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Kritik am fortwährenden Ausschluss messianischer Juden vom Kirchentag hat Ralf Albrecht, Vorsitzender der Christusbewegung „Lebendige Gemeinde“ in Württemberg, geübt. Er nannte die Entscheidung „falsch, unnötig und beschwerlich“.

Das Präsidium des Evangelischen Kirchentags hatte sich bereits im Januar dafür ausgesprochen, messianischen Juden die aktive Mitwirkung – konkret: dem „Markt der Möglichkeiten“ – auch beim Kirchentag 2015 in Stuttgart zu untersagen. Dies wird seit 1999 so gehandhabt. Hintergrund ist die Sorge um den jüdisch-christlichen Dialog. Messianische Juden glauben an Jesus als den Messias Israels, bezeichnen sich selbst jedoch nicht als Christen sondern befolgen in Teilen den jüdischen Ritus. So halten sie zum Beispiel den Sabbat.

 Albrecht forderte das Präsidium auf, diesen Beschluss zurückzunehmen. „Die ausgeschlossenen Gruppierungen arbeiten nach unserem Wissen und unserer Kenntnis in jeder Hinsicht im Rahmen der Grundlinien unserer württembergischen Landeskirche“, sagte Albrecht gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur „idea“. Württembergische Pfarrer seien in entscheidenden unterstützenden Gremien leitend aktiv. Alles geschehe auf dem Boden des Evangeliums und der kirchlichen Ordnungen. „Es geht um Glaubensgeschwister.“ Ihr Ausschluss sei unangemessen.

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 Albrecht wies außerdem darauf hin, dass gerade evangelikale Christen sich ihrer besonderen Beziehung zum Volk Israel bewusst seien. Dies werde durch ihre zahlreichen israelfreundlichen Werke deutlich. Die Solidarität mit Israel sei unter Evangelikalen oft bedeutend höher als in den Reihen derer, die jüdisch-messianische Gruppen kritisieren und eine „wenig sensible politische Nähe“ zu unangemessenen Forderungen die palästinensische Autonomie betreffend hätten, so Albrecht in einer Erklärung auf der Homepage der „Lebendigen Gemeinde„.

Positiv äußerte sich Albrecht dazu, dass in Stuttgart ein Podium zum Thema „Messianische Juden“ geplant sei. „Dies begrüßen wir sehr“, so Albrecht und forderte, „dass bereits bei der Vorbereitung dieses Podiums messianisch-jüdische Gruppierungen und Unterstützergruppen auf Augenhöhe beteiligt werden.“ Nur so könne diese Frage geistlich angemessen aufbereitet werden. „Wir boykottieren den Kirchentag nicht. Wir treten nicht ab, wir treten nicht aus, wir treten nicht nach, wir stehen auf.“

Seit Mitte der 90er Jahre existieren in Deutschland messianisch-jüdische Gemeinden. Derzeit sollen sie rund 1.000 Mitglieder haben, die meisten davon ukrainischer und russischer Herkunft.
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Link:

Erklärung von Ralf Albrecht, Vorsitzender der Christusbewegung „Lebendige Gemeinde“