Abendmahl
Das letzte Abendmahl als Mosaik von Giacomo Raffaelli. Foto: Getty Images
In Düsseldorf wachsen die evangelische und die katholische Kirche näher zusammen. Ab sofort finden sich Büros beider Kirchen unter einem Dach – das ist bisher bundesweit einmalig. Unser Gastkommentator Pastor Marcus Tesch begrüßt die Entwicklung. Seiner Meinung nach dürften die Schritte zueinander deutlich weiter gehen. 
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Wenn Jesus vom Reich Gottes erzählte, dann spielte häufig das gemeinsame Essen eine große Rolle. „Aus Ost und West, aus Nord und Süd werden die Menschen kommen und in Gottes neuer Welt zu Tisch sitzen.“ (Lukas 13,29) In diesem Sinne und als Vorgriff auf diese neue Welt hat Jesus schon gemeinsam mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen am Tisch gesessen. Jede und jeder war willkommen, der seine Nähe suchte.

Diese Haltung hat nicht nur die Urkirche geprägt, wie wir es etwa bei Paulus lesen. Sie ist auch noch bis heute spürbar in der Vision von der weltweiten Ökumene und der Ökumene vor Ort. Auch wenn wir heute (noch!) an unterschiedlichen Orten nach Konfessionen getrennt Gottesdienste feiern, ist es kaum vorstellbar, dass wir im Reich Gottes am Tisch Jesu einmal nach evangelisch-landeskirchlicher, evangelisch-freikirchlicher, katholischer oder nach welcher Konfession auch immer getrennt an verschiedenen Tischen sitzen werden. Es ist nicht der Wunsch nach einer menschlichen Gleichmacherei, der die Ökumene trägt, sondern der Wunsch des Herrn selbst, der darum bittet, dass seine Jünger und Jüngerinnen eins seien, wie er selbst eins mit dem Vater ist.

Es ist darum sehr zu begrüßen und ein erfreuliches Zeichen, dass die Vertretungen der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche von Westfalen bei der Landesregierung in NRW in das nun von allen drei genutzte Büro der Katholischen Kirche gezogen sind – ein sichtbares Zeichen für das gemeinsame Zeugnis und die gemeinsame Verantwortung aller Christen und Christinnen in der Welt. Dies hat nicht nur praktische Gründe und verkürzt Wege. Es eröffnet nicht nur neue Perspektiven der Zusammenarbeit etwa der Diakonischen Werke und der Caritas – es ist auch ein fester Ausdruck der Zusammengehörigkeit. Diese Konstellation ist bisher in Deutschland einzigartig – sie könnte aber ein Vorreiter sein für andere Bundesländer.

Es ist vielen Menschen heute gar nicht mehr zu vermitteln, warum wir Christen an so vielen Stellen noch getrennt unterwegs sind, statt für unseren Glauben gemeinsam einzustehen.

Vorurteile schwinden zunehmend

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Ich erlebe Ökumene auch vor Ort. Die Basis, so heißt es, ist an vielen Punkten schon weiter als die jeweiligen Apparate. Da geschieht viel gemeinsame Arbeit, von gemeinsamen Festen über zusammen verantwortete diakonisch-karitative Arbeit bis hin zu ökumenischen Gottesdiensten. Es ist vielen Menschen heute gar nicht mehr zu vermitteln, warum wir Christen an so vielen Stellen noch getrennt unterwegs sind, statt für unseren Glauben gemeinsam einzustehen. Alte Vorurteile, die vor 50, ja manchmal sogar noch vor 20 Jahren bestanden, sind heute oft weitgehend abgebaut. In der Stadt, in der ich lebe und arbeite, gab es früher noch einen bei sehr vielen präsenten dicken Strich auf dem Schulhof der Grundschule, der die evangelischen von den katholischen Kindern trennen und fernhalten sollte. Das ist, Gott sei Dank, längst vorbei und Geschichte. Längst sind sich die Kirchen auch in zentralen Fragen des Glaubens nähergekommen, wenn auch unterschiedliche Nuancen bleiben.

Ich kenne die Scheu vieler evangelikaler Christen und Christinnen vor der Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. Zerrbilder und Unverständnis haben lange auch in der Verkündigung nachgewirkt. Ich gebe zu, auch mir bleibt manches bei unseren katholischen Geschwistern unverständlich. Das Gebet zu Maria, das eben doch manchmal entgegen der katholischen Lehre im volkstümlichen Verständnis eher wie eine Anbetung wirkt. Der Umgang mit den Sakramenten, wie er sich vor allem in der Fronleichnamsprozession zeigt. Das priesterliche Amt mit der besonderen Weihe. Und das eine oder andere mehr ebenfalls.

In Jesus finden wir zusammen

Andererseits stimmt aber auch: Wer zum Beispiel die leidenschaftlichen Jesus-Bücher der beiden zugegebenermaßen sehr unterschiedlichen Päpste gelesen hat, kommt nicht umhin, festzustellen, dass sich da ein Vertrauen auf Jesus und eine Liebe zu ihm zeigen, die auch mir als frommer evangelischer Christ wichtig sind. Wie käme ich dazu, ihnen den Glauben an Jesus abzusprechen? Paulus schreibt im 1. Korintherbrief: „Niemand kann sagen: »Jesus ist der Herr!«, wenn nicht der Heilige Geist in ihm wirkt.“ Ich habe gerade im Gespräch mit katholischen Christen und Christinnen eine solche innerliche Hinwendung zu Jesus gefunden, wie ich sie für mich und meine evangelischen Geschwister – auch in den Freikirchen und Gemeinschaften – manchmal nur wünschen könnte, gepaart mit einem vorbildlichen praktischen Einsatz in der Gemeinde und für die Bedürftigen. Das entbindet nicht davon, den Glauben und das Tun der Geschwister aus der fremden sowie aus der eigenen Kirche immer wieder einer Prüfung am Evangelium zu unterziehen. Am besten fange ich damit immer wieder bei mir selbst an.

Ich freue mich jedenfalls sehr über diesen Schritt, unter ein gemeinsames Dach als Vertretung der großen Kirchen bei der Landesregierung in NRW zu ziehen. Wer weiß, vielleicht kommen ja noch andere Kirchen dazu?

Trotzdem will ich nicht verhehlen, dass auch diese Nachricht für mich mit einem Stachel behaftet bleibt. Er hat mit der Botschaft vom Reich Gottes und vom gemeinsamen Tisch zu tun, die Jesus verkündet hat. Solange wir als Christen noch in der zentralen Frage des Abendmahls, der Eucharistie, und ihrer Feier getrennt sind, mischt sich in meine Freude auch noch Trauer. Könnte, ja müsste nicht im Vertrauen auf den einen Herrn der Kirche gesagt werden: Auch wenn wir die Feier des Abendmahls und der Eucharistie unterschiedlich deuten, ist es doch im Sinne Jesu, dass Menschen an dem EINEN Tisch zusammenkommen und sie nicht voneinander getrennt bleiben. Wir werden das Geheimnis der Liebe Gottes, die sich uns im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu gezeigt hat, in seiner Gänze niemals verstehen oder vor Missverständnissen schützen können. Wäre es darum nicht an der Zeit, nicht nur unter ein gemeinsames Dach, sondern auch an einen gemeinsamen Tisch zu kommen?

Marcus Tesch ist Pfarrer der rheinischen Kirche
in der evangelischen Kirchengemeinde Wissen.

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3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Wir haben alle nur einen gottvader und einen herrn und heiligen geist also lasst uns zusammen feern und ehren den dem die ehre zusteht machen wir doch einfach einen schulterschluss seit an seite und preisen seine herrlichkeit sela amen gott mit allen lg. Auf der durchreise mit fahrrad schweiz östreich slovenien-kroatien um den schulterschluss zu üben mit den einheimischen,lassen wir ein zeugniss sein für unsere bruder-schwesterschaft in ihm amen

  2. Die Ökumene wird stärker, konfessionelle Grenzen verlieren an Bedeutung. Auch wenn diese Entwicklung zu begrüßen ist, liegt die wahre Ursache dafür in einer weniger schönen Entwicklung. DIe Kirchen in Deutschland schwächeln: Die Katholiken sehen sich genötigt, die Missbräuche durch Geistliche aufzuarbeiten, die Lutheraner feierten sich zuletzt selbst und machen sich mit besserwisserischer Einmischung ins politische Tagesgeschehen lächerlich, und die methodistische Kirche zerreißt über der Debatte, ob man sich der homosexuellen Partnerschaft öffnen sollte. Man ist, so die öffentliche Wahrnehmung, viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Die Folge: Einfluss, Glaubwürdigkeit, gesellschaftliche Akzeptanz, Mitgliederzahlen und Spendenaufkommen gehen zurück. Die Kirchen fangen jetzt an zu lernen, dass sie sich die konfessionellen Trennungen und Spaltungen, die vielen Gebäude, das viele Personal, die großen Verwaltungsapparate nicht mehr leisten können. Deswegen sieht man sich gezwungen, die Recourcen zusammen zu schmeißen. Man ist in Zeiten der Anfechtung gezwungen, sich aufs Westentliche zu konzentrieren. Das kann eine großartige Chance sein, jahrhunderte alten Ballast loszuwerden, wenn man es richtig angeht. Das wird mit unter weh tun, aber man wird zusammenrücken MÜSSEN, wenn man als Nachfolger Christi in dieser Gesellschaft von Bedeutung sein will.

    • Mein Text gilt als Antwort an Martin Wannhoff: Ich glaube nicht, dass sich die Ev. Kirche durch die Einmischung ins politische Tagesgeschehen lächerlich macht. Das Evangelium besitzt schon deshalb eine politische Seite, weil die frohe Botschaft einen neuen Weg bedeutet für alle Welt und alle Menschen. Die Bergpredigt Jesu beispielsweise kann niemand sehenden Auges für unpolitisch halten. (Die weiteren Ausführungen von Martin kann ich gut mittragen).

      Zur Ökume ist hier nur zu vermerken, dass die Lösung so schwierig erscheint, weil sie so einfach ist.. Es gibt nur eine weltweite Kirche Jesu Christi, die sich in viele Konfessionen gliedert und sich über unterschiedlichste Ausformungen der Glaubenslehre, der Tradition und theologischer Überzeugungen zu einer Einheit in der Vielfalt ausgestalten könnte. Wenn wir glauben, dass Gott unsere Schuld und wir unseren Schuldigern vergeben, es eine Auferstehung der Toten und ein Ewigen Leben gibt, dann befinden wir uns im Zentrum des Glaubens, zu dem dann wesentlich noch gehört, dass Glauben ein festes Vertrauen ins Gott ist. Das Problem scheint mehr eher darin zu liegen, dass Evangelikale alles Volkskirchliche für viel zu liberal halten, manche Glaubenssätze und/oder Dogmen katholischer Art für ein theologisch liberaleren Christen nicht nachvollziehbar sind und man insgesamt eher den Vertretern anderer Religionen (den ihnen auch gebührenden) Respekt zollt, nicht aber den eigenen Gläubigen mit anderen Frömmigkeitsformen. Dass man fast alles darf, nur nicht das gemeinsame Herrenmahl zu feiern, ist ein richtiger Skandal. Soweit ich als Nichttheologe die Unterscheidungslehren zwischen evangelisch und katholisch kenne und/oder überhaupt richtig verstanden habe, halte ich beide Sichtweisen für begründet und sich nicht ausschließend. Es gibt aber andererseits keine größere Absurdität, die Form der Anwesenheit Gottes im Abendmahl irgendwie dogmatisch begründen zu wollen. Gott lässt sich nicht erklären. Genauso wenig, wie man metaphysisch erklären könnte, warum Gott überall ist und nicht nur in seiner ewigen Welt. Für die Ökumene wünsche ich mir eine Einheit in der Vielfalt, die auch eine oder einen gemeinsamen Sprecher/in, Oberhaupt oder Papst nicht ausschließt. Die gläubige Kirche der modernen Welt muss synodal und demokratisch sein und in ihr gibt es kein Fußvolk, sondern nur das Volk Gottes. Aber auch dies ist und wird immer ein Ideal bleiben, aber es ist nicht verboten, sich einem Ideal anzunähern. Eine allerdings perfekte Kirche oder einen perfektiven Christen darf es nicht geben, weil die Welt und wir alle nicht perfekt sind. Wir sind Menschen und als solche könnte unsere Nichtperfektheit bestensfalls auch unser Charme vor aller Welt sein. Heißt es njcht auch in der Bergpredigt, „selig sind die geistlich Armen“ (weil sie Gott brauchen). Ein größeres Wunder als die Fähigkeit über das Wasser zu gehen, besteht darin, wenn Menschen oder Institutionen sagen, sie hätten sich geirrt. Jedenfalls würde es die Ökumene einen Düsenantrieb geben, würde man zugeben, dass dogmatische Verabsolutiierungen Christen von Christen trennen. Aber wenn man sich in Glaubensdingen nicht irren kann, dann hat man ein grundsätzliches Problem. Kirchenrecht ist eine menschliche Einrichtung, zwar berechtigt als Mittel zum Zweck, darf aber nicht der spirituellen Einheit der Christen im Wege stehen. Man kann das Grundgesetz ändern genauso wie das Kirchenrecht.

      Schlusssatz: Zur Ökumene gehören aber nicht nur die beiden großen Volkskirchen, sondern das gesamte Volk Gottes. Hier sollte man die Grenzen weit ziehen.

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