Holzwürfel mit Buchstaben rechts
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Der Theologe Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), warnt im Tagesspiegel, dass Vordenker der Neuen Rechten wie Karlheinz Weißmann ein „völkisches Christentum“ neu etablieren und damit ihren Nationalismus sakralisieren wollen. Das Milieu reiche von gegenmodernem Katholizismus und Alt-Luthertum über evangelikale Freikirchler bis hin zu spirituellen Einzelgängern und Neuheidnischem.

Link: Kirche und Rechtsextremismus: Die Augenwischer (Tagesspiegel)

10 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Mit „völkisches Christentum“ hat die EKD ja viel Erfahrungen gesammelt. War das doch ihre Position im 3. Reich.

    Ich persönlich halte von solche Analysen wie der Theologe Claussen sie aufstellt nicht viel. Es sind dem Zeitgeist gefällige Analysen. Man muss etwas gegen bestimmte Kreise schreiben und skandalisieren – egal ob es Sinn macht oder nicht.
    Inhaltlich ist es Unsinn! Vor einem „völkisches Christentum“ muss man nicht warnen, weil es das nicht geben kann. Das war auch das Problem der evangelischen Kirche im 3. Reich. Es funktioniert nicht. Jesus war/ist Jude und war auch nie etwas anderes. Das trifft auch auf Maria, Joseph, Paulus, Johannes, Petrus und viele andere zu. Völkisch ist nichts im Christentum, das Christentum ist (außer der evangelischen Kirche) im Kern immer eine nichtvölkische Kirche.

    Eher sollte man von einem Christentum warnen das es aktuell gibt: Eines das Jesus immer mehr verleugnet und das so abgehoben ist das es nicht einmal merkt das es den Menschen nicht mehr erreicht. Das ist das große Problem des Christentums in Deutschland und das Problem wird nicht gelöst weil es die Kirchenfunktionäre nicht interessiert.
    Und speziell bei der evangelischen Kirche hat dieses Problem sogar Parallelen zum „völkischen Christentum“. Denn die evangelische Kirche versucht immer den Zeitgeist zu folgen, was zu früher einem völkischen Christentum geführt hat und heute eine Kirche darstellt die der Esoterik und dem Atheismus oftmals mehr Raum gibt als Jesus.

    • Das völkische nationalistische Christentum war mitnichten nur ein Problem des „3. Reichs“. Es war die europäisch, insbesondere deutsch vorherrschende Richtung des Christentums im 19. und erste Hälfte des 20. Jahrhundert. Man war Nationalist und Christ und sah darin auch keinen Widerspruch.

      Das etwas entgegen der eigentlichen christlichen Lehre ist, hat insbesondere fundamentalistische und sehr rechte Christen noch nie davon abgehalten, dennoch diese Überzeugung zu haben. Der Ku-Klux-Clan z.B. wurde von einem christlichen Pastoren wiedergegründet (William Joseph Simmons).

      • Was ist denn an Christen schlecht, die ihr Land, ihre christlichen Traditionen, Gebräuche, Kultur und generell das eigene Land lieben?

        Sowas findet man doch überall auf der Welt.

        • Lieber Daniel Weber

          ist das wirklich ernst gemeint ? Es geht nicht darum, die Gebräuche, Kultur und generell das eigene Land nicht zu lieben – so wie es normal ist eine Bindung an die unmittelbare Heimat zu haben. Im Dritten Reich war fatal, als die Nazis, ja meist selbst gottlos oder dumm, sehr geschlossen an den Wahlen der Ev. Kirchengemeinderäte teilnahmen und dann diese fast völlig zu übernehmen – der Rest wurde schmählich mit einem Tritt in den Hintern hinausgeworfen. Die Kirche sollte vertrauensvoll dem Führer und Antichrist Adolf Hitler gehorchen, musste Juden aus der Kirche ausschließen und verfügte über einen strammen Reichsbischof Ludwig Müller. Natürlich gab es einen Kirchenminister. Wer vom kirchlichen Bodenpersonal nicht funktionierte, dem wurde vom Gerichtsvollzieher das Dienstsiegel sowie der Kirchenschlüssel abgenommen und das Gehalt gestrichen. Die Männer in den schwarzen Ledermänteln saßen wie später die Stasifunktionäre in den Kirchenbänken, zückten ihre Schreibblocks und schrieben die Predigt mit. Aus meiner Heimatgemeinde ist berichtet, dass der benachbarte und bei allen Christen sehr beliebte katholische Pfarrer die Unverschämtheit besessen hatte, ausgerechnet auch noch zu sterben. Mehrere tausend Menschen gingen von dem Sterbegottesdienst durch die Straße der Kleinstadt zum Friedhof, darunter viele Unkirchliche sowie auch alle Pfarrer aus anderen Konfessionen. Die Nazis standen zornig auf den Dächern und fotografierten den Marsch. In meiner Ev. Kirche predigte in der Kurkirche der Pfarrer Deutschen Christen als Hitlers fünfte Kolonne. Der ev. Geistliche der anderen Gemeinde gehörte der Bekennenden Kirche an, wurde nur von den Gemeindemitgliedern alimentiert und man hatte jeden Tag Angst, er könne abgeholt werden. Übrigens hatte man vor dem Spuk des Dritten Reiches auch freundschaftliche Beziehungen mit der jüdischen Gemeinde und besuchte sich bei den Gemeindefesten u. ä.

          Damals ging es nicht um Heimatliebe, sondern um die Herrschaft eines Antichristen. Das Schlimme dabei ist, dass sich eigentlich niemand nur auf seine Hilflosigkeit und Angst berufen kann, insbesondere wenn man begeistert Heil schrie. Auch eine immer mehr von rechtsradikalen, fremdenfeindlichen bzw. rassistischen Kräften unterwanderte AfD darf niemand täuschen, wenn sie eine christliche und jüdische Arbeitsgemeinschaft gründete.
          Wer das Untier zu sehr streichelt, wird bald und plötzlich von ihm aufgefressen.

        • Es wird dann schlecht, wenn man aus dieser Überzeugung heraus andere Menschen (mit anderen Überzeugungen) abwertet, ausgrenzt oder sogar verfolgt.

          So ist es damals geschehen. Und so geschieht es auch heute noch teilweise.

        • Zitat: „Was ist denn an Christen schlecht, die ihr Land, ihre christlichen Traditionen, Gebräuche, Kultur und generell das eigene Land lieben?“

          Nun, wenn sie ihr eigenes Land _w_i_r_k_l_i_c_h_ lieben, dann werden sie auch wollen, dass darin Gottes Wille geschieht. Also z.B. Flüchtlinge aufgenommen werden. Oder die Armen unterstützt werden, durch eine entsprechende „Sozialgesetzgebung“. Das sind Punkte, die rechts außen aber nicht auf dem Programm stehen.

          „Sowas findet man doch überall auf der Welt.“

          Ja, sowohl einen gesunden Patriotismus wie einen ungesunden Nationalismus.

  2. “ES IST NICHTS NEUES UNTER DER SONNE”
    (Sprüche Salomos/BIBEL)

    Und doch wiederholt sich nichts: eins zu eins

  3. Mir fällt auf, dass eine EKD die sonst ständig die Vielfalt, Buntheit und den Pluralismus auf ihre Fahnen schreibt bei den „neuen Rechten“ keinen Spaß versteht. Da wird antidemokratische und völkische Gesinnung unterstellt, letztlich wird die Nazi-Keule ausgepackt und damit jeder offene Diskurs erschlagen.
    Es scheint , dass Befürworter der Nationalstaaten, die den wachsenden Einfluss von EU und UN auf souveräne Länder skeptisch beurteilen, direkt dem Hades entsprungen sind.
    Das „christliche Abendland“ hat man ja schon geopfert auf dem Altar der Toleranz, alle Religionen sind „gleichwertig“ besser noch, jede Religion hat sich den neu entdeckten Werten der Völkerfamilie unterzuordnen, die da wären, Rettung des Klimas, Metoo, BLM und Gender-Ideologie.
    Konservativen, also Leuten denen diese neuen Götzen suspekt sind und die an traditionellen Werten festhalten wollen, einschließlich der “ Religion der Väter“ werden böse Motive unterstellt, so wird die Spaltung der Gesellschaft zementiert.
    Allgemein gilt, beide Seiten sollten Abstand nehmen von einer politisch instrumentalisierten Form des Glaubens.
    Das hat sich in der langen Geschichte des Christentums immer als kontraproduktiv herausgestellt!

    • Christinnen und Christen sollen tolerant sein

      Lieber Stammtischbruder,
      sicher ist es nur meine Meinung und Überzeugung, aber ich halte sie schon für nah an der Wahrheit. Ich will sagen: Die Buntheit und Vielfalt der EKD, so wie ich sie auch oft beschrieben habe, ist die gute Vielfalt an Frömmigkeitsformen. Das hat nun wirklich überhaupt nichts damit zu tun, dass man den Rechten (der AfD) gegenüber unrecht tut, wenn man völkische Gesinnung unterstellt. Dies mag nicht für jedes Parteimitglied gelten, aber einer nicht unerheblichen Tendenz dieser Partei. Da wird keine Nazikeule geschwungen. Aber bedenklich ist die Tatsache, dass da die alten Geister wieder zuhauf aus der Versenkung auftauchen wie Intoleranz, Rassismus und zudem ein rüpelhaftes Verhalten im Bundestag und den Landtagen durch AfD-Abgeordneten: An der Sprache wird man erkennen, dass hier Spaltung betrieben werden soll um der Spaltung willen und mit der Absicht, die aus vielen Gründen Enttäuschten als Wähler anzusprechen. Es hat auch in diesem Sinne Methode, die Journalisten, das Fernsehen, die Presse und alle die sich hier äußern, als Lügner zu bezeichnen. Es gibt leider Sekten die auch so argumentieren und die sprechen dann vom System der Dinge. Man ist böse, weil man in ihm ist.

      In Deutschland gibt es bei den Ev. Kirchen und Freikirchen, der Katholischen Kirche und den Synagogengemeinden niemand, der sich politisch instrumentalisieren lässt – dies ist völlig absurd und geradezu gelogen. Noch grotesker sind Behauptungen anderer, die Ev. Kirche in Deutschland werde von Linken, Grünen oder sogar von Marxisten unterwandert – oder sie sei es schon. Wer das sagt, kennt nicht wirklich unser kirchliches Innenleben: Es ist nicht perfekt und alle kochen mit Wasser.
      In den Parteien der Linken, ,Grünen über die FDP, SPD, CDU und wohl auch der kleinen Parteien gibt es ganz viele Menschen, die ihren Glauben als Christ*innen praktizieren.

      Als überzeugter Christ ohne wenn und aber halte ich dennoch jede andere im Lande bestehende Religionsgemeinschaft für in dem Sinne gleichwertig, dass sie ihre andere Vorstellung von Gott leben und weitersagen darf – soweit sie nicht gegen das Grundgesetz. die Menschenrechte und andere Gesetze verstößt . Auch der ganz großen Mehrheit unserer muslimischen Mitbürgern unterstelle ich, dass sie an einen barmherzigen Gott und die Richtigkeit der 10 Gebote glauben.

      Bleibt noch die Tatsache, dass die Klimakatastrophe schlichtweg von der AfD geleugnet wird. Toleranz ist ein mit der Nächstenliebe verwandter Begriff ein Merkmal aufrichtiger Christen, auch gegenüber jenen die aus einem anderen Gesangbuch singen oder gar nicht. Ich will niemand beleidigen, aber Toleranz gegen Intolerante darf nicht sein. Will sagen: Ich halte die politische Richtung der AfD oder ähnlicher Gruppierungen für unchristlich. Viele ihrer Aussagen widersprechen der wirklich zeitlosen Wahrheit der Bergpredigt, von Jesus selbst gehalten und die für alle Zeiten gültig ist. Im Sinne der Bergpredigt ist das Christentum und sind damit die Glaubensgemeinschaften auch berechtigt und verpflichtet, politische Aussagen zu machen – selbstverständlich nicht parteipolitisch. Dass dies dann mit rechtslastigem Gedankengut völlig inkompatibel ist liegt nicht an der Bergpredigt, sondern in der Natur der Sache

      • Aus Anlass der Kommentare hier: Toleranz und Relativismus werden oft verwechselt.

        Toleranz heißt: „Du darfst denken, was ich für falsch halte, und tun, was ich für schädlich halte, das ist dein Recht und ich werde es gegen Feinde der Toleranz verteidigen.“ Natürlich hat Toleranz Grenzen, es gibt Verbrechen, die nicht toleriert werden, und in Deutschland gibt es auch Meinungen, die verboten sind (etwa die Holocaustleugnung oder der Nationalsozialismus).

        Relativismus heißt: „Du hast deine Wahrheit, und ich habe meine, die sind gleichwertig.“ Relativismus ist nicht Toleranz, auch keien Steifǵerung davon. Der Hinduismus ist Relativistisch, weshalb er Polytheismus, Henotheismus und Pantheismus unter sich vereinigen kann, aber nicht relativistische Gedanken (und einige andere Abweichungen) werden in Indien verfolgt, insbesondere Buddhismus und Christentum.

        Christen sollten tolerant sein, das fordert Jesus in der Bergpredigt. Aber wir sollten nicht relativistisch sein, denn Jesus ist der einzige Weg zu unserem himmlischen Vater, Jh 14,6.

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