Evangelische Landeskirchen, Freikirchen und katholische Bistümer wollen mehrheitlich Weihnachtsgottesdienste unter strengen Auflagen feiern. Das letzte Wort haben in den evangelischen Kirchen aber die Gemeinden.

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Trotz Lockdown und Kontaktbeschränkungen werden in vielen christlichen Gemeinden an Heiligabend Präsenzgottesdienste unter strengen Hygieneregeln stattfinden können. Hygienekonzepte mit Mindestabständen, Mund-Nasen-Schutz, Gesangsverbot und vielerorts auch Anmeldepflicht sollen das Ansteckungsrisiko für eine Corona-Infektion minimieren, teilten die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer mehrheitlich am Mittwoch mit. Diese sind nach einer Vereinbarung zwischen Religionsvertretern und dem Bund die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Gottesdienste stattfinden dürfen. Ähnliche Regeln gelten in vielen Gemeinden seit Monaten.

Eine Mehrheit der 20 evangelischen Landeskirchen und 27 katholischen Bistümer sprach sich gegenüber dem Evangelischen Pressedienst dafür aus, Gottesdienste an Heiligabend und Weihnachten stattfinden zu lassen. Ausnahmen sind bislang die Evangelische Kirche von Westfalen und die lippische Landeskirche, wo Gemeinden aufgerufen sind, bis zum 10. Januar auf Gottesdienste zu verzichten. Die sächsische Landeskirche äußerte sich ebenfalls vorsichtig. Gemeinden müssten abwägen. Was möglich sei, müsse nicht voll ausgeschöpft werden, hieß es in einer Mitteilung von Mittwoch. Sachsen verzeichnet derzeit sehr hohe Inzidenzen bei Neuinfektionen mit dem Coronavirus.

„Es gibt nicht den einen richtigen Weg“

In der mitgliederstärksten evangelischen Landeskirche, der Landeskirche Hannover, bleibe man bei der Linie, Gottesdienste mit Besuchern am Heiligabend nicht abzusagen, teilte die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers mit. Die 20 evangelischen Landeskirchen hatten verabredet, die Entscheidung über Präsenzgottesdienste den einzelnen Gemeinden zu überlassen. So sprachen sich mehrere leitende Geistliche, darunter der rheinische Präses Manfred Rekowski, für diese Lösung aus. Aber es gebe nicht den einzig richtigen Weg, betonte er.

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In der hessen-naussauischen, der pfälzischen, der badischen und der württembergischen Kirche gilt Vergleichbares. Auch die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) überlässt die Entscheidung über Präsenzgottesdienste den Gemeinden. Der freiwillige Verzicht auf Gottesdienste könne auch ein „verantwortliches Signal der Solidarität“ sein, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Viele katholische Bistümer unterstützen die Möglichkeit zum Gottesdienstbesuch, etwa die Bistümer Köln, Essen, Münster, Paderborn, Aachen, Speyer und Trier.

Bischöfin: Gemeinden tragen „hohe Verantwortung“

Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, betonte die hohe Verantwortung der Gemeinden vor Ort. Sie habe großes Verständnis, wenn Gemeinden ihre Präsenzgottesdienste an Weihnachten absagen, sagte sie in einer Videobotschaft an die Gemeinden. Im Zweifel sollten Gottesdienste eher abgesagt werden.

Nach Einschätzung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerischen Landesbischofs, Heinrich Bedford-Strohm, sind Präsenzgottesdienste keine Voraussetzung für die Verbreitung der christlichen Weihnachtsbotschaft, doch auch in Bayern sind Gottesdienste zu Weihnachten möglich. Bedford-Strohm hatte bereits am Dienstag auf Facebook mitgeteilt, dass man sich aber an die Ausgangssperre in Bayern halten werde. Damit entfallen traditionelle Christmetten in der Weihnachtsnacht. Die katholischen Bistümer hingegen hatten Ausnahmen für die Christmetten gefordert. Im benachbarten Baden-Württemberg werden Ausnahmen für Christmetten von der Ausgangssperre gemacht, und auch in Hessen wird an Heiligabend der Beginn der Ausgangssperre in betroffenen Kommunen auf 24 Uhr verschoben.

Der Bund-Länder-Beschluss von Sonntag hatte zu einer erneuten Diskussion darüber geführt, ob Gottesdienste abgesagt werden müssen. Das Angebot von Gottesdienstübertragungen im Fernsehen und Radio sowie im Internet wurde bereits ausgeweitet.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Was würde JESUS CHRISTUS tun?!
    Wir, als SEIN LEIB auf Erden haben in Wirklichkeit gar keine eigene Vorgehensweise parat. Gemäß dem Wort des Apostel Petrus in Johannes 6,68:“… HErr, wohin sollen wir gehen? DU hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: DU bist der HEilige GOTTES ”

    • Was Jesus tun würde ?!

      Was Jesus tun würde: Seinen Nächsten als Sitznachbar zu lieben wie Gott und von daher ( eventuell)auf die Teilnahme am Gottesdienst zu verzichten. Ich bin natürlich nicht allwissend. Aber wenn ich davon überzeugt bin, dass im Bibelvers Wahrheit steckt, der da lautet: Glaube, Hoffnung und Liebe – aber die Liebe ist die Größte unter ihnen. Dann könnte dies wahrscheinlich richtig sein. Nun kann man einwenden, Ansteckungsrisiken in der Kirche seien fast völlig auszuschließen, wegen großer Sorgfalt bei allen möglichen Hygienemaßnahmen. Ich würde diese Behauptung aber als eine schwache These ansehen, da ungefähr 75% aller Corona-Infektionen keiner bestimmten Ursache zuzuordnen sind. Im übrigen haben wir immer die Möglichkeit einer Vorgehensweise parat. Wir sind auch immer wieder – wie in einem solchen Falle – verpflichtet eine Entscheidung zu treffen und dem Grunde nach auch Verantwortung hierfür zu übernehmen. Das hat damit zu tun, dass der Mensch gegenüber Gott und seiner Umwelt wie in allen anderen Fragen einen Freien Willen besitzt, sonst wäre er bei einem unfreien Willen, wenn Gott uns daher lenken würde wie Marionetten, überhaupt nicht für sein ganzes Tun und Lassen verantwortlich. Gleichwohl gibt es in ethischen Fragen, wie beim hier diskutierten Thema, keine vollkommen richtige Antwort. Manchmal muss man sich schon zwischen Pest und Colera entscheiden. Ob Gottesdienst mit Realpräsenz stattfinden kann, ist keine Entscheidung zwischen zwei Übeln, weil es wunderschöne Fernseh- und Netzgottesdienst gibt, die viele Leute liebevoll vorbereiten und gestalten. Gott liebt uns nicht in dem Ausmaß unserer frommen Leistungen, sondern weil er uns nur um unserer selbst willen liebt. Sonst wäre unsere und die Liebe Gottes ebenso ein Vertrag auf Gegenseitigkeit. Im übrigen verstehe ich „unter Leib Christi“ eine herzliche und intime Gemeinschaft von Christ*innen und der gesamten Kirche auf Erden mit Gott, in Freiwilligkeit. Wenn Gott uns einen Freien Willen gibt, und uns damit sogar mit dieser Würde erst zu Menschen macht, dann können wir ihm jeden Tag wie der Verlorene Sohn im Gleichnis den Rücken kehren. Wenn ich ein Glied am Leibe Christi bin – gewissermaßen ein ganz winziges Rädchen in einem unendlichen Großen – dann bin ich doch frei zum Falschen, Bösen und zu eigenen Wegen. Ich bin also mit dem (Bild des) Leibes kein siamesischer Zwilling Gottes, ohne eigene Möglichkeiten. Ich schreibe das so ausführlich, weil das Bild vom Leib Christi ja gekrönt wird mit einem Kopf. Eine mE falsche Interpretation dieses Bildes ist dann die Annahme, es sei alles vorbestimmt. So wie der ganze Leib macht, was der Kopf will. Es gibt sogar Psychologen die behaupten, wir hätten in Wahrheit gar keinen Freien Willen, sondern würden nach komplizierten Naturgesetzen einfach funktionieren. Das müsste aber dann bedeuten, dass unser Böses dann nur unsere Fehlfunktion wäre und nicht unsere Sünde und Schuld. Daher sollte jeder selbst entscheiden, ob er derzeit Gottesdienste besucht. Wie sagt Papst Franziskus so zutreffen: Hier auf Erden müssen wir uns die Füße schmutzig machen. Denn manchmal ist man erst klüger, wenn man eine falsche Entscheidung getroffen hatte.

    • die Frage ist eigentlich ganz einfach zu beantworten:
      Jesus stellte das Leben über selbst wichtige Gebote. Er brach den Sabbat, als es um etwas zu essen ernten ging.
      Also selbst das nicht lebensbedrohende Hungergefühl war ihm wichtiger als eines der wichtigsten jüdischen Gebote.

      Wie wird er da wohl zu Gottesdiensten (deren Notwendigkeit sich nicht aus der Bibel ergibt) im Verhältnis zur Gefahr von Leib und Leben geurteilt haben?

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