Immer wieder wird über den Gottesbezug im Grundgesetz diskutiert. Bettina Limperg, evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages 2021, sieht in ihm keine Verpflichtung Einzelner auf das Christsein.

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„Ich persönlich glaube, er meint auch heute noch das Bekenntnis des Grundgesetzes gegen jede Form von Totalitarismus“, sagte die Präsidentin des Bundesgerichtshofs dem christlichen Medienmagazin „pro“ (2/2021). Der Satz richte sich gegen alle fürchterlichen Verbrechen und Allmachts-Fantasien der Nationalsozialisten, fügte die Juristin hinzu.

Die Väter und Mütter des Grundgesetzes wollten Limperg zufolge einen Kontrapunkt setzen zu deren menschenverachtender Politik. Der Satz sei für sie auch Ausdruck eines historischen Gewissens: „Er bedeutet aber nicht, dass Deutschland ein christlicher Staat und Einzelne auf das Christsein verpflichtet wären!“ Vielmehr machten die auf die Präambel folgenden Grundrechte „ein ganz großes Freiheitsversprechen für die Glaubens-, Gewissens- und Meinungsfreiheit“. Das sei ein Geschenk. Das Grundgesetz bezeichnete sie als „unglaublich kluge Verfassung“.

„So wie ich die Präambel verstehe, als Zeichen der Verantwortung vor den Mitmenschen, finde ich sie noch immer wertvoll. Vielleicht passt sie sogar besser als je zuvor in unsere Zeit, in der wir immer mehr nach verbindenden Werten suchen müssen“, fügte Limperg hinzu. Der Gottesbezug stelle den Menschen „in ein großes Ganzes“. Gleichzeitig appelliere er an „eine gewisse Demut in unserem Tun und Handeln“.

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Der 3. Ökumenische Kirchentag vom 13. bis 16. Mai wird gemeinsam veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Aufgrund der Corona-Pandemie findet er digital und dezentral statt.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Christlicher Glaube und Totalitalismus sind unvereinbar

    Der christliche Glaube enthält keine Allmachtsphantasien und gleichzeitig auch nicht die Überzeugung, dass Menschen in der Lage sind Gott zu erklären. Es gibt keinen Westentaschengott, den wir – bildlich gesehen – mit uns herumtragen, den wir uns nach eigenen Überzeugungen gebaut haben und der uns in allen unseren Auffassungen, Meinungen, Klischees und Vorurteilen recht gibt. Gott ist nicht die Summe unseres Wissens über ihn. Wir wissen nichts über ihn. Aber umso mehr sind uns die vielen überlieferten Gottesbegegnungen und Glaubenserfahrungen von Abraham, über Moses bis Jesus Christus bekannt. Gott ist als eine allesumfassende Wirklichkeit – er ist die Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit – die wirkliche Wahrheit.
    Gott ist Liebe. Wenn wir glauben und Jesus nachfolgen, hat er uns gefunden. Jesus ist Gott, ein Friedefürst, ein Freund, einer der seinen Jüngern die Füße wäscht und der den Dienst propagiert und nicht die Macht. Gott umgibt uns von allen Seiten und er ist im (fast) unendlichen Universum genauso wie er hier unten arbeitet. Er ist in allen Dingen und auch im Mitmenschen begegnet er uns. Jesus begleitet uns als Gott auf unserer Lebensbahn und er will unsere freiwillige Liebe. Wenn wir sterben gehen wir in das gleiche Licht, dem auch Saulus vor Damaskus begegnete. Dieses Licht ist die allesdurchdringende Liebe. Seit Golgatha hat sich dieses Licht der Welt mit uns versöhnt. Wenn es ein ewiges Gericht gibt, dann eines mit den Mitteln der Liebe. Wo wir sie nicht geübt haben im Leben, wird uns dann unsere Gewissen bestrafen. Es gibt dann einen Neuen Himmel und eine Neue Erde, also ein völlig neues Universum und wir sind die geliebten Töchter und Söhne eines Gottes, der eigentlich keinen Namen hat und der sagt: „Ich bin, der ich bin und ich werde sein der ich sein werde“! Der Gottesbezug im Grundgesetz macht sich vielleicht fest an der Überzeugung, dass wir uns menschlich verhalten sollen – so wie dies Jesus vorlebte. Dann herrscht keine Religion über den Staat und auch der Staat nicht über die Religion. Und dann ist jede Religion gut, die uns Freiheit schenkt, eine Freiheit von Menschen, die eine Ahnung von Himmel haben.

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