Kirchen fordern nach Anschlägen besseren Schutz für christliche Minderheiten

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Eine zerstörte Marienfigur in Sri Lanka.
Die Anschläge in Sri Lanka forderten hunderte Tote. Foto: Pradeep Dambarage / picture alliance / Pacific Press Agency
Sri Lanka ist nach den Anschlägen vom Ostersonntag weiter in Alarmbereitschaft. Angeblich stammen die Selbstmordattentäter aus wohlhabenden Familien. Derweil fordern die Kirchen in Deutschland mehr Schutz für christliche Minderheiten.

Nach den Osteranschlägen auf Kirchen und Hotels mit mindestens 359 Toten hat Sri Lankas Präsident Maithripala Sirisena den Verteidigungssekretär und den Polizeichef zum Rücktritt aufgefordert. Wegen einer Geheimdienstpanne will Sirisena zudem die gesamte Führungsriege der Sicherheitskräfte austauschen, wie Medien in Sri Lanka am Mittwoch berichteten. Bei den Anschlägen wurden auch mehr als 500 Menschen verletzt.

Indien hatte Sri Lanka mehrfach vor islamistischen Anschlägen über die Osterfeiertage gewarnt, die Hinweise waren aber offenbar folgenlos geblieben. Die Polizei hat inzwischen um die 60 Verdächtige festgenommen. Nach Angaben der Regierung sollen die neun Selbstmordattentäter aus wohlhabenden Familien in Sri Lanka stammen.

Zu den Anschlägen auf drei Kirchen und drei Luxushotels am Ostersonntag hat sich inzwischen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannt. Sie veröffentlichte auf ihrer Website Fotos und Videos der mutmaßlichen Selbstmordattentäter. Sri Lankas Regierung hatte die blutigen Anschläge als einen Racheakt islamischer Terroristen für das Moschee-Massaker Mitte März im neuseeländischen Christchurch bezeichnet. Doch Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern erklärte, ihre Regierung habe keinerlei Hinweise auf einen direkten Zusammenhang.

Christen im Fokus

Die Grünen in Deutschland drückten am Mittwoch ihre Solidarität mit den Christen in Sri Lanka aus. Bei den Anschlägen sollten vor allem Christen getroffen werden, „aber auch Menschen, die einen freiheitlichen, westlichen Lebensstil pflegen“, schrieben die Grünen in einem an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Vereinigung Evangelischer Freikirchen adressierten Schreiben.

Zuvor hatten die EKD und die Bischofskonferenz weltweit zum Schutz christlicher Minderheiten aufgerufen. Die Religionsfreiheit sei ein elementares und unveräußerliches Menschenrecht, sagte der Vizepräsident im EKD-Kirchenamt, Horst Gorski, den Funke-Zeitungen.

Weiterhin Ausgangssperre

Sri Lanka war auch am Mittwoch weiter in Alarmbereitschaft. Am Montag hatte die Regierung den Notstand verhängt. Auch für Mittwochnacht wurde eine Ausgangssperre in Kraft gesetzt. Es soll Hinweise geben, dass weitere Attentate von Islamisten geplant waren. Die Regierung hatte die Anschläge als eine „völlig neue Art von Terrorismus“ bezeichnet.

Nach Regierungsangaben soll die wenig bekannte, islamistische Terrorgruppe National Thowheeth Jamath (NTJ) mit Hilfe eines internationalen Netzwerkes Drahtzieher der Anschläge sein. Der NTJ-Gründer Zahran Hashim stammt aus einer reichen Gewürzhändler-Familie. Er und sein Bruder sollen für die Selbstmordattentate auf die Hotels Shangri-La und Cinnamon Grand in Colombo verantwortlich sein.

Attentäter soll im Ausland studiert haben

Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene erklärte, die Selbstmordattentäter seien gut gebildet und kämen aus der Mittel- oder gehobenen Mittelschicht. „Sie sind finanziell recht unabhängig und ihre Familien leben in stabilen Einkommensverhältnissen“ , erklärte er im Parlament. Manche von ihnen hätten offenbar im Ausland studiert. Ein Attentäter soll Universitäten in Großbritannien und Australien besucht haben. Unter den neun Selbstmordattentätern ist den Angaben zufolge eine Frau, die mit einem der Attentäter verheiratet war.

Am Mittwoch führten zahlreiche Hotels in Colombo neue Regeln ein, wonach vollverschleierte Frauen keinen Zutritt mehr erhalten sollen. Eine Debatte über ein generelles Burka-Verbot soll ins Parlament gebracht werden. Mehr als 70 Prozent der 22 Millionen Einwohner der Tropeninsel sind Buddhisten, zwölf Prozent Hindus, zehn Prozent Muslime und gut sieben Prozent Christen. Die Regierung blockierte weiter eine Reihe sozialer Medien wie Facebook, Instagram und Whatsapp, um die Verbreitung von Gerüchten und Fake News einzudämmen.

2 DIREKT-KOMMENTARE

    • Alle Religionen sollten sich solidarisieren gegen gottlose Gewalt

      Den Direktkommentar habe ich nicht kapiert. Sollte der IS damit gemeint sein, ist er selbstverständlich richtig. Mit Hass, Mord und Gewalt unter dem Vorwand von Religion – Islamismus hat mit Islam überhaupt nichts zu tun – schadet man nicht nur dem Islam selbst, sondern auch jedwedem anderen Glauben gutwilliger Menschen. Gewalt im Namen und unter Missbrauch von Religion treibt nicht nur einen Keil zwischen unsere christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften und dem Islam, sondern dient auch dem Atheismus oder Nihilismus. Genährt wird dabei nämlich die völlig absurde These, jede Religion trage den Keim des Unfriedens und der Gewalt schon in sich. Religionsdiener würden nämlich die Menschen belügen und betrügen. Demnach wäre das Christentum nur eine mildere Form indirekten Unfriedens als beim Islam. Allerdings lassen uns bei dieser völlig abwegigen böswilligen Thesen dennoch die Religionskriege und die Kreuzzüge des Mittelalters herzlich grüßen. Armut sät Hass auf eine zivilisierte in sich selbst verliebte Gesellschaft. Hass und aus ihnen entstehender Generalverdacht sind schlechte Ratgeber. Die Bergpredigt rät allerdings, zuerst den Balken aus dem eigenen Auge zu ziehen.

      Noch gelten die Anschläge des Terrors etwa zu 90 % der eigenen Glaubensgemeinschaft der Anhänger des Propheten, aber jetzt kommen anscheinend auch wir Christen noch mehr ins Visier der gottlosen Religionskämpfer. Hier müssen alle Religionen und Glaubensgemeinschaft umso enger zusammenrücken und für Frieden und Versöhnung unter den Menschen eintreten und sich damit kompromisslos gegen jedwede Art von Terror positionieren. Auch wenn Aufklärung oft nichts nützt, sollte man auf sie nicht verzichten. Für den offiziellen Islam sind Christen keine Heiden bzw. Gottlosen, sondern wurden/werden als so eine Art Stiefgeschwister anerkannt als diejenigen, die als Juden oder Christen eine Buchreligion sind und auf dem alten gemeinsamen Fundament des Alten Testamentes der Bibel stehen.

      Jesus war/ist die Verkörperung des Charakter Gottes, der Liebe ist und der den Messias als Friedefürst auf Erden schickte. Sagte Jesus doch: Wer durch das Schwert benutzt, wird auch durch das Schwert umkommen. Unsere geistliche Waffenrüstung als Christinnen und Christen sind die Liebe, Vergebung, Versöhnung, Friedfertigkeit und die Bescheidenheit durch die Erkenntnis, daß nur Gott alles Wissen besitzt und wir als Gläubige eben nicht. Fundamenalismus ist ein Spaltpilz menschlicher Gemeinschaften. Unter Glauben, Hoffnung und Liebe ist die Liebe die Größte. Gott ist Liebe. Das glauben auch die Anhänger des Propheten – oder sie sollten es. Allah ist das arabische Wort für Gott, den auch die Christen in arabischen Ländern so aussprechen.

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