Mit Empörung haben Kirchenvertreter auf Wahlplakate der rechtsextremen NPD mit dem Bild des Reformators Martin Luther reagiert. Die Stiftung Luthergedenkstätten prüft nun eine Klage gegen die rechtsextreme Partei.

Vertreter aus Kirche und Kultur haben Wahlplakate der rechtsextremen NPD scharf kritisiert. In mehreren Bundesländern wirbt die Partei um Wählerstimmen mit dem Bild des Kirchenreformators Martin Luther (1483-1546), wie die Sprecherin der Stiftung Luthergedenkstätten, Nina Mütze, am Mittwoch erklärte. Belege dafür gebe es unter anderem aus Bayern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen.

Wahrscheinlich seien bundesweit solche Wahlplakate im Umlauf, «überall dort, wo die NPD plakatiert», sagte die Sprecherin. Die Stiftung prüft nun eine Klage gegen die NPD. Die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und die Westfälische Kirche verurteilten unterdessen, dass diese Wahlplakate offenbar bevorzugt in der Nähe von Kirchen oder kirchennahen Einrichtungen aufgehängt werden.

Gegen die Partei solle wegen der Verletzung von Urheberrechten demnächst Klage eingereicht werden, betonte die Sprecherin der Luthergedenkstätten. Bereits 2017 hatte die Stiftung juristische Schritte gegen die Verwendung des Plakatmotivs durch die NPD im Bundestagswahlkampf geprüft. Seit damals seien weitere Hinweise und Fotos wegen Verstößen gegen das Urheberrecht gesammelt worden.

Hier stehe ich, ich kann nicht anders

Auf dem Wahlplakat der rechtsextremen Partei ist neben dem Konterfei des Reformators eine Abwandlung seines bekannten Zitates «Hier stehe ich, ich kann nicht anders» zu sehen. Bei der NPD heißt es: «Ich würde NPD wählen – Ich könnte nicht anders.» Dabei wird ein Lutherporträt aus dem Jahr 1528 verwendet, das in der Dauerausstellung des Lutherhauses in Wittenberg hängt.

Die Stiftung sieht das Urheberrecht der Fotografin, die alle Nutzungsrechte an die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt übergeben hat, verletzt. Falls eine andere Fotografie verwendet wurde, wäre auch dies nicht erlaubt, weil die Besucherordnung nur Fotos für den privaten Gebrauch zulässt. Das Urheberrecht des Künstlers Lucas Cranachs d. Ä. (1472-1553) kann nicht mehr verletzt werden. Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers.

„Missbrauch Luthers“

Das Plakat sei «ein peinlicher Versuch, Luther vor den eigenen Karren zu spannen», erklärte der westfälische Landeskirchenrat Jan-Dirk Döhling in Bielefeld. Ein Sprecher der EKBO betonte, die NPD versuche mit den Luther-Plakaten zu provozieren. «Diese Plakate werden, wie aus verschiedenen Gemeinden der EKBO immer wieder gemeldet wird, bevorzugt in unmittelbarer Nähe von Kirchen oder kirchennahen Einrichtungen aufgehängt, zum Teil wie in Storkow, direkt vor Wohnsitzen von Pfarrerinnen und Pfarrern.» Die Landeskirche verurteile «diesen Missbrauch Luthers auf das Schärfste». Zugleich rief sie ihre Pfarrerinnen und Pfarrer auf, «sich nicht zu unüberlegtem Handeln provozieren zu lassen, sondern mit dem Wort zu reagieren».

Die EKBO reagierte damit auf einen Fall im brandenburgischen Storkow. Die rechtsextreme NPD wirft einer Theologin vor, eines der umstrittenen Wahlplakate ihrerseits unter anderem mit den Worten «Garantiert nicht» beschmiert zu haben. Die Partei hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen die Pfarrerin gestellt.

«Meinen eigenen und den Religionsfrieden der ganzen Gemeinde sehe ich hier angegriffen und bedroht», begründete die Geistliche ihr Vorgehen gegen das Plakat. «Eine Partei, die menschenverachtend – und damit Christus-verachtend – agiert und wirbt, missbraucht einen großen Theologen, ohne den ich heute hier nicht stehen würde», sagte sie weiter. Die Form, mit der sie ihre Verärgerung ausgedrückt habe, sei falsch gewesen. «In Zukunft werde ich andere kreative Wege finden», sagte die Pfarrerin.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. ….auch die CDU & CSU …mißbrauchen den Namen „Christlich“, in ihrem Namen. Denn ihre Politik, z.B. Rüstungsexporte, Auslandseinsätze der Bundeswehr usw. sind alles andere als christlich. !!!

    • Die NPD und die Bergpredigt

      Lieber Karl-Hans Barth, als Wehrdienstverweigerer im längst vergangenen wehrfähigen Alter habe ich eine gewisse Sympathie für die Aussage, daß auch Rüstungsexporte nicht besonders christlich anmuten. Auch wenn ich eingestehen muss, daß man in ethischen Fragen als Christ unterschiedliche Meinungen haben darf, ist die Sache mit dem Mißbrauch kirchlicher Aussagen durch die NPD doch ein völlig anderes Kaliber. Luther etwa in den Mund zu legen, er hätte die Nationaldemokraten gewählt, ist 100%ige Provokation und dazu noch ein sehr dumm umformulierter Spruch. Denn mit Luther und der Aussage vor dem Reichstag in Mainz „ich stehe hier und kann nicht anders“, auch wenn dies nicht historisch ist, will man doch ausdrücken: „Ich kann nicht gegen meine feste Überzeugung und gegen mein Gewissen handeln“. Leider, leider muss man aber ein Gewissen haben, um gegen dieses zu handeln. Rechtsradikale und die linksradikale Entsprechung agieren entgegen gesetzt dem, was in der Bergpredigt an Menschlichkeit von Jesus gefordert wird. Dagegen ist der Populusmus der AfD nur ein sanfter Windhauch. Das ein Stehlen geistigen Eigentums juristisch zu bestrafen ist, kann man getrost Justizia überlassen. Die Nationaldemokraten haben nur wieder einmal unter Beweis gestellt, daß eine absolut geschrumpfte Partei durch den größten Schwachsinn bundesweit Aufmerksamkeit erhält. Aber andererseits: Als Christen können wir nicht zu allem schweigen. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auch in Form von politischem Fundamentalismus, nach dem Motto „wir haben die einzige und wirkliche Wahrheit“ verstößt gegen das wichtigste Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Nächste sind alle Menschen und wenn Flüchtlinge im Mittelmeer nicht mehr gerettet werden dürften und ertrinken, schlagen wir Jesus erneut ans Kreuz.

  2. Martin Luther war ein krasser antisemitism. Warum sollte er keine NPD Wähler sein?

    Die Nazis haben sie auch schon auf Luthers Schriften berufen und die evang. Kirch hat damals stillschweigend zugestimmt.

    Sieht für mich danach aus als ob die Kirche hier mal wieder ein bisschen historisches white-washing betreiben will.

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