterhin.“ Inzwischen ist es nach 12:30 Uhr. Die Pforte der Suppenküche schließt. Morgen werden viele von ihnen wiederkommen.

Mehr Infos zur FeG Auslandshilfe gibt es hier.


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Christsein Heute erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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